Priesterjubiläum
„Solange ich hinaufkomme“

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Wallfahrtsseelsorger. Mit Leidenschaft und Feingefühl. An einem „familiären“ Wallfahrtsort: Pfarrer Matthias Oberascher prägt seit dem Jahr 1999 Mariastein.

Mit seiner liebenswürdigen Art und seinem offenen und freundschaftlichen Zugang machte Matthias Oberascher die Wallfahrtsanlage Mariastein zu einem beliebten Anziehungspunkt für Jung und Alt. Ihren Beinamen „Zu Unserer Lieben Frau“ nimmt er sich besonders zu Herzen: „Da steckt so etwas Liebes drin, das einfach guttut. Das geht nicht nur mir so. Das erleben ganz viele hier“, erzählt der Pfarrer.

142 Stufen hinauf

Mariastein ist nicht einfach zu erreichen: 142 Stufen führen hinauf zur Gnadenkapelle. „Man muss nach Mariastein kommen, solange es die Gesundheit zulässt. Die Botschaft dieses besonderen Ortes: Man soll nicht alles aufschieben. Irgendwann ist es zu spät“, sagt der 68-Jährige lächelnd, der sich hin und wieder auch selbst ertappt, wenn er etwas auf den letzten Drücker hinausschiebt. Sein Vorbild sind gerade die vielen alten Menschen, die hierher kommen und sich „hinaufkämpfen“, wie der Wallfahrtspfarrer sagt. „Sie sind so glücklich, wenn sie hinaufkommen. Das führt mir vor Augen: Das Leben ist nicht immer einfach, aber wenn man sich bemüht, dann kommt man schon hinauf. So lange ich die Stufen hinaufkomme, bleibe ich gerne hier Wallfahrtsseelsorger.“

Ein Dienst, der guttut

Als Wallfahrtspfarrer ist er in erster Linie für „seine“ Pilgerinnen und Pilger da. Sieben Tage die Woche, von früh bis spät. „Derzeit bin ich auch noch Hausmeister. Und sperre jeden Tag um halb sieben Uhr auf. Da kommen schon die Ersten, die vor Arbeitsbeginn eine Kerze anzünden. Ihre Anliegen sind vielfältig und höchst privat. Sie pilgern nach Mariastein, weil eine schwierige Entscheidung oder eine Prüfung anstehen, Krankheit oder Einsamkeit sie belasten oder sie Kraft für eine Neugestaltung des Lebens erbitten“, erzählt der Wallfahrtsseelsorger. Beinahe jeden Tag, oft sogar zweimal feiert der Priester Gottesdienst. „Früher hatten viele Pilgergruppen ihre eigenen Seelsorger mit. Das ist nicht mehr so. Trotzdem ist das gemeinsame Feiern einer heiligen Messe gewünscht. Wenn die Menschen dann mitgehen und mit Begeisterung singen, ist das unbeschreiblich. Das freut und stärkt mich“, meint der Seelsorger strahlend.„Viele schleichen sich auch heimlich in die Gnadenkapelle und lassen ihrem Verdruss freien Lauf. Häufig mit Tränen. Unsere Kapelle ist klein, man sieht gut zum Gnadenbild und kann mit den Augen Kontakt zur ‚lieben Frau‘ aufnehmen. Die meisten gehen sehr getröstet wieder in ihren Alltag zurück“, sagt Oberascher.
In den vergangenen Monaten war die Tür zur Wallfahrtsburg nie zugesperrt. „Während Corona war es stiller. Wir hatten aber mehr Freiheit, weil wir bei gutem Wetter Messen im Hof feiern konnten. Jetzt kommen sehr viele Familien, die etwas ‚nachholen‘ wollen.“

Seit 40 Jahren Priester

Erst vor kurzem beging der Seelsorger, der auch seit vielen Jahren priesterlicher Mitarbeiter im Krankenhaus Kufstein ist, sein 40-jähriges Priesterjubiläum. Was sich in dieser Zeit verändert hat? „Die Entwicklung von einer versorgten zu einer sorgenden Gemeinde ist noch lange nicht abgeschlossen. Wir alle müssen uns bewusst sein, dass nicht wenige die christliche Gemeinschaft prägen, sondern alle mitverantwortlich sind“, denkt er. Und er selbst: „Ich bin ruhiger geworden und habe meinen Glauben durch meine Zuneigung zum Mönchtum vertieft. Ich schaue nicht mehr auf das Perfekte, sondern auf das, was wirklich wesentlich ist.“ Mariastein wünscht er, dass die Burg erhalten bleibt und sich viele von der „lieben Frau“ anstecken lassen und ein liebenswürdiges Glaubensleben führen.

Daniela Pfennig

Foto: In der Kirche von Mariastein ist das Gnadenbild der thronenden Madonna mit Kind – geschnitzt um 1450 aus Lindenholz. Zu ihr bringen die Pilgerinnen und Pilger ihre Anliegen.

Foto: RB/Pfennig

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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