DENK_MAL
Das Leben räumen
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Mein Lebensalter bringt es mit sich, dass ich mich beim Ausräumen von Kellern und Abstellräumen verstorbener Eltern und Schwiegereltern nützlich mache. Das Räumen in der Wohnung meiner Eltern ist schon 18 Jahre her. Ich sehe mich heute noch mit meinen Schwestern in einem Berg von Ordnern sitzend. Mit jedem Stück Papier in der Hand haben wir das Leben unserer Eltern Revue passieren lassen. Wir hatten Glück, weil wir vorwiegend positive Erfahrungen im Rucksack unserer Eltern-Kind-Beziehungen hatten. Ich erlebe bei anderen Menschen mit, wie schmerzhaft es ist, wenn durch das Räumen eines Hauses Erinnerungen an überwunden geglaubte Verletzungen wach werden. In diesen Stunden werden nicht nur Gegenstände sortiert, sondern auch die Beziehung zu den eigenen Eltern. Es wird nicht nur ein Wohnraum geräumt, sondern ein Lebensraum, der einen selbst für das ganze Leben geprägt hat. Wir sortieren, welchen Erfahrungen wir auch für unser weiteres Leben Bedeutung schenken wollen und von welchen Erinnerungen wir uns trennen wollen. Wir räumen einen Teil unseres Lebens auf. Das kann bei aller Trauer des Abschieds auch ganz schön gut tun.
Regina Petrik
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.