DENK_MAL
Rad der Zeit
- hochgeladen von martinus Redaktion
„Christopher, wir sehen uns ja morgen, um den Geburtstag von Joni zu feiern“, sagte mein Vater am Telefon zu mir. „Nein, übermorgen“, reagierte ich darauf. „Morgen ist erst Samstag.“ Stille. Ich dachte, mein Vater hat es verstanden, weil er alles wiederholte. Was nun folgte, sind mehrere Anrufe von ihm, die sich immer um dasselbe Thema drehten. Bis über 40 registrierte ich allein an jenem Freitagnachmittag auf meinem Handy. Obwohl mein Geduldsfaden dem Reißen nahe war, spürte ich Mitleid mit ihm. Erst vor zwei Jahren wurde bei ihm Alzheimer-Demenz diagnostiziert. Seither breitet sich die Krankheit in seinem Gehirn aus: Hellere Momente werden seltener; sein Tagesablauf monotoner; nur selten verlässt er die Wohnung in eine ihm vertraute Umgebung. Gerne denke ich an jene Zeit zurück, als mein Vater noch mitten im Leben stand; wir mit den Kindern einen Sommertag am Neusiedlersee verbrachten, gemeinsam schwammen und segelten; Neil Diamond am Boot hörten und mitsummten, und abends bei einem Heurigen in Rust einkehrten. Ja, am liebsten würde ich das Rad der Zeit genau zu diesen Sommererlebnissen zurückdrehen. Aber es dreht sich weiter, immer weiter. Aufhalten kann ich es nicht.
Autor:martinus Redaktion aus Burgenland | martinus |
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