Caritas Libanon – Caritas Salzburg
Der Libanon braucht Hilfe mit langem Atem

Caritas-Mitarbeiter versorgen die Menschen mit Essen.
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  • Caritas-Mitarbeiter versorgen die Menschen mit Essen.
  • Foto: RB/Caritas/Tracy Makhlouf
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Zwei Wochen nach der verheerenden Explosionskatastrophe in der libanesischen Hauptstadt Beirut stehen die Menschen immer noch unter Schock. Das hat die libanesische Caritasdirektorin Rita Rhayem bei einer virtuellen Pressekonferenz der Caritas Österreich zum Tag der internationaler Tag der Humanitären Hilfe am 19. August berichtet. Zugleich seien die Aufräumarbeiten und die Versorgung der Verletzten und Obdachlosen in vollem Gange. Caritas-Präsident Michael Landau appellierte an die Österreicherinnen und Österreicher, die Menschen in Beirut, die auch vor der Explosion schon in existenziellen Nöten gelebt hätten, in dieser dramatischen Zeit nicht im Stich zu lassen.

Das Leid ist kaum zu fassen: Exakte Zahlen über das Ausmaß der Katastrophe vom 4. August gibt es immer noch nicht. Von zumindest 160 Toten, 6.000 Verletzten und 300.000 Obdachlosen wird aber ausgegangen. „So viele haben alles verloren. Es tut sehr weh, die Zerstörungen zu sehen. Trotzdem dürfen wir nicht resignieren. Wir müssen stark sein“, sagt Rita Rhayem. Sie ist Generaldirektorin der Caritas Libanon. Im Gespräch berichtet die Partnerin der Caritas Salzburg wie sie die Katastrophe erlebte und was jetzt zu tun ist.

Rita Rhayem: „Wir müssen stark sein“

„Wir sind noch dabei, das Ausmaß dieser Tragödie zu begreifen“, sagt Rita Rhayem. Als Caritasmitarbeiterin ist sie es gewohnt, mit Katastrophen umzugehen. Doch dieses Mal war der Schock zu groß, das Unglück zu nahe und so fiel es schwer, direkt in den Arbeitsmodus umzuschalten. „Aber es muss sein. Den Luxus, lange nachzudenken, kann ich mir nicht leisten.“ Die Detonationen am frühen Abend hat sie daheim erlebt, 20 Minuten vom
Unglücksort entfert. „Anfangs dache ich, das ist ein Erdbeben. Sachen flogen aus den Regalen“, erinnert sich Rhayem an die Sekunde, als die Druckwelle kam. Später sieht sie, dass es den Balkon an ihrem Appartement weggerissen hat. „Ich telefonierte mit meiner Schwester. Beide dachten wir, die Explosion ist in unserer Nähe passiert, weil es so intensiv war.“

Als sie hörte, es ist beim Hafen, ist sie sofort los. „Die Caritas hat in der Nähe, im Stadtteil Achrafieh, eine Schule und ein shelter (Notunterkunft) für Migranten.“ Rita Rhaydem beschreibt eine Fahrt „wie durch ein Kriegsgebiet. Überall lag Glas, Aluminium und Schutt auf der Straße“. Dann der Anblick der zerstörten Räume. Zum Glück hatten sich die Bewohnerinnen ins Freie retten können. „Die Frauen waren verängstigt, aber unverletzt.“ Noch in der Nacht läuft die Caritas-Hilfe an. „Mitarbeiter sind in die Spitäler, um das Personal zu unterstützen.“ Am nächsten Tag hat das Vorbereiten und Verteilen von Mahlzeiten begonnen. Im Einsatz sind auch Freiwillige. Neben der Versorgung mit Essen geht es darum, Häuser wieder bewohnbar und winterfit zu machen. „Hunderttausende Menschen haben alles verloren. Das betroffene Gebiet ist riesig. Wenn es irgendwie geht, kehren die Leute in ihre verwüsteten vier Wände zurück. Sie leben in Wohnungen ohne Glas in den Fenstern und herausgerissene Türen. Zum Schlafen räumen sie sich einen Platz frei.“

Das hält kein Land auf Dauer aus

Wie halten die Leute das aus? Manchmal stellt Rita Rhayem diese Frage in der Familie und im Freundeskreis. Antworten hat niemand. „Bei jeder Krise haben wir uns Mut gemacht: Ja, das können wir schaffen. Dann kam der nächste Hammer. Wir stehen immer wieder auf und kämpfen weiter. Doch wir kennen Leute, die das Land verlassen. Sie sagen: Ich gehe, damit meine Familie überleben kann. Das ist sehr traurig.“ Die wechselvolle jüngere Geschichte des Libanons erzählt von Bürgerkrieg und Besetzung. Jetzt sei vom großen Kollaps die Rede, so Rhayem. Sie hofft, dass ihre Heimat wie Phönix aus der Asche aufersteht. „Für die nächste Generation wünsche ich mir, dass wieder die Schönheit des Landes, die reiche Kultur und das Zusammenleben der Religionen im Vordergrund stehen.“ Diese Bilder solle die Welt mit dem Libanon verbinden, nicht Explosionen. Wann das sein wird, dazu möchte sie keine Prognose abgeben. „Wie es politisch weitergeht, kann ich nicht sagen. Die Erwartungen sind hoch, doch es spielen unzählige Faktoren eine Rolle.“

Solidarität aus der Erzdiözese Salzburg

Die Solidarität aus Salzburg sei sehr wichtig. „Es liegen zwar viele Kilometer zwischen unseren Ländern. Doch zwischen der Caritas Salzburg und Caritas Libanon ist keine Distanz. Sie helfen uns nicht nur finanziell, sie sind Partner und fühlen mit uns.“ Das bestätigt Claudia Prantl, Leiterin der Salzburger Auslandshilfe: „Das ist ein fürchterlicher Schock, gerade vor dem Hintergrund der Not, die das Land gerade mit der Wirtschafts-, Flüchtlings- und Coronakrise durchmacht. Der Libanon ist von Importen abhängig und mit dem Hafen von Beirut ist die zentrale Infrastruktur zerstört. Das wird den bereits bestehenden Mangel an Lebensmitteln verschärfen. Die Schule Beth Aleph, die wir aus Salzburg seit Jahren stark unterstützen, ist die am schwersten betroffene Einrichtung. Zum Glück waren zum Zeitpunkt der Explosion keine Kinder in der Schule.“

Hilfe nach der Katastrophe

Die Caritas Libanon begann sofort nach der Explosion mit Hilfsmaßnahmen in den betroffenen Gebieten. So konnte bereits mehr als 46.000 Menschen geholfen werden: mit Hygiene-Kits, Lebensmittelpaketen, medizinischer und psychologischer Hilfe. Junge Freiwillige der Caritas halfen auch dabei, mehr als 600 Häuser und ein öffentliches Gebäude aufzuräumen und zu reinigen.

Die Caritas Österreich unterstützt gemeinsam mit der Caritas Salzburg in einem unmittelbar ersten Schritt die Caritas Libanon mit 40.000 Euro bei deren Nothilfe. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, mehr als 84.000 Menschen in den nächsten Wochen mit den wichtigsten Gütern zu unterstützen.

Die Caritas Salzburg sind seit rund 25 Jahren im Libanon aktiv. Unterstützt wurden und werden etwa nachhaltige Projekte, die vor allem Kindern und Frauen eine Zukunftsperspektive geben sollen; also etwa Schulen oder auch Frauenhäuser. Zuletzt habe man aufgrund der Wirtschafts- und Coronakrise aber auch schon immer mehr Nothilfe, etwa in Form von Lebensmittelpaketen, leisten müssen, berichtete Judith Hameseder. Sie ist die Caritas-Österreich-Delegierte für den Nahen Osten und derzeit in Beirut.

Die Caritas bittet dringend um Spenden: Caritas Österreich, BAWAG P.S.K., IBAN: AT92 6000 0000 0770 0004, Kennwort: Libanon-Nothilfe nach Explosion. Infos und Online-Spenden: www.caritas.at/beirut

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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