Coronavirus
So gehen Pfarren damit um

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Ausnahmezustand in der Erzdiözese und im gesamten Land: Während etwa der Dom zu Salzburg seine Messen in die Wohnzimmer der Gläubigen überträgt, gibt es auch in vielen Pfarren Ideen, um das Glaubensleben in diesen Tagen bunt zu halten. Viel läuft dabei über Smartphones und Homepages im Internet. Das Rupertusblatt hat sich umgehört.

Zwei Minuten dauern sie maximal, die Handyvideos, die Diakon und Pfarr-assistent Albert Hötzer in seiner Pfarre Siezenheim gerade aufnimmt. An wen er sie über den Nachrichtendienst WhatsApp übermitteln wird? „An die Eltern unserer Kinder, die sich gerade auf die Erstkommunion vorbereiten“, sagt er. Die Leute, groß und klein, bräuchten derzeit vermehrt Ansprache und Impulse, ist Hötzer überzeugt. Und so fasst er für die Kleinen vor der Handykamera beispielsweise zusammen, was es mit dem Vaterunser auf sich hat. „So bleibt der persönliche Bezug aufrecht“, sagt er mit hoffnungsfrohem Tonfall.

Vieles „analog“ im Lammertal

Schauplatzwechsel ins Lammertal. Auf der Homepage des Pfarrverbands steht mehrfach das Wort „Absage“: Fastensuppenessen, Familienfeiern, öffentliche Gottesdienste. „Auch die Pfarrkanzleien sind zu. Bei uns in Abtenau ist sowieso keiner mehr da, weil unsere Sekretärin mit ihrem Kind zu Hause lernt“, erklärt Pfarrer Pater Virgil Steindlmüller. Für seine Pfarren will der Benediktinerpater jedenfalls nicht in Aktionismus verfallen. Übertragungen von Gottesdiensten stünden also nicht zur Diskussion; es gebe ohnehin ein breites Streaming-Angebot für Gottesdienste in der Erzdiö-zese und österreichweit (siehe Seite 3). „Da muss nicht die hundertste Live-Übertragung von uns kommen.“
Abtenau geht es also ruhiger und traditioneller, ohne neue Medien, an. Mit Pater Rupert habe der Pfarrer sich dazu entschieden, ein intensives geistliches Leben mit Messfeiern und Gebeten für die Gläubigen zu führen. „Wir feiern nicht als Privatveranstaltung, sondern in inniger Verbundenheit mit jenen, die derzeit nicht dabei sein können“, sagt Steindlmüller und klingt dabei ruhig und hoffnungsfroh.
Wer derzeit in die Kirche kommt, findet dort neuerdings ein Fürbitt-Buch (in dieses kann man auch mit einem selbst mitgebrachten Stift schreiben), die Bibel, Impulstexte und eine Kerze, die brennt.
Apropos Impulse: Die gibt es jeden Tag frisch aus der Tastatur von Virgil Steindlmüller auf der Pfarrverband-Homepage sowie in diversen WhatsApp-Gruppen der Pfarre. „Alles andere soll sich entwickeln – je nachdem, wie lange dieser Zustand dauert.“

Kufstein: Chance zu Besinnung

Gedämpfter ist die Stimmung in Tirol und damit in jenem Bundesland, das am Wochenende als erstes erlassen hat, dass Menschen bis auf wenige Ausnahmen zu Hause bleiben müssen. „Es ist ein Dilemma, dass der Mensch so stark an seinen Gewohnheiten hängt und Unsicherheit manchen ein Stück weit auch Angst macht. Vielleicht ist die derzeitige Situation aber ein guter Einschnitt im Sinne einer Erinnerung daran, was im Leben wichtig ist“, sagt Stadtpfarrer Michael Blassnig nachdenklich. Zusammenhalt etwa. Dieser sei in seiner Stadtpfarre Kufstein-St. Vitus allein schon dadurch spürbar, dass die Straßen weitestgehend leer seien, so, wie angeordnet. Den vergangenen Sonntag hat Blassnig zu einem Gutteil in der Kirche verbracht. „Ich bin dagesessen, habe eine Kerze angezündet und den wenigen Menschen, die vorbeikamen, erklärt, warum wir nicht gemeinsam Gottesdienst feiern.“ Da sich die Vorschriften von Erzdiözese, Land und Bund mehrmals verändert hatten und das auch so weitergehen kann, wird der Pfarrer jedenfalls weiterhin die Kirche täglich auf- und wieder zusperren, um seinen Gläubigen Raum zum Beten zu geben – wenn auch mit gutem Abstand zueinander.

Begräbnis ist Herausforderung

Rund 30 Kilometer weiter, in der Pfarre Reith im Alpbachtal, hält Pfarrer Erwin Mayer die Stellung im Pfarrhof. „In Tirol ist vieles verschärft, wir dürfen derzeit nicht zum Spazieren hinaus“, sagt er am Montag im Gespräch mit dem Rupertusblatt. Die meisten Menschen hielten sich daran. Die Stimmung unter ihnen sei unterschiedlich. „Manche nehmen es locker, manche fürchten sich aber auch“, sagt Mayer. Als Seelsorger sei er telefonisch erreichbar; auch auf dem Friedhof führe er Gespräche – mit dem nötigen Abstand zueinander. „Beim Reden kann ich Ängste nehmen“, erklärt Mayer. Unzufrieden zeigt der Priester sich allerdings mit der Regelung bei Begräbnissen. Dass diese nur unter schärfsten Bedingungen stattfinden sollen, hält er für „unpassend“, wie er sagt.

Schihochburg findet neue Wege

In Kirchberg in Tirol gab es am Montag den ersten Sterbefall (ohne Zusammenhang mit dem Coronavirus) in der Pfarre seit den erlassenen Ausgangsbeschränkungen. Nach dem Trauergespräch mit der Familie fühlt sich Katrin Schweiger – sie ist Helferin in der Pfarre und war lange Pfarrgemeinderatsobfrau – beflügelt: „Ich hatte Angst davor, wie wir mit Todesfällen umgehen. Das Gespräch mit der Mutter des Verstorbenen war so positiv. Sie will alle, Familie und Freunde, bei der Trauerfeier dabei haben. Deshalb wird sie damit warten, bis die Urnenbeisetzung wieder im größeren Kreis stattfinden darf“, erzählt Schweiger und sagt, dass sie stolz sei auf die Art, wie Menschen mit der Lage umgehen.Ansonsten sei Kirchberg, eigentlich Hochburg im Wintertourismus und Skisport, zu einem ruhigen Ort geworden. „Nur ein paar Sture sind dabei, denen nicht bewusst ist, dass jetzt Zurückhaltung gefragt ist.“
Weil das Ausgehen untersagt oder beschränkt ist, haben Musikerinnen und Musiker österreichweit Privatkonzerte an ihren Balkonen oder Fenstern zu Hause gegeben. Katrin Schweiger hat ihr Flügelhorn entstaubt, ausgepackt – und das Vaterunser für alle gespielt.

Michaela Hessenberger

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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