Leben mit Krebs
Das tun, was gut tut

Mit der Diagnose Krebs und der Therapie kommt in allen Lebensbereichen vieles durcheinander. Etwas und jemanden zum Anhalten ist für Betroffene sehr wichtig.
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  • Mit der Diagnose Krebs und der Therapie kommt in allen Lebensbereichen vieles durcheinander. Etwas und jemanden zum Anhalten ist für Betroffene sehr wichtig.
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„Warum wissen die Menschen das nicht?“ Diese Frage trieb Margit Waldner um. „Bei Krebs ist nach wie vor eine riesen Unsicherheit da. Alltagsfragen haben im Krankenhaus oft keinen Platz“. Waldners Reaktion: Sie gründet einen Verein und organisiert den Mut-Mach-Tag in St. Virgil – heuer am Sa., 7.11., als Online-Veranstaltung unter www.virgil.at

Mehr als 357.000 Menschen in Österreich sind von Krebs betroffen. Margit Waldner war in der Familie und als „Managerin“ einer Arztpraxis damit konfrontiert. Als sie sich nach dem Tod ihres Mannes wieder ihrem gelernten Metier, der Mode, zuwendet, sagt eines Tages eine Kundin: „Mach mir was Schickes, es gibt nichts.“ Waldner entwirft und näht für die Krebskranke. Der Haarverlust, sagt Waldner, sei so eine Alltagsgeschichte, bei der sie persönlich mit ihren Kopfbedeckungen Abhilfe schaffen konnte. Insgesamt stellte sie fest: „Das Medizinische ist gut abgedeckt, darüber hinaus ist noch Luft nach oben.“ Die engagierte Salzburgerin nimmt das nicht hin. Sie gründet „Hilfe Leben“, einen Verein zur Unterstützung von Krebserkrankten und Angehörigen. Ziel ist es, Betroffene nicht alleine zu lassen und ihnen Lösungen anzubieten, die das Hier und Jetzt erleichtern. Bei Veranstaltungen und Workshops geht es deshalb mit einer Diätologin um Ernährung, eine Visagistin zeigt, was bei nicht mehr vorhandenen Augenbrauen getan werden kann und ein Jurist beantwortet arbeitsrechtliche Fragen.

Noch immer viel Unwissenheit

Neben konkreter Hilfe möchte die Vereinsobfrau aufklären. „Wir waren – zumindest bis Corona kam – in einer Spaßgesellschaft unterwegs. Krebs ist kein Spaßthema. Die Leute wollen sich nicht mit dem Kranksein auseinander setzen. Es passiert nach wie vor Ausgrenzung. Eine Frau hat mir berichtet, dass sie niemand mehr umarmte, weil alle glaubten sie ist ansteckend“, schildert Waldner eine Begegnung, die sehr nachdenklich stimmte. Ihr Vorgehen gegen das Tabu Krebs ist das stetige Informieren und das Mutmachen: „Eine Diagnose ist ein tiefer Einschnitt, bedeutet jedoch nicht das Ende des Lebens“, betont Margit Waldner. Sie rät, sich auf das was gut tut, einzulassen: „Den einen beruhigt es zu beten, der anderen tut Gemeinschaft gut und dem dritten Lesen.“

Zurück ins Leben begleiten: Das macht Alain Nickels, Leiter der Psychoonkologie & Psychologie Rehabilitation in St. Veit. Er ist Referent beim Mut-Mach-Tag am 7. November in St. Virgil.

RB: Was macht ein Psychoonkologe?
Nickels: Wir befassen uns mit zwei Fragestellungen: Welchen Einfluss hat die Psyche auf eine Krebsentstehung? Was macht eine Krebserkrankung mit der Psyche? Keiner hat Schuld an seiner Erkrankung. Es sind immer ganz viele Faktoren, die eine Rolle spielen. Unsere Aufgabe ist es, den Menschen in seiner Einzigartigkeit abzuholen und wieder ins Leben zurück zu begleiten. Jeder Krankheits- und Heilungsverlauf ist sehr individuell. Das ist die große Herausforderung. Es ist ein Trugschluss zu glauben, die Behandlung ist vorbei und alles ist gut. Die meisten Patienten berichten, dass sie erst nach der Therapie in ein Loch oder eine Leere gefallen sind. Unzählige Fragen tun sich auf. Wir befassen uns genau damit.

RB: Um welche Themen geht es?
Nickels: Viele Fragen betreffen den Alltag: Wie finde ich in meinen Beruf, in meine Beziehung oder Sexualität zurück? Schaffe ich das alles? Wie soll ich darüber reden? Mit wem soll ich darüber reden? Am häufigsten aber ist da die Angst, dass die Krankheit wiederkommen kann. Niemand geht gerne zu einer Nachsorgeuntersuchung. Zentral ist es, dieser Angst zu begegnen, um sie zu bewältigen. Sie soll nicht übermächtig werden.

RB: Gehen gläubige Menschen anders mit einer Krebserkrankung um?
Nickels: Das kann ich so nicht sagen. Aber es geht in unserer Arbeit stark darum, bestehende Kraftquellen zu stärken oder sie zu aktivieren. Jeder Mensch hat Ressourcen, selbst wenn sie ihm nicht bewusst sind. Das können Hobbies oder der Job sein und natürlich Familie und Freunde. Eine andere sehr wichtige Ressource ist der Glaube.

Online: Mut-Mach-Tag in Zeiten von Corona

In St. Virgil geht am Sa., 7. November, ab 9.30 Uhr, der Mut-Mach-Tag über die Bühne. Aufgrund der Corona-Regeln als Online-Veranstaltung. Der erste Teil wird aufgenommen und ist über die Homepage www.virgil.at oder www.hilfe-leben.at abrufbar.

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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