Unter uns - P. Karl Schauer OSB
Wahrhaftig leben
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Ingeborg Bachmann, die in Kärnten und in Rom lebte, die in diesen Tagen 100 Jahre alt geworden wäre und an deren gestundetes Leben der Literaturpreis erinnert, hat in ihrem Werk „Kriegstagebuch“ als junges Mädchen protokolliert: „Mit den Erwachsenen kann man nicht mehr reden.“ Ob das nur damals so war in den Zeiten des Verschweigens, des Verdrängens, der Kriegswunden? Auch wir könnten das Reden wieder lernen: Die Erwachsenen, die Kinder, die Alten, die Jungen, miteinander, nicht gegeneinander, aufrichtend, nicht schwätzerisch. Die Ferien, der Urlaub, der Sommer könnte eine Übungszeit für die Wahhaftigkeit des Lebens sein. Denn der Bildschim lügt, die Künstliche Intelligenz hat keine Vernunft, weise kann nur der Mensch sein. Vieles legt sich wie ein böser Schatten auch über den Sommer des Menschen, aber er merkt es nicht. Das Leben ist mehr als ein emotionales Schlachtfeld, nie nur oberflächlich. Die Weltgeschichte ist mehr als Krieg, der kein Erbarmen kennt. Auch diese Wahrheit ist den Menschen zumutbar, so Bachmann, deren ringendes Leben zur Quelle ihrer Kunst wurde und die von sich sagen konnte: „Ich ging über mich hinaus“. Das tun wahrscheinlich alle, die mit Gott reden.
P. Karl Schauer OSB
Autor:martinus Redaktion aus Burgenland | martinus |
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