Birgit Wurzer im Gespräch
Erwachsenenbildung als Aufladestation

Die neue Leiterin des Katholischen Bildungswerkes Kärnten über neue Schwerpunkte, Digitalisierung, die Arbeit in den Pfarren und Ladestationen in Zeiten von Corona
von Gerald Heschl

Sie sind seit Kurzem Leiterin des Bildungswerkes (KBW), aber schon länger in der Katholischen Kirche Kärntens hauptamtlich aktiv. Wie sieht Ihr bisheriger Weg aus?

Wurzer: Ich war einige Jahre Regionalreferentin der Katholischen Aktion. Meine Aufgabe war es, mit den Pfarren gemeinsam Ziele der Teilorganisationen umzusetzen. Damals schon habe ich die Zusammenarbeit mit dem Bildungswerk als sehr bereichernd empfunden. Wir haben in den Pfarren gemeinsam Jahresprogramme erstellt, die möglichst vielfältig waren. Diese Themenvielfalt im KBW hat mich fasziniert.

Welche Schwerpunkte wollen Sie im Bildungswerk setzen?

WURZER: Wie gesagt: Es ist die Vielfalt, die das KBW auszeichnet und die Arbeit für die Pfarren auch so bereichernd macht. Ein ganz besonderes Anliegen ist mir die Elternbildung. In den Familien wird der Grundstein für die Zukunft gelegt. Daher ist es ganz wichtig, die Eltern zu stärken, ihnen zu zeigen, wie wichtig es ist, gut und achtsam mit sich und ihren Kindern umzugehen. Ein großer Schwerpunkt sind die Senioren. Gerade die älteren Menschen leiden jetzt unter Einsamkeit. Unsere „Mitten im Leben“-Gruppen haben sogar in der Coronazeit Mittel und Wege gefunden; das ersetzt aber keineswegs den persönlichen Kontakt.

Dabei spielt die Digitalisierung eine große Rolle. Ist das ein Trend für die Zukunft?

Wurzer: Ich bin sicher, dass wir um die Digitalisierung nicht mehr herumkommen. Wir können es uns als KBW gar nicht aussuchen, ob wir die Digitalisierung wollen oder nicht. Wir sind mitten drinnen und müssen sie so nutzen, dass wir die Vorteile erkennen. Dabei ist mir der kritische Blick schon auch wichtig, was dabei verloren gehen könnte. Im Großen und Ganzen meine ich aber, dass die Chancen überwiegen. Wir bieten aber auch zielgruppengerechte Schulungen an, damit möglichst viele an den digitalen Angeboten teilhaben können.

Was ist für Sie das spezifisch Katholische am Katholischen Bildungswerk?

Wurzer: Diese Frage beschäftigt uns ganz stark. Ich meine, dass Bildung an sich schon eine starke spirituelle Komponente hat. Das Wort „Bildung“ stammt ursprünglich aus dem Indogermanischen. Es bedeutet „etwas in Form bringen“ und war eigentlich ein spriritueller Begriff. In erster Linie geht es um die Werte. Es geht um den Menschen und seine Bedürfnisse. Wir wollen auch Hilfestellungen anbieten, wie man schwierige Zeiten gut übersteht. Das war schon vor Corona so und hat nun eine noch größere Bedeutung. Es geht um Lebensübergänge, um Entscheidungs- und Lebenshilfen. Entsprechend suchen wir auch die Referenten und Referentinnen aus. Für mich sind das zutiefst Fragen der Spiritualität und des Glaubens.

Das KBW bietet ein wirklich breites Spektrum an Angeboten. Wen wollen Sie damit ansprechen?
Wurzer: Es ist der Mensch als solches. Alle sind bei unseren Veranstaltungen willkommen, ganz gleich, welcher Herkunft, welcher Hautfarbe oder Religion. Wir halten es auch mit Papst Franziskus und gehen mit manchen Veranstaltungen bewusst an die Ränder. Ich habe schon oft die Erfahrung gemacht, dass kirchenferne Menschen sagten, sie hätten nun ein ganz neues, positives Bild von Kirche gewonnen. Dass im Mittelpunkt einfach der Mensch steht, ist das Besondere am Katholischen Bildungswerk.

Es gibt neben dem KBW noch andere katholische Bildungsanbieter. Wie soll sich die Zusammenarbeit gestalten?
Wurzer: Mir ist jede Form der Zusammenarbeit ganz wichtig. Wir sind Teil der Plattform Erwachsenenbildung Kärnten/Ko-roŠka. Dort sind viele Bildungsanbieter vertreten, und wir überlegen gemeinsame übergreifende Themen. Ähnliches soll auch im katholischen Bereich geschaffen werden. Diese Vernetzung kann einmal Synergien schaffen, aber auch thematische Schwerpunkte setzen. Die Bildungshäuser bedienen andere Zielgruppen als wir, und man kann sich hier sehr gut abstimmen.

Was wären konkrete Beispiele?
Wurzer: Ein Beispiel ist das LEADER-Projekt „Villach Umland“, das wir gerade intensiv planen. Es geht um die Stärkung der Regionen. Hier sind 16 Gemeinden beteiligt. Mit den Bürgermeistern schauen wir, wie man Bildung nachhaltig verankern kann. Ich könnte mir gut vorstellen, dass man nach den Bürgermeistern auch mit den Pfarren Kooperationen sucht.

Wie stellen Sie sich so eine Kooperation vor?
Wurzer: Ich weiß, dass in den Pfarren sehr viel zu tun ist. Trotzdem merke ich, dass in den Pfarren mit der entsprechenden Unterstützung viel möglich ist. Ich glaube, dass es auch da ein Mehr an Flexibilität braucht. Mit Jahresprogrammen, wie es sie bisher gab, können die Leute immer weniger anfangen.Wenn wir uns aber auf die sehr kurzfristigen Bedürfnisse einstellen, kann man viele Menschen erreichen. Denn die Leute suchen dann Angebote und gehen gerne hin, wenn es sie zu diesem Zeitpunkt betrifft. Das heißt auch in der Zusammenarbeit mit den Pfarren, gemeinsam die Bedürfnisse der Bevölkerung zu erkennen und gut abzudecken.

Was sind die nächsten Schwerpunkte des KBW?
Wurzer: Den ganzen März über bieten wir eine Schwerpunktreihe zum Thema: „Die Akkus sind leer! Aufladestation für Körper, Geist und Seele“mit den unterschiedlichsten Programmpunkten. Ein Höhepunkt wird sicher der Vortrag von Matthias Strolz zum Thema „Werde Pilot*in deines Lebens!“ am 4. März. Gerade jetzt brauchen wir solche positiven Impulse. Mehr Infos zum Programm finden Sie unter: www.kath-kirche-kaernten.at/kbw-online

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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