Gedanken zum Rüstungsboom
Sorgt Wettrüsten für mehr Sicherheit?
Wir erleben aktuell eine Schwächung der regelbasierten und wertegestützten Weltordnung. Dies führt zu einem Rüstungsboom, an dem manche recht gut verdienen. „Heimische Betriebe profitieren von Wettrüsten“ lautete eine Schlagzeile des öffentlich-rechtlichen Rundfunk, als ob „Wettrüsten“ die normalste Sache der Welt wäre. Rüstungsaktien gehen weltweit durch die Decke und Anleger freuen sich, offenbar ohne darüber nachzudenken, womit sie ihr Geld verdienen. Auch die Nähe zwischen Rüstungslobby und Politik ist evident. Nun wissen wir aber, dass sich die Rüstungsindustrie nicht auf die Herstellung defensiver Abwehrsysteme, Bergekräne udgl beschränkt. Sie produziert Waffen, die vor allem zerstören, töten, verstümmeln und traumatisieren. Sind wir wirklich schon so verroht, dass uns das egal ist? Abgesehen vom unermesslichen menschlichen Leid, das im Falle eines Gebrauchs verursacht wird, kostet das Wettrüsten sehr viel Geld. Geld das wir gar nicht haben. Der Irankrieg kostet der USA angeblich etwa 1.000.000.000 bis 2.000.000.000 Dollar pro Tag. Davon profitieren vor allem Rüstungskonzerne und Aktienspekulanten, während dieses Geld woanders der breiten Bevölkerung fehlt. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman stellte kürzlich folgenden Vergleich an: „300.000.000 Dollar wurden beim Abschuss von drei US-Flugzeugen über Kuwait vernichtet, das Geld ist weg. Damit hätte man nachhaltig Schulen bauen oder Krankenhäuser sanieren können.“
Waffen reißen Löcher in Bauten, Körper, Seelen und jedenfalls in die Finanzen, nämlich auch dann, wenn sie nicht zum Einsatz kommen. Bei allem Verständnis für die Notwendigkeit der Erfüllung einer umfassenden, also auch militärischen Landesverteidigung laut Verfassung, frage ich mich, ob wir der nächsten Generation eine Welt hinterlassen möchten, in der das Geld in den wichtigsten Bereichen des Lebens nicht zuletzt deshalb fehlt, weil wir es längst in Zerstörung und Tod investiert haben.
Lassen wir uns nicht einreden Wettrüsten führe automatisch zu mehr Sicherheit. Es ist belegt, dass die Rüstungsspirale neben enormen Kosten zu einer Destabilisierung führt, die meist mit einem erhöhten Konfliktrisiko einhergeht und die den permanenten aber notwendigen Prozess der Friedenssicherung nachhaltig erschwert.
Autor:Christoph Winter aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT |
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