Mein Weg nach Rom 9/10
Letzte Etappe: durch die Sabiner Berge

Foto: Treml
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Von Rieti nach Rom

In Rieti sehen wir den Ombelico d’Italia: der Nabel, so heißt das runde Denkmal, das den geografischen Mittelpunkt Italiens markiert. Gelegen am Rande der Conca Reatina, einem Talbecken und früheren See, der von den Römern kurzerhand entwässert wurde, ist Rieti ein idealer Ausgangspunkt für den Besuch der rundum liegenden Einsiedeleien Poggio Bustone, La Foresta, Fonte Colombo und Greccio. Letztere ist die bekannteste, lud doch hier Franziskus im Jahr 1223 die umliegenden Bewohner ein, mit ihm Weihnachten zu feiern und die Geburt Christi nachzustellen. Es war der Ursprung der Weihnachtskrippen.

Am Pilgerweg von Poggio Bustone nach La Foresta kommen wir an der Kirche San Felice all’Acqua vorbei und es ist gerade Patroziniumsfest. Dazu gehören in Italien fahrbare Verkaufstheken, die allerlei Köstlichkeiten anbieten, darunter Porchetta. Scheiben vom Spanferkel, knusprig mit Fett und Schwarte, werden in ein Brötchen eingelegt und mit Genuss verspeist. Mag schon sein, dass uns der Pilgerweg durch Italien so manche Entbehrung bereitet, Hunger gehört nicht dazu.

Foto: Treml

DIE SABINISCHEN HÜGEL
Wir starten in die ultimativen 100 Kilometer, noch fünf Tage und unser Pilgerziel Rom ist erreicht. Zum Schluss genießen wir diese wunderbare Landschaft der Sabiner Hügel. Schon der römische Dichter Horaz besang sie im ersten Jahrhundert vor Christus. Im 19. Jahrhundert nach Christus waren es die Maler, Literaten und Musiker der Romantik, die sich bevorzugt hier aufhielten.

Bekannt ist auch die Sage vom Raub der Sabinerinnen: Als die Latiner unter Romulus mit einer List die unverheirateten Mädchen der Sabiner raubten, heirateten und Familien gründeten, ließen sich das die Sabiner nicht gefallen. Es kam zur Schlacht und nur das unerschrockene Eingreifen der Sabinerinnen, die um ihre Männer und Kinder bei den Latinern und um ihre Väter und Brüder bei den Sabinern bangten, beendeten die Auseinandersetzungen. Künftig regierten, heißt es in der Legende, die Anführer Romulus und Titus Tatius in Eintracht.

SAGENHAFT
Ein Höhepunkt in den Sabiner Bergen ist der Besuch der Benediktinerabtei Farfa, welche im Mittelalter zu den mächtigsten Klöstern Italiens zählte. Ein Klosterkomplex, der schon Kaiser, Bischöfe und den heiligen Franziskus beherbergte. Als Rompilger werden wir in Farfa freundlich von den 15 Schwestern des Ordens Santa Brigida aufgenommen. Wenn das kein gutes Omen ist, schließlich ist die heilige Brigitta eine Patronin der Pilger:innen. Die Schwestern, darunter etliche junge Frauen, stammen aus Mexiko und aus asiatischen Ländern. Sie alle strahlen eine Fröhlichkeit aus, die ansteckt, und nach dem Besuch ihrer Morgenmesse starten wir wohlauf in den Pilgertag.

Nach einem Drei-Kilometer-Anstieg durch Wald und Ginsterheide wartet in Fara in Sabina die nächste Überraschung: Klarissinnen, die zur Teilnahme an ihrem geweihten Leben einladen. Schwester Daniela führt uns durch das Kloster. Die einst streng in Klausur lebenden Schwestern haben die Tore geöffnet. Sie bieten Einkehrtage an, Pilgerinnen und Pilger können hier Quartier nehmen, sie betreiben ein kleines Museum und … Wir trauen unseren Augen nicht! In einem Raum des Klosters stehen 17 mumifizierte Schwestern in ihrem Habit, allesamt 300 Jahre alt!

Sie sind nicht präpariert. Wie ist so etwas möglich? Das werden uns hoffentlich die Forscher:innen der Universität Bologna erklären können, wenn sie die Mumien eingehend untersucht haben.

DEM ZIEL ENTGEGEN
Schnell machen wir in Canneto noch einen Abstecher zum größten Olivenbaum Europas und sind bereits zwei Etappen vor Rom.

Am letzten Tag unseres 1.200 km langen Pilgermarsches wandern wir durch den Naturpark Marcigliana und finden uns unversehens in Tor San Giovanni, einem Vorort Roms. „Roma, Roma“, riefen die Pilger im Mittelalter beim Anblick der Heiligen Stadt und knieten zum Gebet nieder. Auch wir machen das – spätestens im Petersdom!

FERDINAND TREML

Foto: Treml
Auf dem Weg vor Fara in Sabina. | Foto: Treml
Foto: Treml
Autor:

martinus Redaktion aus Burgenland | martinus

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