Familienfasttag
„Der Samen ist aufgegangen“

Mayra Magalí Carreto Rivera  mit ihrer Brokkoli-Ernte.
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  • Mayra Magalí Carreto Rivera mit ihrer Brokkoli-Ernte.
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„Frauen sind keine Objekte, Frauen sind Menschen. Sie haben ein Recht auf ein freies, selbstbestimmtes Leben ohne Gewalt. Dafür setzen wir uns ein – für ein Gutes Leben.“ So fasst Julia Elizabeth Cajas Lima die Arbeit der guatemaltekischen Organisation „Amoixquic“ (ausgesprochen: Amoischkik) zusammen. Unterstützung kommt aus Österreich. Die Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung Österreich (kfbö) stärkt den Maya-Frauen den Rücken.

„Amoixquic“ ist seit 1997 im westlichen Hochland von Guatemala aktiv. „Unser Name geht auf eine mythische Maya-Figur zurück, die für Selbstbestimmung steht. Damit können sich die Frauen gut identifizieren“, berichtet Projektkoordinatorin Cajas Lima. Wenn sie und ihre Mitarbeiterinnen neu in ein Dorf kommen, heißt es erst einmal Bewusstsein schaffen. Das fange mit dem Sichtbarmachen der Arbeit der Frauen und Mädchen an. „Wir sind ja nur daheim“, stellen diese ihr Licht unter den Scheffel. „Dann lassen wir die Frauen mit Hilfe einer Uhr ihren Tag rekonstruieren, der oft schon um vier Uhr früh anfängt und bis zum Abend ausgefüllt ist: Sie kümmern sich um den Haushalt und die Kinder, versorgen die Tiere und sind am Feld. Erst wenn sie alles aufschreiben, wird ihnen bewusst wie viel unbezahlte Arbeit sie leisten.“

Jede Frau soll frei entscheiden

Der Alltag der indigenen Frauen ist hart. Eine Familie kann kaum von ihrem winzigen Stückchen Land leben. Oft leiden Frauen zusätzlich unter Rassismus und der Gewalt ihrer Ehemänner oder Väter. „Amoixquic“ setzt mit Workshops sowie Bildungsarbeit einen Wandel in Gang, der nicht mehr aufzuhalten ist. Die Frauen lernen ihre Rechte kennen, Strategien wie sie Diskriminierungen überwinden und eigene Perspektiven im Leben entwickeln können. „Dieses Wissen müssen wir gießen, damit es wie ein Samen gedeihen kann. In meinem Haus ist der Samen von ,Amoixquic‘ schon aufgegangen“, sagt etwa Susana Rodríguez aus dem Dorf El Rosario. Ihre Töchter wissen, heiraten und Kinder bekommen, müssen nicht ihre alleinigen Ziele bleiben.

Die Männer lernen auch dazu

Die Meinung, der Mann „hält“ die Frau aus, ist noch weit verbreitet. Julia Elizabeth Cajas Lima und ihre Mitstreiterinnen zeigen andere Wege auf und machen die Mütter zu den Vorbildern ihrer Kinder. „Das Wichtigste ist: Jeder Mensch, jede Frau, soll entscheiden können, wie sie leben möchte.“ Manchmal seien Ehemänner bei den Gruppentreffen dabei. „Dann sprechen auch sie langsam von Geschlechtergerechtigkeit. Diese Botschaft ist natürlich längst nicht bei allen Männern angekommen. Wir wissen, das ist ein mühsamer Prozess der kleinen Schritte.“„Amoixquic“ gibt den Frauen in Workshops auch praktisches Wissen weiter. Sie stellen Naturseife und Shampoo her oder medizinische Produkte aus Heilpflanzen. Mit dem Verkauf haben sie ein eigenes Einkommen. Ein Mosaikstein in der wirtschaftlichen Ermächtigung ist die Gründung von Spargruppen. Hier lernen die Frauen mit dem wenigen ersparten Geld besser umzugehen.

Bio-Landbau ist der Schlüssel

Ein weiteres Kernthema von „Amoixquic“ ist biologische Landwirtschaft. Sie ist eine Lösung, der grassierenden Mangel- und Fehlernährung entgegenzuwirken, die sich in der Coronapandemie noch zugespitzt hat. Die Frauen legen auf kleinen landwirtschaftlichen Flächen eigene Gärten mit traditionellen Gemüsesorten wie Bohnen, Mais sowie Kräuter und Heilpflanzen an und züchten Kaninchen. Viel Wert legen sie auf ökologischen Landbau, altes Maya-Wissen und das Gewinnen von eigenem Saatgut.

Die Hoffnung trägt uns

Corona prägt in Guatemala wie überall auf der Welt den Alltag. „In den Frauengruppen sind die Treffen und der direkte Austausch ganz zentral. Das ist nur eingeschränkt möglich“, erzählt Julia Cajas. Sie berichtet zudem von einer sehr geschwächten Wirtschaft und sie befürchtet: „Bis die Impfung zu uns kommt, wird es noch lange dauern. Unser Gesundheitssystem ist unterfinanziert. Die öffentlichen Spitäler sind sehr schlecht ausgestattet. Patienten müssen für die Behandlung eigene Medikamente mitbringen.“ Ihr Team gebe trotz aller Hürden sein Bestes. „Wir kämpfen weiter“, verspricht Cajas.

Die Aktion Familienfasttag fördert „Amoixquic“ und rund 70 weitere Frauen-Projekte in Asien, Lateinamerika und Afrika. „Und das ist heuer genauso wichtig und Not wendend wie jedes Jahr“, sagt Michaela Luckmann.

Die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung (kfb) in der Erzdiözese Salzburg erinnert daran, dass die kfb in Zeiten der Not nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet worden ist. „Und gerade deshalb ist es uns ein Herzensanliegen, jene zu unterstützen, denen es unter den Pandemiebedingungen noch schlechter geht als uns, die weniger Möglichkeiten haben mit den herausfordernden Situationen umzugehen.“ Die Frauen in den Ländern des Südens seien von den Auswirkungen der weltweiten Coronakrise besonders stark betroffen. „Wir tragen eine solidarische Verantwortung für unsere Partnerinnen. Unser Tun und Handeln hat Auswirkungen darauf, wie es den Frauen in den Ländern des Südens geht“, ist Luckmann überzeugt. Sie verweist außerdem darauf, dass Teilen und Solidarität etwas sehr Wesentliches für die Fastenzeit und für Ostern darstellen. „Dabei soll die Botschaft des Lebens nicht nur verkündet werden. Sie soll lebbar sein.“ Weltweit seien Frauen beginnend mit der Fastenzeit über den ökumenischen Weltgebetstag am 5. März, dem Tag der Frau am 8. März bis hin zu Ostern (betend) miteinander verbunden. Luckmanns ermutigende Worte an die Frauen: „Hoffnung ist kühn, sie trägt uns in dieser Zeit.“

Suppe für das Gute Leben

Die für die Aktion Familienfasttag so wichtigen und beliebten Benefizsuppenessen können nicht stattfinden. Die Katholische Frauenbewegung geht daher mit der Online-Mitmachaktion neue Wege. „Sei Köchin/Koch des Guten Lebens“, heißt es auf www.teilen.at. Frau und Mann sind eingeladen, das Lieblingssuppenrezept zu verraten und zu erzählen, wie diese Suppe das Gute Leben unterstützt. Den Anfang für diese solidarische, digitale Rezeptsammlung machte Bundespräsidentengattin Doris Schmidauer. Weitere Unterstützerinnen sind Profiköchin Sarah Wiener, Kulinarik- und Krimiautorin Eva Rossmann oder Entertainerin Katharina Straßer.

Und so einfach geht‘s: Wählen Sie das Rezept Ihrer Lieblingssuppe aus, laden Sie es mit einem Foto auf www.teilen.at hoch und schreiben Sie, wie diese Suppe zum Guten Leben beiträgt. Schauspielerin Kathi Straßer (Bild) ist eine der prominenten Unterstützerinnen. Sie hat für ihre Hühnersuppe fleißig geschnippelt.

Termine rund um den Familienfasttag, der auf den Freitag, 26. Februar, fällt.
◆ Thementag: Am 26. Februar dreht sich in „Radio klassik Stephansdom“ (www.radioklassik.at) von 8 bis 18 Uhr alles um die Aktion Familienfasttag. Eine der Interviewpartnerinnen ist Magdalena Barth, Vorstandsmitglied der kfb in Salzburg und ehrenamtliche Mitarbeiterin der Salzburger Aktion Familienfasttag.
◆ Sammelsonntag in den Pfarren: Sonntag, 28. Februar.
◆ Fernsehgottesdienst: Am Sonntag, 14. März, um 10 Uhr gibt es einen TV-Gottesdienst zum Familienfasttag in ORF III.

Erzbischof Franz Lackner

Aus dem Hirtenwort zum Familienfasttag

Liebe Schwestern und Brüder!

„Der Moment, den wir Gegenwart nennen, wurde uns anvertraut. Was machen wir aus ihm? Schauen wir auf unseren Glauben, merken wir: Nicht nur die Gegenwart, auch alles Übrige gehört nicht uns, es wurde uns anvertraut. Nicht einmal wir selbst gehören uns. Gott, der Herr der Heere, er allein ist der Besitzer“, so Erzbischof Franz Lackner.Vor Gott seien alle gleich, alle auf der gleichen Stufe. „Weshalb ein Mensch in Armut, der andere in Überfluss geboren wurde, lässt sich von uns nicht beantworten. Selbst wenn wir alle möglichen wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten beseitigt hätten, bliebe die Frage, weshalb ein Mensch gesund, der andere krank ist.“ Doch diese Frage nach dem Warum der Unterschiede bringe uns nicht weiter. „Die wichtigere Frage ist, was in uns geschieht. Dreht sich uns der Magen um – so die wörtliche Übersetzung von Mitleid – wie dem barmherzigen Samariter angesichts von Not und Ungerechtigkeit? Wenn ja, dann können wir nicht weitergehen oder von oben herab eine milde Gabe abgeben, sondern dann steigen wir hinab und schultern den, der uns braucht.“ Im Kern stelle dies auch das Geheimnis der Menschwerdung Gottes dar: „Er steigt hinab, um uns zu schultern. Gott dabei nachzueifern, ist als Christen unsere besondere Berufung“, sagt der Erzbischof, der sich bei der Katholischen Frauenbewegung bedankt, „dass sie mit ihrem Engagement den Menschen in Guatemala unter die Arme greift.“

Mit bischöflichem Segen,
Erzbischof Franz Lackner

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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