Nach dem Anschlag
Die Lage ist angespannt

Ist Salzburg sicher? Die Frage stellten sich am Dienstag auch Dietmar Koisser (l.) und sein Mesnerteam vom Dom zu Salzburg. „Wir sind noch aufmerksamer als sonst“, sagt der Sarkisteidirektor. Vor dem Eingang ist „Salzburg betet für Wien“ am Bildschirm zu lesen.
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  • Ist Salzburg sicher? Die Frage stellten sich am Dienstag auch Dietmar Koisser (l.) und sein Mesnerteam vom Dom zu Salzburg. „Wir sind noch aufmerksamer als sonst“, sagt der Sarkisteidirektor. Vor dem Eingang ist „Salzburg betet für Wien“ am Bildschirm zu lesen.
  • Foto: RB/mih
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Entsetzen und scharfe Verurteilungen nach dem Terroranschlag in Wien. Ein Salzburger Experte schätzt die Lage als „angespannt“ ein. Welche Rolle verletztes religiöses Empfinden bei den jüngsten Attentaten zwischen Paris, Nizza und Wien spielt.

Tote, Verletzte, Angst: Was am Allerseelen-Abend nahe der Synagoge sowie an mehreren weiteren Tatorten in der Wiener Innenstadt passiert ist, entsetzt und lähmt die Menschen, die in Österreich leben. „Der mutmaßlich islamistische Anschlag kam ausgerechnet in einer Zeit, in der wir ohnehin mit Ängsten konfrontiert sind.“ Das sagt der Soziologe Wolfgang Aschauer; er ist Professor an der Universität Salzburg.

Das Coronavirus habe ungelöste Themen wie beispielsweise Integration in den vergangenen Monaten völlig in den Hintergrund gedrängt, gibt er zu bedenken. „Doch hierzulande gibt es schon viele reale Probleme, die brodeln, und wir finden Radikalisierungsdynamiken vor. Ebenso wie in anderen Ländern Europas.“

Bereits die Enthauptung eines Lehrers nahe Paris und kurz darauf der Anschlag bei der Kathedrale in Nizza zeigten, dass es ein Trugschluss sei zu glauben, dass in Zeiten von Corona Bedrohungen der westlichen Welt einfach in den Hintergrund treten.

Ist Salzburg im Blick von Terroristen?

Ob Salzburg vor Anschlägen sicher ist? „Nicht unbedingt. Das ist das Problem am Terror: Er kann überall passieren, ob islamistisch oder etwa rechtsextrem motiviert“, sagt Aschauer. Als er mit dem Rupertusblatt spricht, sind nach den Ereignissen in Wien noch viele Fragen offen. Hat eine größere Terrorzelle das Attentat von langer Hand geplant oder sind die mutmaßlichen Täter einige wenige, die sich etwa über das Internet radikalisiert und sich über die Zeit mit den Ideen eines blutigen und falsch ausgelegten Islam angefreundet haben?Fest steht für Aschauer, dass die Antwort auf Terror von offizieller Seite stets eine harte und klare sein muss. „Wir müssen Grenzen aufzeigen“, sagt er. Seitens der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich wünscht der Forscher sich eine scharfe Verurteilung des mutmaßlich islamistischen Akts.

„Dabei ist die österreichische Bevölkerung sehr kritisch und mit offiziellen Statements der islamischen Gemeinschaft nur selten zufrieden“, weiß er. Es brauche daher gerade jetzt ein Aufeinander-Zugehen aller. Und es gelte, ein gutes Miteinander im Alltag zu bewahren oder zumindest rasch zu finden – mit streng religiösen Muslimen ebenso wie in der ausgewogenen und fairen Berichterstattung der Medien.

Radikale Antwort auf verletzte Gefühle

Mit Blick auf jenen Terroranschlag, der erst vor wenigen Tagen im französischen Nizza stattgefunden hat, sagt Wolfgang Aschauer, dass der Schauplatz Kirche dort offenbar bewusst gewählt war. „Wenn Medien das liberale Europa mit zynischer Religionskritik verteidigen und die umstrittenen Mohammed-Karikaturen des Satiremagazins Charlie Hebdo erneut abdrucken, sehen sich viele Muslime in ihren religiösen Gefühlen extrem verletzt. Racheakte können folgen und auch Kirchen werden unverschuldet in dieses politische Geschehen hineingezogen.“

Dom zu Salzburg: „Wir sind wachsam“

Schauplatzwechsel in die Salzburger Altstadt: Dort ist Dietmar Koisser am Tag nach dem Terroranschlag von Wien in und rund um die Salzburger Bischofskirche unterwegs. „Die Polizei war Dienstag früh am Dom stark präsent, ebenso in anderen Teilen unserer Stadt“, berichtet er. Der Sakristeidirektor und sein Mesnerteam seien nun noch aufmerksamer als sonst, die Videoüberwachung unterstütze die Arbeit der Männer zusätzlich. „Die Situation ist nach dem Schrecken von Wien schon beängstigend“, sagt Koisser mit nachdenklichem Tonfall.

Ist Salzburg sicher? Die Frage stellten sich am Dienstag auch Dietmar Koisser (l.) und sein Mesnerteam vom Dom zu Salzburg. „Wir sind noch aufmerksamer als sonst“, sagt der Sarkisteidirektor. Vor dem Eingang ist „Salzburg betet für Wien“ am Bildschirm zu lesen.
Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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