Pfarrgemeinderat
Kirche ist kein Selbstzweck

Für Freiräume spricht sich Dekan Johann Pock aus. Bei seinem Online-Forum lotet er mit den Teilnehmenden die Grenzen aus und diskutiert, was möglich ist.
  • Für Freiräume spricht sich Dekan Johann Pock aus. Bei seinem Online-Forum lotet er mit den Teilnehmenden die Grenzen aus und diskutiert, was möglich ist.
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Johann Pock ist Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät Wien. Der Pastoraltheologe kennt Pfarrstrukturen aus der Praxis als Diakon, Kaplan, Pfarrmoderator. Pock war insgesamt drei Jahre – in Tübingen und Graz – „Aushilfsseelsorger“. Beim österreichischen PGR-Kongress ist er einer der Impulsgeber in den Online-Foren.

RB: Ihr Vortrag am 28. April trägt den Titel „Wie nutzen wir Freiräume? Reden wir darüber.“ Wo sehen Sie Pfarren, Ehren- wie Hauptamtliche, in einem engen Korsett, wo orten Sie Freiräume?

Johann Pock: Vieles im Pfarralltag hat Tradition: die intensiven Vorbereitungen für Erstkommunion und Firmung oder Pfarrfeste. Und das absolute „Killerwort“ für Veränderung lautet: „Das war schon immer so.“ Zugleich sind Bereiche getrennt: Schule und Pfarre, Pflegeseelsorge … Freiräume müssen geschaffen werden, um sie nutzen zu können. Und das betrifft auch die Zuordnung der Aufgaben: Auch hier müsste man genauer schauen, was wer kann – und was wer machen möchte. Und nicht von traditionellen Zuordnungen ausgehen.

RB: Die Aussage „Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist“, können wir also im Kontext von Pfarren durchaus positiv besetzen. Was ist aus Ihrer Erfahrung noch alles möglich, was Pfarrgemeinden noch nicht nutzen?

Pock: Man müsste zum Beispiel Jugendlichen mehr Möglichkeiten geben, dass sie ihre Ideen umsetzen können. Oder Räume verstärkt teilen – mit anderen Konfessionen und Religionen, mit anderen Vereinen ... Kooperationen über die Pfarr- und andere Grenzen hinweg anzudenken. Natürlich auch die neuen digitalen Möglichkeiten – aber da braucht es eine gewisse Professionalität. Wer hätte vor einem Jahr etwa gedacht, wie viel an Seelsorge über das Internet möglich ist?

RB: Welche Chancen sehen Sie in der Ritualforschung? Die Sakramentenpastoral leidet während der Coronapandemie stark, das wurde auch medial sehr beklagt. Wie hat sie sich durch die Krise verändert? Welche Chancen könnte man aktuell nutzen?

Pock: Aus der Ritualforschung lernen wir, wie wichtig den Menschen gute Rituale sind. Und wenn sie für ihre Lebenswenden und Fragen bei uns nicht die Angebote bekommen, die hilfreich sind, gehen sie anderswo hin. Freie Ritualbegleiterinnen und -begleiter besprechen zum Beispiel lange mit den Leuten, was ihre Anliegen sind, welche rituellen Elemente gewählt werden könnten. Dabei hat die katholische Kirche so einen reichen Erfahrungsschatz, vor allem im Bereich von Sterben und Tod. Und genau da wurde es in der Pandemie notwendig, Neues zu entwickeln. Zum Teil mit online-Angeboten, zum Teil mit „Ritualen to go“ – also mit Anleitungen, wie man selbst kleine Feiern gestaltet.
Die aktuellen Chancen liegen darin, Neues zu entwickeln – und auch auf das zu schauen, welche kreativen Ideen inzwischen entstanden sind.

RB: Man solle, so heißt es, über den Tellerrand schauen. Wohin empfehlen Sie Pfarren zu blicken? Und was genau ist jeweils der Tellerrand?

Pock: Der Tellerrand ist an jedem Ort ein etwas anderer: die andere Pfarre, eine andere Konfession am selben Ort. Das können aber auch genauso Personen und Institutionen sein, von denen man etwas lernen kann für Begleitung, Jugendarbeit oder Altenseelsorge. Es gibt heute viele digitale Angebote und „best practice“-Modelle, wo man sich Ideen holen könnte. Es braucht ein Bewusstsein einer „Kirche an neuen Orten“, dass also Kirche sich nicht primär und ausschließlich in der Pfarre ereignet, sondern (ganz im Sinne des „Laienapostolats“ vom II. Vatikanischen Konzil) an jenen Orten, wo Chris-tinnen und Christen arbeiten und leben.
Es braucht ein Verständnis von Kirche, die mit zwei Lungen atmet: der Versammlung – aber auch der Sendung nach außen: Kirche ist kein Selbstzweck – sie steht im Dienst der Verkündigung.

Christina Repolust

Einladung: Ein PGR-Kongress mit vier Online-Foren findet ein Jahr vor der Wahl der Mitglieder zum Pfarrgemeinderat im März 2022 statt. Eingeladen haben die österreichischen Bischöfe. Was sich am 12., 20. und 28. April sowie am 6. Mai im Internet tut? Hochkarätige Referentinnen und Referenten bieten Impulse und Austausch. Klara Csiszar etwa fragt „Wozu Pfarre?“, Gabriele Viecens „Wie schaffen wir Platz für Talente und ermöglichen Beteiligung?“ Alle Informationen zu den Inhalten und zur Anmeldung gibt es auf www.pfarrgemeinderat.at. Zur Teilnahme brauchen Sie lediglich ein Gerät mit Kamera und Mikrofon (Smartphone, Laptop, PC, Tablet).

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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