Caritas-Wirkungsbericht für 2020
Corona hat die Armut verschärft

2021 begeht die Kärntner Caritas ihren 100. Geburtstag. Gerade in Zeiten der Pandemie, zunehmender Arbeitslosigkeit und Not ist sie wichtiger denn je. Die Jahresbilanz zeigt: Die Nachfrage nach Hilfe in Kärnten bewegt sich weiterhin auf einem hohen Niveau.
von Gerald Heschl

1921, mitten in der Zeit einer schweren Hungersnot, wurde die Caritas in Kärnten gegründet. Seit damals hat sich ihr Tätigkeitsfeld massiv verändert und ausgeweitet. Weiterhin ist es die Nothilfe, die im Zentrum steht, aber mit der Pflege, mit Beschäftigungsprojekten und Schulen ist sie heute ein wichtiger sozialer Dienstleister.
Wie wichtig, das zeigt der Tätigkeitsbericht von 2020, den Caritasdirektor Ernst Sandriesser gemeinsam mit Geschäftsführerin Marion Fercher kürzlich präsentierte. Denn die Pandemie hat die Not in Kärnten massiv verschärft. Die Nachfrage nach den Hilfsangeboten der Caritas hat sich gegenüber dem Jahr davor zum Teil verdoppelt. So wurden Lebensmittelgutscheine für Familien im Wert von 47.000 Euro vergeben, was einen Zuwachs von fast 70 Prozent bedeutet. Sandriesser wies auch auf die zunehmende Wohnungsnot hin: 10.000 Beratungsgespräche für obdach- und wohnungslose Menschen leitete die Caritas 2020. Im Bereich Wohnen wurden 200.000 Euro an Förderungen ausbezahlt. Das ist ein Zuwachs von über einem Drittel gegenüber 2019.
Für Sandriesser spiegeln diese Zahlen eine Entwicklung wider: „Die Pandemie hat Menschen, die schon vorher ihr Leben ohne finanziellen Spielraum gestalten mussten, aber auch Selbstständige und kleine Firmen mit voller Wucht getroffen.“ Die Armut sei „in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, so der Caritasdirektor. Seien zu Beginn der Krise vornehmlich Alleinerzieherinnen, Mehrkindfamilien, ältere und kranke Menschen zur Caritas gekommen, so veränderte sich dieses Bild im Laufe der Pandemie: „Nunmehr sind auch Selbstständige, die ihre Firmen zusperren mussten, und Menschen, die durch Corona völlig unerwartet ihren Job verloren haben oder nur noch teilweise arbeiten konnten, von finanzieller Not betroffen“, betont Sandriesser. Die Zahlen sprechen auch hier eine klare Sprache: Von den knapp 6.500 Menschen, denen die Caritas aus finanziellen oder sozialen Notlagen geholfen hat, haben mehr als 3.000 das erste Mal die Caritas in Anspruch genommen. Dass die Krise trotz Lockerungsmaßnahmen noch nicht überstanden ist, zeigen die aktuellen Zahlen. Die Anträge für Unterstützung bei den Caritas-Sozialberatungsstellen sind um 57 Prozent gestiegen.
Darüber hinaus leistet die Caritas auch Hilfe bei seelischer Not. So verzeichnete die Telefonseelsorge einen deutlichen Anstieg.
Trotz Lockdown hat die Caritas 2020 durchgehend Hilfe geleistet. Dafür dankte Sandriesser den Mitarbeitern und betonte: „In dieser Lage hat uns der Glaube viel Kraft gegeben.“

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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