Uralte Krippe renoviert
Wiederauferstehung eines Kunstwerkes des Glaubens

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Jetzt im Sommer eine Krippengeschichte? Das wird sich mancher beim Lesen fragen. Es geht nicht um die Krippe allein, sondern um das Kunstwerk Krippe. Dank Diözesankonservatorin Rosmarie Schiestl wurde sie nach genauer Prüfung in die Hände eines professionellen Restaurators gegeben. Bis Weihnachten wird sie wieder erstrahlen und zurück in die Marktkirche in Lavamünd kehren.
von Ingeborg Jakl

Ganz behutsam streicht Restaurator Paul Rachlé mit einem Wattestäbchen über das Gesicht des Engels, den er in der Hand hält. Es riecht nach Farbe und Lösungsmitteln. Im Raum lagern verschiedene Gemälde, Heiligenfiguren, Kreuze, Kerzenständer. Aber aktuell liegen zahlreiche Krippenfiguren wohlgeordnet auf seinem Arbeitstisch. „Der Firnis muss von den Figuren abgenommen werden“, erklärt er, während er ruhig weiterarbeitet. Vorsichtig tupft er den kleinen Kopf aus Lindenholz ab, und plötzlich kommt eine helle Gesichtsfarbe zum Vorschein. Das Engelsgesicht wirkt überraschend strahlend.
26 Figuren, dazu 15 Schafe und eine beeindruckende Krippenkulisse liegen derzeit in seiner Werkstatt in Klagenfurt. Die kleinen Kostbarkeiten warten darauf, gereinigt und restauriert zu werden.
Neben der sanften Reinigung werden fehlende Füße, Hände, Ohren etc. in weiterer Folge ergänzt. Der Engel etwa hat den Arm verloren, das soll jetzt kunstgenau ergänzt werden. Die Krippe stammt aus der Marktkirche in Lavamünd. Eine kleine Kostbarkeit, wie Diözesankonservatorin Rosmarie Schiestl betont, und unbedingt erhaltenswert. „Allerdings“, schränkt sie ein, „gehört eine solche Arbeit in profunde Hände.“ Hobbyrestauratoren wären hier fehl am Platz.
Krippe stammt aus Böhmen
Pfarrgemeinderätin Margarethe Kramer kennt die Krippe seit Kindertagen. Jedes Jahr übernahm ihr Vater, Bäckermeister Karl Kramer, das Aufstellen der Krippe in der Adventzeit in der Marktkirche. Dafür hatte er bereits im Herbst die passenden Moose und Zweige auf der Alm gesucht, um die Krippenkulisse prächtig auszustaffieren. „Ich durfte ihm dabei assistieren“, erinnert sie Margarethe Kramer, die heute längst seine Aufgabe übernommen hat.
Die Krippe stammt aus Böhmen und wurde im Jahr 1880 gefertigt. Ihren Weg nach Kärnten bestimmte die Liebe. Hedwig Pultera, aus dem damals noch zur Monarchie gehörenden nordböhmischen Nachod (heute Tschechien), heiratete nämlich Franz Salberger aus Lavamünd und brachte als Hochzeitsausstattung auch eine wertvolle Krippe aus ihrer Heimat mit ins Lavanttal. Nach dem Ersten Weltkrieg schenkte sie die Krippe der Marktkirche, wo sie wohlverwahrt jedes Jahr zur Weihnachtszeit aufgestellt wird.
Der Zahn der Zeit
Zu Jahresbeginn 2020 stellte Margarethe Kramer fest, dass bei der Krippe nach über einem Jahrhundert doch die eine oder andere Restaurierung notwendig wäre. Die Zeit hat ihre Spuren in Form von Staub, Schimmel und Firnisschäden, abgebrochenen Teilen, Rissen oder Farbveränderungen hinterlassen und der Krippe sowie der Kulisse entsprechend zugesetzt. Sie setzte sich mit Kunstkonservatorin Rosmarie Schiestl in Verbindung, um abzuklären, was zu tun wäre. Die Expertin kam nach Lavamünd und begutachtete die Krippe. „Eine wunderbare Kombination in einem unbedingt erhaltungswürdigen Zustand“, so ihr Resümee. Schiestl verweist außerdem noch auf einige Besonderheiten dieser Krippendarstellung: die Heiligen Drei Könige haben jeweils einen Pagen zur Seite, der ihre Schleppe trägt. Die Bauern und Hirten sind in böhmische Trachten gewandet und dazu gesellen sich Handwerker in ihren Zunftkleidern. Ein Bauer ist mit Striezel dargestellt, der auf den beliebten Striezelbrauch in Nordböhmen hinweist. Dazu kommen noch ein Dudelsackspieler, ein Hirte mit Gans unter dem Arm, ein Jäger sowie Frauen, die mit Naturalien (Eierkorb, Lamm) an die Krippe kommen.
Internationale Anerkennung
Stolz ist die Pfarrgemeinde Lavamünd auch darauf, dass „ihre“ Krippe bei der Internationalen Krippenausstellung 1989 in den Niederlanden vor internationalem Publikum bestehen konnte und von allen Seiten bewundert wurde. Im Buch von Ilse Koschier „Weihnachtskrippen in Kärnten“ findet sich ebenfalls eine Eintragung. Die Krippe wird beschrieben und lobend erwähnt.
Ein Teil der aus Lindenholz gefertigten Figuren ist bereits fertig restauriert, die Heiligen Drei Könige und ihre Pagen sowie die Heilige Familie und die Kulisse sind im Herbst an der Reihe. Bis Weihnachten 2021 erstrahlt die Krippe in neuem Glanz und wird wieder in der Marktkirche aufgestellt und zu bewundern sein.
Für die Restaurierungskosten bittet die Pfarre um Unterstützung. Einen Teil trägt die Diözese, der Rest muss aufgebracht werden. Eine Möglichkeit ist die Übernahme einer Patenschaft für eine Krippenfigur. Als kleines Dankeschön erhalten die Patinnen und Paten eine Eintragung in ein aufgelegtes Krippenbuch.
Weiters arbeiten Religionslehrerin Andrea Sander und Pfarrgemeiderätin Margarethe Kramer an einer ausführlichen Broschüre, die die Geschichte der böhmischen Krippe in Lavamünd aufzeigt und nachverfolgt. Ein Büchlein nicht nur für Krippenfreunde.

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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