Marc Germeshausen im Gespräch mit Alexandra Hogan
Neuer Präsident: „Möchte vermitteln, was die Kirche zu bieten hat“
- hochgeladen von Carina Müller
Tatendrang und neue Ideen bringt Marc Germeshausen in seinem neuen Amt als Präsident der Katholischen Aktion (KA) Kärnten mit. Im Gespräch mit dem „Sonntag“ spricht der Villacher über seine Pläne für die kommenden Jahre, gesellschaftspolitische Themen, die ihn beschäftigen, und darüber, was ihm Kraft für die neue Aufgabe gibt.
Herr Germeshausen, Sie sind seit vergangener Woche der neue Präsident der Katholischen Aktion. Was ist diese und was ist ihr Anliegen?
Germeshausen: Die Katholische Aktion ist die größte Laienbewegung in der katholischen Kirche, die über viele Teilorganisationen verfügt. Das geht von der Frauenbewegung über die Diözesane Sportgemeinschaft und die Jungschar bis hin zur Dreikönigsaktion und zum katholischen Akademikerverband. Dazu gehören auch die Katoliška akcija als slowenischer Arbeitsausschuss der KA, der die zweisprachige und interkulturelle Dimension kirchlichen Engagements stärkt, der Bereich „Kirche und Arbeit“, der sozial- und arbeitsweltliche Fragen im Licht der katholischen Soziallehre aufgreift, das Familienwerk, das Familien in unterschiedlichen Lebensphasen begleitet und unterstützt, sowie das Bildungswerk, das Erwachsenenbildung, gesellschaftspolitischen Diskurs und persönliche Weiterentwicklung fördert. Ich finde es wichtig, dass die Kirche diese bunte Vielfalt nach außen in die Gesellschaft trägt und kommuniziert: Wir alle sind Teil der Kirche. Zudem ist es Aufgabe der KA, in gesellschaftspolitischen Diskursen Stellung zu nehmen und sich als Kirche klar zu positionieren, gleichzeitig aber auch hinzuhören, was die Bevölkerung bewegt und das wieder nach innen zu reflektieren.
Sie haben schon die Vielfalt der Organisation angesprochen. Gibt es innerhalb der Katholischen Aktion auch thematische Schwerpunkte?
Germeshausen: In den vergangenen Jahren haben wir uns beispielsweise speziell mit dem Thema Demokratie auseinandergesetzt und reflektiert: Inwiefern ist Demokratie wichtig für uns als Christinnen und Christen? Wie können wir deren Bedeutung kommunizieren? Auch mit dem Thema Armut hat sich die Katholische Aktion beschäftigt: Wo fängt sie an, wie können wir sie bekämpfen und wie können wir diesbezüglich als Kirche in die Gesellschaft hineinwirken? Unsere Themen sind also bunt gemischt. Aufgrund des synodalen Prozesses ist vieles im Umbruch – diesen Umbruch möchte auch die Katholische Aktion mitgehen und sich dabei als bereichsübergreifende Plattform verstehen.
Was heißt das konkret für die Organisation in den nächsten Jahren?
Germeshausen: Den klassischen hierarchischen Aufbau der KA wird es vermutlich in ein paar Jahren in dieser Form nicht mehr geben. Wir befinden uns in einem Wandel und fragen dabei: Wie können wir alle Bereiche einbinden und teilhaben lassen, wenn wir uns mit gewissen Themen wie Schöpfungsverantwortung oder Jugend in der Kirche beschäftigen? Es gibt also einige Ideen und Konzepte, wie die Katholische Aktion sich in der neuen Struktur der Katholischen Kirche entwickeln könnte, und wir wollen auf jeden Fall bereichsübergreifend mit allen zusammenarbeiten, sowohl mit den Ehrenamtlichen als auch mit den Hauptamtlichen. Wichtig ist mir, dass nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht, sondern dass wir gemeinsam an einem Strang ziehen.
In welchen Themenbereichen sehen Sie in den nächsten Jahren den größten Handlungsbedarf innerhalb der Kärntner Kirche?
Germeshausen: Es gibt zwar vieles, was ich aufgreifen möchte, mein Zugang ist allerdings ein bisschen anders: Als Präsident möchte ich nicht unbedingt Themen vorgeben. Bei der Generalversammlung habe ich bereits eine Klausur mit allen Teilorganisationen angekündigt. Dabei möchte ich hinhören und hinschauen, wo sie aktiv sind, wofür sie brennen und was sie aktuell beschäftigt. So können wir gemeinsam Themen für die Zukunft fixieren.
Anders herum gefragt: Für welche Themen brennt der neue Präsident Marc Germeshausen?
Germeshausen: Ich brenne zum Beispiel für die Frage, wie wir eine solidarische Gesellschaft formen können. In Zeiten wie diesen, in denen wir mit Kirchenaustritten konfrontiert sind, möchte ich vermitteln, was die Kirche zu bieten hat. Natürlich interessieren mich auch aktuelle gesellschaftspolitische Debatten, die die Menschen bewegen, wie zum Beispiel das Thema Frauen. Vergangene Woche war der „Equal Pay Day“, also der internationale Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern. Als Kirche können wir uns einbringen, in diesem Fall zum Beispiel im Zuge unserer Unterorganisation „Kirche und Arbeit“.
Gerade wenn es um gesellschaftspolitische Debatten geht: Was kann die Gesellschaft von der Botschaft Jesu lernen?
Germeshausen: Nächstenliebe und Offenheit. Da muss ich sagen: Das sind wunderschöne Werte, die wir im Evangelium finden. Als Christinnen und Christen müssen wir den Menschen im Blick haben und uns um unseren Nächsten kümmern. Als Gesellschaft sind wir oft in diesem großen Ich-Apparat gefangen; wir leben in einer Blase, in der wir uns oft nicht mit unseren Mitmenschen beschäftigen. Gerade deshalb ist es ganz wichtig, in einen Dialog zu finden, und Nächstenliebe und Werte konkret zu leben – ansonsten verarmen wir innerlich.
Für ein Amt wie Ihres braucht es natürlich auch einen spirituellen Hintergrund. Wo ist Ihre geistliche Heimat?
Germeshausen: Ich bin stark durch meine Heimatpfarre Villach-Heiligste Dreifaltigkeit geprägt. Der Erstkommunionsunterricht war in meiner Kindheit der Grund dafür, dass ich Ministrant geworden bin. In diesem Kontext habe ich mich natürlich mit dem Glauben auseinandergesetzt und schon damals gemerkt, dass er mir Kraft und Halt im Leben gibt. Ich durfte im Laufe der Jahre verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten innerhalb der Diözese in Anspruch nehmen und wurde Wortgottesdienst-Leiter und Leiter für Segensfeiern. Im Mai 2024 hat mich Bischof Marketz schließlich zum Akolythen beauftragt. Ich empfinde die Liturgie als zentrales Element meines Glaubens. Wenn ich dann sonntags einen Dienst tun darf, dann stärkt mich das sehr.
Marc Germeshausen leitet das Europahaus Klagenfurt sowie das Netzwerk der Europäischen Kommission - EUROPE DIRECT Kärnten und engagiert sich für politische Bildung, europäische Vernetzung und Dialogformate für junge Menschen. Zuvor war er international in Serviceclubs aktiv, unter anderem als Präsident von Round Table International. 2008 gründete er den Jugendverein GEMMA und bietet seither jungen Menschen eine “Plattform zur Umsetzung ihrer Ideen“. Sein Studium absolvierte er an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Autor:Carina Müller aus Kärnten | Sonntag |
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