Synodaler Prozess
Damit Kirche Zukunft hat

Am Podium präsentierten Simon Weyringer, Kerstin Altenberger, Erzbischof Franz Lackner, Birgit Bahtic-Kunrath, Markus Welte (v.l.) die Ergebnisse des Salzburger Synodalen Prozesses mit dem Fazit: Kirche solle vor Ort den Menschen Heimat bieten und Gott erfahrbar machen.
  • Am Podium präsentierten Simon Weyringer, Kerstin Altenberger, Erzbischof Franz Lackner, Birgit Bahtic-Kunrath, Markus Welte (v.l.) die Ergebnisse des Salzburger Synodalen Prozesses mit dem Fazit: Kirche solle vor Ort den Menschen Heimat bieten und Gott erfahrbar machen.
  • Foto: RB/Hiwa Naqshi
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Bei einer Pressekonferenz präsentierte Erzbischof Franz Lackner die Ergebnisse des Synodalen Prozesses in der Erzdiözese Salzburg. 3.2000 Menschen machten bei der Befragung mit, 160 Männer und Frauen trafen sich zur Vorsynodalen Versammlung um darüber zu diskutieren. Jetzt liegt das Abschlussdokument vor.

von David C. Pernkopf

„Wir allein können keine letztgültigen Antworten hervorbringen. Wir brauchen die Zusammenschau mit den anderen Diözesen, mit der Kirche auf der ganzen Welt“, sagte Erzbischof Franz Lackner. Er präsentierte mit Vertreterinnen und Vertretern der Salzburger Kirche die Ergebnisse des Synodalen Prozesses. Der Oberhirte hatte ein halbes Jahr zuvor bei den Katholikinnen und Katholiken darum geworben, sich an einem Prozess zu beteiligen, der einzigartig in der Geschichte der Kirche ist: Papst Franziskus bat alle interessierten Menschen über ihre Beziehung zur Kirche nachzudenken und darüber ins Gespräch zu kommen.

Nach einer breit angelegten Beratungsphase liegen nun die Ergebnisse der diözesanen Phase vor. In einem nächsten Schritt geht das Abschlussdokument – auch Synthese genannt – auf die nationale Ebene der Bischofskonferenz. „Diese Synthese versteht sich als Zufluss zum großen und weiten Strom des Glaubens“, erklärte Lackner. „Wir hoffen, dass einige Aspekte sich auf weltkirchlicher Ebene als anschlussfähig erweisen.“

Ziel des Zuhör-Prozesses war unter anderem ein neuer Umgangsstil in der Kirche. Es gehe nicht nur darum eine Befragung zu starten, sondern wirklich aufeinander zu hören: „Als Erzdiözese versuchten wir, uns in ein besonders Hören einzuüben: ein Hören, das davon ausgeht, dass Gott uns durch jeden Menschen etwas zu sagen hat“, sagte Markus Welte, der Gesamtkoordinator des Synodalen Prozesses in der Erzdiözese.

Vielfalt und Gegensätzlichkeit

Die Vielstimmigkeit der Kirche in Salzburg war eine große Überraschung: Birgit Bahtic-Kunrath, wissenschaftliche Begleiterin und Mitglied des Redaktionsteams, berichtete von unterschiedlichsten Zugängen zum Glauben, dem Wunsch nach Aufbruch und Veränderung, aber auch über Stimmen, für die katholische Traditionen Heimat und Verwurzelung bieten. Die Wissenschafterin sagte: „Viele junge Menschen wünschen sich Halt, Beheimatung und Unterstützung in der Kirche. Vor allem Jugendliche wollen aber auch eine offene Kirche, in der alle Platz haben.“

Kerstin Altenberger unterstrich als Sprachrohr der Jugend: „Wir sind die Zukunft der Kirche.“ Außerdem seien „die Pfarren für viele noch immer der Kern der christlichen Weggemeinschaft, Orte der Verwurzelung und Heimat: Small is beautiful gilt auch mit Blick auf die Strukturen der katholischen Kirche“.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Innerhalb der Kirche gibt es eine große Vielfalt an Positionen und Lebenswelten. Eine zentrale Frage ist: Wie ist trotz dieser Unterschiede ein gemeinsamer Weg möglich?

Das wünschen sich die Menschen

„Wir haben eine Haltung des Zuhörens eingeübt und dabei entdeckt, dass wir trotz mancher Resignation oder Enttäuschung eine große Hoffnung mit der Kirche verbinden“, sagte Simon Weyringer, Mitglied des Redaktionsteams bei der Erstellung des diözesanen Enddokuments. Um die Berufung der Kirche heute umsetzen zu können, gebe es unterschiedliche, teils spannungsvolle Perspektiven oder Lösungsansätze. „Einige Lösungsansätze beziehen sich auf strukturelle Fragen der Organisation von Kirche und Leitung“, so Weyringer.

Häufig sei die Ausweitung des Priestertums auf verheiratete Männer und Frauen zur Sprache gekommen. Unabhängig davon erwarten sich die Menschen eine stärkere Einbeziehung von Laien, besonders von Frauen in Führungspositionen, wie es in der Erzdiözese bereits praktiziert und in der Kurie in Rom angestrebt wird. Ein weiteres strukturelles Thema ist der Erhalt der Pfarren. Dieser Bereich ist mit großen Emotionen und Befürchtungen verbunden.

„Viele fordern mehr Transparenz in Bezug auf personale Entscheidungen oder Missbrauch“, so Weyringer. Schließlich gebe es den Wunsch nach einer geistlichen Reform: „Rückbesinnung auf das Wort Gottes, auf die Tradition, das Gebet und die Sakramente. Wenn die Kirche nichts mehr über Gott zu sagen hat, dann wird ihre Verkündigung leer.“

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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