Plattform "Too good to go"
Lebensmittel retten leicht gemacht

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Jährlich werden in Österreich eine Million Tonnen genießbare Lebensmittel weggeworfen. Die Plattform „Too Good To Go“ setzt sich gegen diese Lebensmittelverschwendung ein und rettet allein in Österreich täglich etwa 8.000 Lebensmittelsackerl.
von Carina Müller

Lagerüberschüsse, frische Produkte, die am gleichen Tag nicht verkauft werden (z. B. Gebäck) oder ästhetische Fehler (z. B. Druckstellen bei Obst) – das sind nur einige Ursachen der massiven Lebensmittelverschwendung in Österreich und rund um die Welt. Allein in Österreich wird eine Million Tonnen an noch genießbaren Lebensmitteln weggeworfen – weltweit werden sogar mehr als ein Drittel aller Lebensmittel verschwendet. Doch es gibt Initiativen, die der Lebensmittelverschwendung den Kampf ansagen. Die Plattform „Too Good To Go“, was grob übersetzt „zu gut zum Wegwerfen“ heißt, bietet Menschen die Möglichkeit, noch essbare Lebensmittel, welche am Ende des Tages in Betrieben übrig geblieben sind, um einen Bruchteil des Preises zu erwerben.

Die Mission des Unternehmens
Lebensmittel und Mahlzeiten zu einem Drittel des Preises kaufen und dabei der Umwelt helfen – beides ist mit einer Smartphone Applikation möglich. Georg Strasser, Country Manager bei „To Good To Go“ Österreich, erklärt: „Wir sind eine Plattform, die Betrieben, wie z. B. Bäckereien, Supermärkten oder der Gastronomie hilft, ihr überschüssiges Essen noch zu retten. Man kann sich beispielsweise einen Bäcker vorstellen, welchem einzelne Kornspitz, Semmeln oder Brot übrig bleiben. Anstatt es am Ende des Tages wegzuwerfen, gibt er es zu einem vergünstigten Preis in die App.“
Für die Installation der Applikation brauchen Kundinnen und Kunden ein funktionsfähiges Smartphone, mit dem man sich das Essen bequem von zu Hause kaufen und später abholen kann. „Der Kunde lädt sich die App runter, sieht in der App, welche Betriebe in seiner Nähe mitmachen und wem ein „Überraschungssackerl“ an Lebensmitteln überbleibt. Dieses kann man sich in der Regel kurz vor Ladenschluss abholen – nämlich ganz kurz davor, wo man es sonst wegwerfen würde“, führt Strasser fort.

„To Good To Go“ in Österreich
Mit in etwa 900.000 Nutzerinnen und Nutzern und 3.350 Partnerbetrieben in Österreich konnten seit dem Start der App im Jahr 2019 1,9 Million Mahlzeiten gerettet und dadurch 3.250 Tonnen CO2 eingespart werden. Das entspricht derselben Menge CO2, wie etwa 575 Flügen um die Welt.
In Kärnten konnten seit dem Start der App dieses Jahr schon über 45.000 Mahlzeiten gerettet werden. 160 Betriebe an 50 verschiedenen Orten machen in Kärnten bereits mit. Die Nachfrage der Kärntnerinnen und Kärntner ist groß: „Über 90 Prozent aller Sackerl, die in der App drinnen sind, werden auch gekauft“, so Strasser. Für den Country Manager in Österreich ist das eine Win-win-Situation: „Es gibt eigentlich nur Gewinner am Ende des Tages. Die Umwelt profitiert, der Betrieb profitiert und die Kunden profitieren, und das ist schön zu sehen.“

160 Betriebe verkaufen in Kärnten
Wienerroither, Spar, magdas Lokal, Thausing Naturkost – das sind nur einige der 160 Betriebe in Kärnten, die mit der Plattform Lebensmittel retten. Als erster großer Händler arbeitet SPAR seit Februar 2021 mit „Too Good To Go“ zusammen und setzt damit ein weiteres Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung. Leiter der Nachhaltigkeit bei Spar, Lukas Wiesmüller, führt aus: „Spar setzt vielseitige Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelverderb. ‚Too Good To Go‘ bietet eine von mehreren guten Lösungen, die wir gerne aufgreifen. Sie spricht nämlich eine Kundenschicht an, welche wir brauchen, um Lebensmittel, die wir nicht mehr regulär verkaufen können, zu retten.“ Über 700 Konzernfilialen und in etwa die Hälfte aller Spar-Einzelhändler nutzen diese Möglichkeit bereits und retten so pro Woche rund 10.000 Überraschungssackerln. Der Inhalt des Sackerls ist, wie der Name schon sagt, eine Überraschung. Er hängt davon ab, was am Ende des Tages übrig bleibt. Das können Brot und Gebäck, Milchprodukte, Frischfleisch und Wurst aus der Selbstbedienung oder auch frisches Obst und Gemüse sein. Für ein Überraschungssackerl um € 4,99 erhalten Kundinnen und Kunden von Spar Lebensmittel im ursprünglichen Verkaufswert von mindestens 15 Euro.
Doch nicht nur große Konzerne wie Spar haben sich mit dem Konzept angefreundet. Auch die Familie Thausing rettet mithilfe der Plattform seit einem Jahr übrig gebliebene Lebensmittel ihrer biologischen Landwirtschaft am Merlinghof. Für Björn Thausing hat die App einige Vorteile: „Man kommt heim und hat gewisse Produkte, die man einfach nicht mehr verkaufen kann, die aber noch gut sind – das tut mir einfach immer sehr leid. Um diese Lebensmittel zu retten, packt man ein Sackerl mit genau diesen übrig gebliebenen Produkten.“ Die Überraschungssackerl der Thausing Naturkost werden jeweils an den Markttagen, Donnerstag, Freitag und Samstag, angeboten. Für den Preis von € 3,99 erhalten Kundinnen und Kunden Produkte im Wert von 12 Euro. „Es ist schon um einiges günstiger. Ein Sackerl kann z. B. aus einer Nusswurzel, einem Käsestangerl und anderen Sachen, die übrig geblieben sind, bestehen. Wenn nichts übrig geblieben ist, kommt was anderes rein, wie z. B. ein Brot, Öl oder Nudeln. Es kommt also immer darauf an, was von meinen Produkten noch da ist“, so Thausing. Er kann die App nur weiter empfehlen: „Ich finde das eine sehr gute Sache – genau wegen der Lebensmittelverschwendung. Wenn man gute biologische Produkte einmal günstig erwerben möchte, sollte man ‚Too Good To Go‘-Mitglied werden.“

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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