Die schönsten Madonnen Kärntens
Auf der Suche nach der Gottesmutter

5Bilder

Auf Spurensuche hat sich Gerda Dorothea Natmeßnig begeben. Während des ersten Lockdowns malte sie die unterschiedlichsten Madonnendarstellungen in Kärntner
Kirchen. Herausgekommen ist ein
beeindruckender Kalender.
von Ingeborg Jakl

Sie könnte sich in den Sessel zurücklehnen, ihre Werke der letzten Jahrzehnte mit gelassener Zufriedenheit betrachten, die wohlverfassten Reden anlässlich ihrer letzten Ausstellung durchblättern und Ruhe geben. Aber: „Das kann ich nicht!“ Gerda Dorothea Natmeßnig ist gewissermaßen eine Getriebene, eine immer noch Unruhige, die sich nur zu gerne von ihrer Kreativität antreiben lässt. Dieses Aufnehmen der Eindrücke aus der Umwelt, aus dem „Umleben“, um sie künstlerisch umsetzen zu können, ist begnadet oder, profaner gesagt: liegt ihr im Blut.
Mit den Malutensilien vor Ort
Im Frühjahr, während des ersten Lockdowns, begab sie sich auf Spurensuche. Und wurde fündig in Kärntner Kirchen. Hier malte sie Madonnen. Meist direkt vor Ort. Wo andere ihren Fotoapparat dabeihaben, verlässt sie sich auf ihre Malutensilien. Die Technik des Aquarells hat es ihr angetan, erkannte schon früh Heribert Mader, einer ihrer Förderer und Lehrer. Habe sie sich in ein bildnerisches Problem verbissen, würde sie ihre ganze Energie, das gesamte kreative Potenzial bündeln und einen echten Wurf setzen. Was so ganz leicht aussieht, ist bei ihr „Aquarell pur“, wie Mader betont.
Erkennen können
Wenn Gerda Dorothea Natmeßnig über diese Zeit des Suchens und Findens spricht, dann gerät sie ins Schwärmen. „Diese Ruhe in den Gotteshäusern, dieses Licht“, wenn sie vor den Glasfenstern oder Skulpturen stand, das alles wollte sie nicht nur auf sich wirken lassen, sondern auch einfangen. „Die Augen schließen, um erkennen zu können.“
Wie die Madonna das Jesuskind hält, wie sich im Laufe der Jahrhunderte die Darstellung verändert hat, das sind „Momente, die nachwirken“, sagt sie.
Maria gilt als Vorbild des Glaubens und als „Mutter“ der katholischen Kirche. Mit ihrem Ja zu Gott hat sie Gott in sich Raum gewährt, hat ihn in sich wachsen lassen, hat sich von ihm einnehmen lassen. Gleichzeitig hat sie Gott ein menschliches, ein frauliches Gesicht gegeben. Sie hat ihn unter Menschen erfahrbar und erlebbar gemacht und damit den Mitmenschen geholfen, ihrerseits befreit und erlöst und damit Mensch zu werden, erklärt dazu Diakon Siegfried Muhrer.
„Das Suchen, Finden und Malen in den Kärntner Kirchen hat mir persönlich viel gegeben“, lautet Natmeßnigs Resümee. Und damit auch ihre Familie und Freunde an dieser Freude teilhaben, hat sie mit Karlheinz Fessl, der die Aquarelle fotografisch perfekt ins Bild rückte, einen Kunstkalender gestaltet, den sie zu ihrem Geburtstag verschenkte. „Die Freude, die ich beim Schaffen meiner Bilder empfinde, möchte ich gerne an die Interessierten weitergeben“, so die Künstlerin. Die vielen Rückmeldungen geben ihr Recht.
„Die Madonnen mögen dem Betrachter zum Segen werden“, wünscht sich Generalvikar Johann Sedlmaier in einer Widmung. „Bildnisse der Gekrönten in Zeiten von Corona“, befand ein Freund der Familie.
Mit Pferden fing alles an
Bereits als Kind verblüffte Gerda Dorothea Natmeßnig ihre Umgebung mit Zeichnungen. „Sobald ich einen Stift in der Hand halten konnte, habe ich gezeichnet“, erinnert sie sich. In ihrer Heimat im Sudetenland gab es auf den Gehöften viele Pferde, „und ihnen galten meine ersten Studien“.
Beobachtungsgabe war hierbei gefordert, um Proportionen richtig darzustellen. Für die junge Gerda Dorothea kein Problem. Auf diese Weise hat sie sich fast spielerisch angeeignet, was andere erst mühsam erlernen müssen.
Da schien es nur selbstverständlich, dass sie später einmal an der Akademie für bildende Künste studieren würde. Aber der Krieg und die Vertreibung ließen Wünsche nicht wahr werden. Matura und eine Banklehre sollten vorab für Sicherheit sorgen.
Dann hat Natmeßnig geheiratet, eine Familie versorgt, Kinder großgezogen und daneben immer wieder künstlerisch gearbeitet. „Bevor die Kinder aufwachten, habe ich gemalt“, erinnert sie sich. „Wenn die Familie aufstand, war ich schon fertig.“ Diesen frühmorgendlichen Arbeitsstil hat sie sich über die Jahre hinweg erhalten. Auch heute noch eilt sie voller Elan in Kirchen und Klöster, unternimmt Reisen, um hier ihre Eindrücke zu sammeln und wiederzugeben. Was daran fasziniert und keineswegs wie aufgesetzt wirkt, ist die Art ihrer Komposition, ihr hohes Maß an Ästhetik sowie die Gabe, sich immer wieder an Neues zu wagen.
Zahlreiche Ausstellungen verdeutlichen ihren profilierten künstlerischen Lebensweg. Dazu gehört auch ihr runder Geburtstag. Unglaubliche 80 Jahre ist sie jung. Ganz und gar im Sinne dieses einen Wortes.

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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