Eintreten
„Bei vielen ist eine Sehnsucht spürbar“

Ein neues Türschild beim Eingang zum „Kirche direkt“-Büro in der Festungsgasse 3 dient als Wegweiser für den (Wieder-)Eintritt in die katholische Kirche. Kompetenter Ansprechpartner – auch für sonstige Wünsche und Beschwerden – ist Christian Schamberger.
  • Ein neues Türschild beim Eingang zum „Kirche direkt“-Büro in der Festungsgasse 3 dient als Wegweiser für den (Wieder-)Eintritt in die katholische Kirche. Kompetenter Ansprechpartner – auch für sonstige Wünsche und Beschwerden – ist Christian Schamberger.
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Die (Wieder-)Eintritte in die katholische Kirche haben 2021 in Österreich gegenüber dem Jahr zuvor zugenommen. Mit einer „niederschwelligen“ Kontakt- und Gesprächskultur bemüht sich die Erzdiözese Salzburg um eine Fortsetzung des Trends.

von Thomas Manhart

Niemand ist perfekt, auch nicht die katholische Kirche. So setzt die Erz­diözese Salzburg im Ringen um das Wohlwollen verloren gegangener Schäfchen auf eine entwaffnende Ehrlichkeit. „Nicht alles läuft gut in unserer Kirche. Manches richtig schlecht“, heißt es da in einem neuen Folder. Und weiter: „Vielleicht waren Sie schon mal in der Kirche und sind enttäuscht worden. Das verstehen wir. Sehr gut sogar. Oft geht es uns selber so.“ Hunderttausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie mehr als 1,3 Milliarden Mitglieder der Kirche hätten eben – wie alle Menschen – ihre Stärken und Schwächen.

„Diese Ehrlichkeit ist wichtig, um authentisch zu bleiben. Auch wir als kirchliche Mitarbeiter sind erschüttert, wenn es zum Beispiel um Missbrauchsfälle geht“, sagt Christian Schamberger, Leiter der Ombuds-Stelle „Kirche direkt“ und Ansprechpartner für (Wieder-)Eintritte in der Erzdiözese Salzburg. Skandale, aber auch der Kirchenbeitrag, seien oft der Grund für den Austritt aus der katholischen Kirche. Gleiches gelte für Loslösungs-Prozesse in Lebensphasen wie der Pubertät, wenn Autoritäten wie Eltern, Schule, der Staat oder eben auch die Kirche abgelehnt werden. Umgekehrt sei in Wiedereintritts-Gesprächen bei vielen Menschen „eine Sehnsucht, ein Suchen, eine Leere, die es zu füllen gilt“ spürbar – und der Wunsch nach Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft. „Dann liegt es an uns als Kirche, dass die Suchenden auch etwas finden“, beschreibt Schamberger die Herausforderung.

Gespräche in zwangloser Atmosphäre

Möglich ist der (Wieder-)Eintritt in der Erzdiözese Salzburg über die jeweilige Pfarre, was freilich nicht jedermanns Sache ist. „Viele schätzen die Anonymität eines nicht erkennbar kirchlichen Gebäudes“, sagt Schamberger, der Erstgespräche auch gerne zwanglos im Café führt. Solch niederschwellige Kontakt­angebote reichen von der jungen „HOME Church“ der Loretto-Gemeinschaft bis zur direkten Kontaktaufnahme mit Christian Schamberger: telefonisch (0662/8047-1070) oder per Mail (c.schamberger@kirchedirekt.at). Ausgebaut wird aktuell das Angebot an Online-Formularen für die Gesprächs­anmeldung (unter www.kirchedirekt.at). Kontaktformulare in Papierform gibt es zum Beispiel in der Dombuchhandlung.

Fragen und Antworten

Wie unterscheiden sich erstmaliger Eintritt und Wiedereintritt?
Für den erstmaligen Eintritt in die römisch-katholische Kirche ist eine zirka ein Jahr dauernde Vorbereitung auf die Aufnahme in die Kirche durch die Taufe erforderlich. Anmelden kann man sich im Pfarrsekretariat seiner Wohnsitzpfarre.Wer längere Zeit nach dem Austritt wieder in die Kirche eintreten möchte, kann sich für ein Erstgespräch an den Pfarrer seiner Heimatgemeinde oder die Ansprech­person der Diözese wenden. Ist man erst in den letzten drei Monaten ausgetreten und bereut die Entscheidung, reicht eine Widerrufserklärung.

Was erwartet mich beim Erstgespräch?
Dabei wird nichts „abgeprüft“ oder abgefragt und man muss auch nicht auswendig Gebete aufsagen. Es geht einzig um die persönliche Lebens- und Glaubenssituation – um Beweggründe für den Austritt und das Ja zur Wiederaufnahme in die Kirche. Das Gespräch mit dem Seelsorger ist letztlich auch für die Kirche wichtig und dienlich – um aufzuzeigen, wo etwaige Versäumnisse und Probleme in der Kirche gesehen werden. Letztlich soll dabei niemand zum Eintritt überredet und niemand, der es ernst meint, „vertrieben“ werden.

Welche Unterlagen benötige ich für den Wiedereintritt?
Den Taufschein und – falls vorhanden – den Austrittsvermerk sowie bei Verheirateten auch den Trauschein.

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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