Erntedank
Zum Dank gehört Teilen

Auf der Salzburger Schranne verkaufen Claudia Punz (r.) und ihre Mitarbeiterinnen Elisabeth (l.) und Barbara, was Felder und Gewächshäuser hergeben. Der Klimawandel macht sich bei den Walser Bauern bemerkbar. Punz verkauft eigenen Ingwer und berichtet von Zuckermelonen. | Foto: RB/mih
  • Auf der Salzburger Schranne verkaufen Claudia Punz (r.) und ihre Mitarbeiterinnen Elisabeth (l.) und Barbara, was Felder und Gewächshäuser hergeben. Der Klimawandel macht sich bei den Walser Bauern bemerkbar. Punz verkauft eigenen Ingwer und berichtet von Zuckermelonen.
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Ernte gut, alles gut: Claudia Punz aus Siezenheim weiß nicht nur, wie man eine Erntekrone bindet, sondern auch, wie sehr Menschen sich über Teile ihrer Ernte freuen, die sie herschenkt.

von Michaela Hessenberger

„Wir sind sehr, sehr dankbar, dass wir das ganze Jahr dieses schöne Gemüse ernten dürfen und dass uns der Hagel heuer beinahe ganz verschont hat. Das ist nicht selbstverständlich“, sagt Claudia Punz und zieht ein paar trockene Blätter von einem Kolben Zuckermais. Die Körner leuchten saftig-gelb, sie steckt ihn gemeinsam mit erntefrischem Spitzkraut, Sellerie und Süßkartoffeln in einen Korb.

Gerade hat Siezenheim Erntedank gefeiert; auch Punz und ihre Familie waren wieder mit dabei. Der Ablauf ist liebgewonnen-klassisch: Die Gemeinde versammelt sich samt Musikkapelle vor der Feuerwehr. Der Pfarrgemeinderat ist selbstverständlich dabei und begutachtet wohlwollend die Erntekrone, welche die junge Frauenrunde auch in diesem Jahr gebunden hat. Claudia Punz ist eine der Damen, die daran mitarbeiten, dass vier Getreidesorten auf das Metall-Gestell der Krone gebunden werden und mit Äpfeln und Efeu langsam Form annehmen.

„Unsere Kinder haben eine eigene kleinere Krone“, berichtet die Flachgauer Gemüse­bäuerin. Beim Tragen teilen sich die Jüngeren die Verantwortung; wie schon im vergangenen Jahr auch hat Sohn Paul Punz mitgeholfen, die Krone zur Kirche zu bringen. Die Eltern und die drei Geschwister kommen zur Erntedankfeier mit.

Wenn die Linde Blätter lässt

Trocken und heiß war der Sommer in diesem Jahr. Das spüren auch die Karotten, die viele Wurzeln an den Seiten getrieben haben, statt zielgenau nach unten weit in die Erde hinein zu wachsen – eindeutige und sichtbare Zeichen für ihre Suche nach Wasser im Boden. „Denen hat einfach der Regen gefehlt“, sagt Claudia Punz mit Blick auf den Klimawandel.

Ihre Zucchini seien mit der Wärme hingegen gut zurechtgekommen und Nachbarn feiern Erfolge mit richtig süßen Zuckermelonen. Wassermelonen gibt es südlich der Mozartstadt schon seit mehreren Jahren. „Doch unsere Linde im Hof, die hat schon im Sommer alle Blätter verloren“, sagt sie und zuckt mit den Schultern. Ob der Gemüseanbau krisensicher sei? Kopfschütteln. „Alles wird gerade extrem teuer. Erde, Pflanztöpfe, Jungpflanzen.“ Erde beziehe sie aus dem nahegelegenen Loig von einem Mann, der extrem dankbar sei, dass er seinen Betrieb nicht mit Gas bewältigen muss, sondern mit Hackschnitzeln betreiben kann.

Zweite Wahl als Geschenk für VinziTisch

Obwohl es auch für Familie Punz enger wird, ist es der Landwirtin ein Bedürfnis, regelmäßig gutes Gemüse zu spenden. In Siezenheim bietet sich der VinziTisch bei der Pfarre an. „Der ist mit dem vielen ehrenamtlichen Einsatz eine echte Erfolgsgeschichte“, berichtet Pfarrprovisor Johann Reißmeier. Zum Teil sehr rüstige Pensionisten machen total begeistert etwas so Sinnvolles wie Nahrungsmittel an Menschen abzugeben, die wenig zum Leben haben, fasst er das Prinzip zusammen. Mit der Pfarre habe die Initiative nur so weit zu tun, dass diese für den Unterhalt des Autos sorgt. Den Wagen selber haben wiederum die Ehrenamtlichen besorgt.

Und Claudia Punz spendet gern, was nach den regelmäßigen Fahrten auf den Bauernmarkt in Hof, auf den Salzburger Grünmarkt oder die Schranne übrigbleibt. „Zwei Containerwagerl, also etwa ein Auto voll, gehen sich bei jedem Mal aus. Ich geb gerne Gemüse her, das viel zu schade dafür ist, es nicht zu verwenden. Das können Kartoffeln mit einer kleinen Verletzung sein oder Zucchini, die nicht durchgehend dunkelgrün sind. Das ist nichts Schlechtes, alles schmeckt wunderbar!“

Was die Siezenheimer Gemüsebäuerin dafür zurückbekommt? Den Austausch mit Menschen, die für sie und gute Teile ihrer Ernte besonders dankbar sind.

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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