Rote Nasen schenken Freude
Mit Humor und Lebensfreude

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Die Rote Nasen Clowndoctors verzaubern auch jetzt, in einer schwierigen Zeit, kleine und große Patienten. Für kurze Augenblicke entführen sie ihre Zuseher in eine andere Welt. Ein Lokalaugenschein vor dem Franziskusheim der Caritas in Klagenfurt.
von Ingeborg Jakl

„Noch etwas nach vorne fahren“, lotst Aloisia Guido, alias Christian Moser, in die richtige Parkposition. Der sitzt hochkonzentriert im Klein-LKW mit Hebebühne der Firma Taf-Rent und rangiert den Wagen exakt vor die Fenster der Aufenthaltsräume vom Franziskusheim. Jetzt nur noch die in bunten Farben geschmückte zur Theaterbühne umfunktionierte Hebebühne in Position bringen. Derweil haben Dusa, Rita und Carmencita ihre Röcke zurechtgezupft, die Musikinstrumente in die Hand genommen und stimmen schon einmal „Carneval in Rio“ an.
Die ersten Fenster gehen auf, Hände winken fröhlich hinaus. „Unsere Bewohner freuen sich über den etwas anderen Besuch der Rote Nasen Clowndoctors“, sagt Sabine Opietnik, die Leiterin des Caritas-Hauses.
Normalerweise ordinieren die Rote Nasen Clowndoctors alle vierzehn Tage im Haus und sorgen für viel Freude und Frohsinn. „Aber in Zeiten wie diesen, mit Besuchsbeschränkungen und Abstandsregeln, müssen wir neue Wege gehen“, erklärt Guido, der sich gerade ein dickes Herz aus Bast geschnappt hat und damit fröhlich vor den Fenstern winkt. Aloisia sorgt für schillernde Seifenblasen, während Rita mit Geschick die Szene filmt. Die Rote Nasen Clowndoctors gehen nämlich neue Wege, betont sie. Ihre Besuche sind jetzt auch online zu sehen und abzurufen.
Aber viel lieber, gesteht sie, ist sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen live vor Ort. Auch wenn die Möglichkeiten derzeit anders sind als sonst. „Im Sommer konnten wir im Garten spielen, singen und Frohsinn bringen, jetzt haben wir dazu die Hebebühne und spielen vor den Fenstern“, erklärt sie.
Als Pantomimen verzaubern sie und ihre Kolleginnen ihr Publikum und lassen vor allem Kinder- und Patientenherzen höher schlagen. Nicht nur bei kleinen Patienten im Krankenhaus, sondern auch bei älteren Menschen in verschiedenen Alten- und Pflegeheimen. Für Pantomimen ist die Bewegung ohnehin der beste Ausdruck, verrät sie, aber es wird auch geredet und ein bisschen gesungen. Dafür hat sie immer ein Mikrofon bzw. den Staubwedel, dabei.
Wer lachen kann, ist noch Mensch. Egal, ob er mit Alzheimer, Krebs oder einfach nur dem Alter kämpft. Wie sehr das zutrifft, zeigt die Arbeit der Rote Nasen Clowndoctors. Sie zaubern nicht nur Frohsinn in faltige Gesichter, sondern geben auch den Angehörigen wieder Hoffnung. „Es ist schön, ein positiver Energieträger zu sein“, sagt Moser. „Wir wollen ein paar Augenblicke lang verzaubern. Die Menschen für kurze Zeit in eine andere Welt mitnehmen.“
Inzwischen stehen Fußgänger gespannt auf der anderen Straßenseite in der Feldkirchner Straße und klatschen. „Ist schon Fasching“?, ruft einer hinüber. „Für Humor und Lebensfreude ist immer Termin!“, ruft Guido zurück und zeigt wieder Herz. Die Bewohner drinnen im Heim freuen sich, die bunten Figuren vor den Fenstern wecken Erinnerungen, an Besuche, Lieder, kurze Gespräche und Musik.
Menschen in herausfordernden Lebenslagen zur Seite zu stehen, das ist die Motivation, die Rote Nasen Clowndoctors täglich zu kranken und leidenden Menschen führt, und das seit 25 Jahren. Die aktuelle Situation ist für die gesamte Bevölkerung eine große Belastung und jeder kann dringend einen fröhlichen Lichtblick oder eine aufmunternde Ablenkung vom Alltag gebrauchen. Die Rote Nasen beschreiten daher ab sofort neue Wege, um möglichst viele Menschen mit der Kraft des Humors zu versorgen.
Ein Online-Clown-Booking-Tool, amüsante Kurzclips aus den Clown-Home-Offices, Unterhaltungsgeschichten aus der Feder der Clowns für Groß und Klein, eine eigene Rote Nasen Rätselrubrik oder Höhepunkte der letzten Live-Clownvisiten zum Vorfreuen, bis es wieder wie gewohnt weitergeht, erklärt Pressesprecherin Theresia Verweyen.
In Kärnten und Osttirol ordinieren derzeit elf Rote Nasen Clowns. „Bisher haben wir 800 Auftritte absolviert“, resümiert Guido, alias Christian Moser. „Mit viel Einfallsreichtum und noch mehr Engagement.“
Aber die strahlenden Gesichter und die fröhlichen Patienten, die sie nach dem Besuch hinter den Fenstern zurücklassen, „motivieren uns immer aufs Neue. Unser Ziel ist es, für die Patienten mit den Mitteln des Clowns einen tröstlichen Moment zu schaffen“, betont er.
„Man braucht eine Vorausbildung in einem künstlerischen Bereich“, sagt Verweyen. Eine Theater- oder Clownausbildung. Günstig ist auch ein Sprechunterricht. Dann folgen Hospitanzen und Praktika.
„In unserer Arbeit sind wir auf Spenden angewiesen“, sagt Verweyen.

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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