Das Schatzkammerbild
Burgenland in Mariazell - Mariazell im Burgenland

Nordschatzkammer, Altar mit dem Gnadenbild König Ludwigs I. von Ungarn (14. Jh.), Basilika Mariazell.
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  • Nordschatzkammer, Altar mit dem Gnadenbild König Ludwigs I. von Ungarn (14. Jh.), Basilika Mariazell.
  • Foto: KUNSTVERLAG HOFSTETTER / Ina Ehrenstorfer / M. Oberer
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All die Jahre meines Dienstes in Mariazell hat mich immer die Frage bewegt: Warum pilgern die Burgenländer so zahlreich nach Mariazell? Viele Pfarren, Berufsgruppen, Fußwallfahrer, kleine Gruppen und die große Wallfahrt der burgenländischen Kroaten. Zahlreicher und vielfältiger als aus anderen Kirchenbezirken sind die Pilgergruppen aus unserer Diözese Eisenstadt. Von P. Karl Schauer

Das Titelbild dieser Ausgabe der Kirchenzeitung „martinus“ (siehe unten) ist ein Antwortversuch. Dieses Marienbild ist das älteste, sicher auch das schönste und wertvollste Votivbild in Mariazell, mit der Gnadenstatue gehört es zu den zwei Gnadenbildern dieses Wallfahrtsortes. Beide Bilder sind bereits in den ältesten gotischen Pilgerabzeichen figürlich dargestellt.

Das Schatzkammerbild in der Basilika von Mariazell.
  • Das Schatzkammerbild in der Basilika von Mariazell.
  • Foto: KUNSTVERLAG HOFSTETTER / Ina Ehrenstorfer / M. Oberer
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Dieses Marienbild wurde von König Ludwig I. von Ungarn und Polen (gestorben 1382) aus Dank für seinen Sieg gegen die Türken, der Mariazeller Muttergottes geopfert. Es ist mit Tempera auf Holz gemalt, die Tafel ist mit vier dunkelblau emaillierten, mit goldenen Lilien verzierten Silberblechen verkleidet. Die Heiligenscheine sind vergoldetes Silberblech, mit Edelsteinen und Perlen geschmückt. Der Rahmen des Bildes besteht aus Silberblech mit emaillierten Wappen von Ungarn und des Königreiches Polen. Das Marienbild trägt als Schmuck eine dreireihige Perlenschnur, die von Luise Gräfin Batthyány am Tage ihrer Vermählung mit dem Grafen Josef von Batthyány im Jahre 1861 gestiftet wurde. Die Genannten sind die Eltern unseres seligen Arztes Ladislaus Batthyány-Strattmann. Er wurde 1870 in Dunakiliti in Ungarn geboren, ist der einzig Selige unserer jungen Diözese und hat mit Sicherheit vor diesem Gnadenbild gebetet. Übrigens: Eine der schönsten Kopien dieses Gnadenbildes ist im geistlichen Haus neben der Basilika aufbewahrt, sie zeigt Fürst Pál von Esterházy, der vor diesem Gnadenbild kniet. Das Marienbild wird dem sienesischen Maler Andrea Vanni (geboren 1330) zugeschrieben.

Die politische und kultische Verflechtung zwischen den Habsburgern und dem Königreich Ungarn führte dazu, dass Mariazell zum Hauptwallfahrtsort von Österreich-Ungarn wurde. Unser Burgenland war bis vor hundert Jahren als westungarisches Gebiet Teil des ungarischen Reiches, mit ungarisch- und deutschsprachigen Ortschaften. Das Schatzkammerbild wurde immer schon vom ungarischen Volk als „ungarische Muttergottes“ und als „Magna Hungarorum Domina“ verehrt. Viele Jahrhunderte hindurch gab es reiche Stiftungen an das Schatzkammerbild, so heißt es auf einem alten Andachtsbildchen: „Die ganze Welt hier findet Platz / Zu Maria-Cell beym Gnaden-Schatz“.Der Stifter dieses Votivbildes, König Ludwig von Ungarn ist auch im Tympanonfeld des Hauptportales und durch eine große Figur vor dem Eingang, aber auch am gotischen Steinbogen der Gnadenaltar-Umhausung präsent. Er gilt ja auch als Erbauer der gotischen Kirchenanlage. Das Schatzkammerbild erlebte in der Geschichte viele Höhepunkte, einer sei genannt: die große Pilgerwallfahrt nach Mariazell aus Dank für den Sieg über das türkische Heer am 19. August 1691 bei Zalenkemán / Siebenbürgen. Damals wurde in einer großen Prozession das Schatzkammerbild getragen. An der Prozession nahmen 11.000 Menschen teil (wahrscheinlich die meisten aus Westungarn), mit ihnen auch die Familie Esterházy und das Gesinde.

Wallfahrten. Die Chronik berichtet vom Einzug festlich gekleideter Herolde und Sänger, mehrere hundert Fahnenträger, 665 weiß gekleidete Mädchen mit Bildern und Statuen, 15 kostümierte Gestalten symbolisierten die 15 Rosenkranzgeheimnisse. Dem Beispiel von Palatin Pál Esterházy, von dem wertvollste Kelche und Votivgaben in der Nordschatzkammer aufbewahrt sind, folgten viele andere Familien, deren Namen uns nicht unbekannt sind: Nàdasdy, Erdödy, Zichy, Pálffy, Bornemissza und viele andere.
Bereits im 17. Jahrhundert gelobten viele ungarische Ortschaften, vor allem in West- und Nordungarn jährliche Wallfahrten: von Preßburg bis Köszeg, von Sopron bis Szomabthely, von Györ bis nach Kismarton (Eisenstadt).
Während der napoleonischen Kriege wurden die Schätze des Gnadenortes nach Ungarn und Siebenbürgen gebracht. Viele Mirakelbücher bezeugen die Verbundenheit Ungarns mit diesem Wallfahrtsort. Aus der Zeit der Pestepidemie von 1709 stammen mehrere Votivbilder aus Westungarn, dem heutigen Burgenland. Zahlreiche alte und neue Kopien der Mariazeller Muttergottes sind in vielen Orten des Burgenlandes zu finden. Eine ganze Geschichte tut sich auf.

Gnadenbild in Eisenstadt. Bischof Ägidius hat Abt Benedikt von St. Lambrecht (Mutterkloster von Mariazell) gebeten, dieses ungarisch-burgenländische Gnadenbild beim Festgottesdienst zum
60-Jahr-Jubiläum aufstellen zu dürfen. Und so wird es möglich sein, dass wir alle dieses Gnadenbild am Pfingstmontag, dem 24. Mai 2021 verehren dürfen.
In Prozession wird dieses Bild zum Festplatz im Schlosspark Esterházy begleitet werden. Hoffentlich werden wir mit großer Dankbarkeit und Freude sagen dürfen: Danke für Deine Hilfe, Deine Fürsprache, Dein Mitgehen mit uns!

Vergangenheit und Zukunft. Diesen Dank sagen wir gerade vor diesem „burgenländischen“ Gnadenbild gemeinsam: das Land für 100 Jahre und die Diözese für 60 Jahre. Eigentlich waren es gute Jahre. Möge auch die Zukunft eine gute sein.

Nordschatzkammer, Altar mit dem Gnadenbild König Ludwigs I. von Ungarn (14. Jh.), Basilika Mariazell.
Das Schatzkammerbild in der Basilika von Mariazell.
Autor:

Gerald Gossmann aus Burgenland | martinus

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