WERT_VOLL
Jesus wurde zum Bruder aller Menschen geboren

Holzstatue „Maria, Mutter der Kirche“. Die aus der Umbrisch-Markischen Schule des 14. Jahrhunderts stammende Plastik wurde vom hl. Papst Paul VI. erworben und erst jüngst von Papst Franziskus der Lateranbasilika geschenkt. Dieses Gotteshaus ist der eigentliche Sitz der römischen Päpste und wird deshalb auch „Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt Rom und des Erdkreises“ genannt. | Foto: Franz Josef Rupprecht
  • Holzstatue „Maria, Mutter der Kirche“. Die aus der Umbrisch-Markischen Schule des 14. Jahrhunderts stammende Plastik wurde vom hl. Papst Paul VI. erworben und erst jüngst von Papst Franziskus der Lateranbasilika geschenkt. Dieses Gotteshaus ist der eigentliche Sitz der römischen Päpste und wird deshalb auch „Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt Rom und des Erdkreises“ genannt.
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Cicero, altrömischer Gelehrter und Staatsmann, kam etwa 100 Jahre vor Jesus Christus im heutigen Arpino, etwas östlich von Rom, zur Welt. Der Philosoph wurde zum höchsten Politiker, also zum Konsul, erwählt. Seine legendären Reden und Schriften geben bis heute viel her.

„Nichts ist so absurd, dass es nicht schon von einem Philosophen behauptet worden ist.“ Dieser Satz wird auf Cicero zurückgeführt und er scheint sich stets zu bewahrheiten. „Fake news“, also „gefälschte Nachrichten“ benebeln in der Gegenwart die Gehirne.

Vor etwa 100 Jahren erlebte eine solche absurde These eine Blüte im Denken: Aus dem immer mehr hochkochenden Antisemitismus dieser Periode wurde ein abstruses Lügengebilde gestrickt. Ziel war es, den im Volk Israel geborenen Jesus Christus seiner jüdischen Identität zu berauben und ihn zum Arier zu stilisieren. Er sei, so diese künstliche Legende, aus einer unehelichen Beziehung zwischen einem römischen Legionär germanischer Abstammung und der „möglicherweise“ jüdischen Maria hervorgegangen …

Geht’s noch? Diese Konstruktion umgeht völlig die in den Evangelien deutlich beschriebene und wiederholte Abstammung Jesu von den Generationen von Vätern (und Müttern) aus jüdischem Stamm. Und sie hebelt das vornehme Geheimnis der Geburt aus einer Jungfrau aus, das in den Sprachmustern der Antike, also der Zeit der Entstehung des Neuen Testamentes, die Gottessohnschaft Jesu trefflich fasst.

Gar nicht wenige rechtsextreme Christen hängen diesem von Adolf Hitler persönlich vertretenen Gedankengang bis heute nach. Ihre Mehrzahl lebt in Nordamerika. In einer wirren Vermischung von Religion und dem Anspruch auf Überlegenheit von Menschen mit weißer Hautfarbe zimmern sie sich ein Christentum zurecht, in dem der derzeitige Präsident der USA, Donald Trump als ein Messias angehimmelt wird. Die Opfer des unglücklicherweise von daher aufziehenden Klassenkampfes werden zu Märtyrern stilisiert – wie der vor kurzem in den Vereinigten Staaten von einem traurigen Fanatiker erschossene Charlie Kirk. Auf dem Begräbnis dieses rechtspopulistischen und christlichfundamentalistischen Hoffnungsträgers verstieg sich Präsident Trump zu dem recht anti-jesuanischen Bekenntnis, dass er seine Gegner hasse.

Vertreter der katholischen Kirche traten in den letzten Monaten auch in Österreich der Vereinnahmung des Christentums durch weit rechts stehende Politiker entgegen. Erzbischof Franz Lackner zeigte sich kürzlich besorgt über die zunehmende gesellschaftliche und politische Spaltung in Österreich. Entschieden trat der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz der Vereinnahmung durch völ-kisch-identitäre Politiker entgegen: Glaube sei immer auf Gemeinschaft angewiesen,“ er eigne sich nicht als Werkzeug zur Isolierung und Spaltung“, so Lackner. Das Evangelium richte sich an alle Menschen, es sei Hoffnung für die Armen und Benachteiligten und vor allem auch eine Stimme für den Frieden. Zuvor hatte der nicht gerade als progressiv geltende Bischof von Passau (Deutschland), Stefan Oster gewarnt: „Ich halte deshalb die politische Instrumentalisierung des Todes von Kirk durch Trump und seine Regierung für ein Signal, das uns alle wach und wachsam machen muss.“ Die politische Macht, die den Gegner mit Hass überziehe, sei eine Falle für Christen. Auch hierzulande gebe es politische Kräfte, die – bisweilen auch im Namen des Glaubens – die Nähe zu Trump suchen würden oder seinen Politikstil imitieren wollten, so der Passauer Bischof weiter.

In den Chor dieser Kritiker hat auch der prominente Wiener Theologe Jan-Heiner Tück eingestimmt: Er sehe in der Art, wie ein österreichischer Oppositionspolitiker auf den Apostel Paulus Bezug nahm, nicht nur eine „politische Instrumentalisierung“ christlicher Kerngehalte, sondern auch eine Verkehrung der biblischen Botschaft, wenn sie zur Unterfütterung freiheitlicher Projekte diene: „Man muss es klar sagen: Das Projekt einer „Festung Österreich“ steht quer zum Universalismus des Evangeliums“, schrieb Tück in einem Kommentar. Auch habe die Engführung des Begriffs „Volk“ auf eine ethnisch homogene Größe mit der biblischen Rede vom „Volk Gottes“ laut Tück „nichts zu tun“, da „Volk Gottes“ eine Gemeinschaft der Gläubigen bezeichnet, „die Grenzen von Völkern und Nationen überschreitet.“

Diesem Gedanken aber, dass das Christentum Völker und Nationen überschreitet und zusammenbindet, verdankt sich gleichermaßen der Aufstieg des Christentums als gesellschaftsprägende Kraft wie auch der Beginn des Siegeszugs der sogenannten westlichen Zivilisation. Denn zum Anfang des vierten Jahrhunderts nach Christus leuchtete es den Römern unter Kaiser Konstantin ein, dass man mit der Verfolgung der Christen endlich aufhören müsse und stattdessen ihre Ideologie der Geschwisterlichkeit und Gleichheit aller Menschen für das aus so vielen Völkern und widersprüchlichen Interessen zusammengesetzten römischen Reiches fruchtbar und nützlich machen müsse.

Eigentlich kann man auch das durchaus als eine Art „Instrumentalisierung“ des Christentums durch die Politik deuten. Dort, wo die Kirche durch die damit einhergehenden Privilegien korrumpiert wurde, erleben wir derzeit die größten Niederlagen unserer Gemeinschaft der Gläubigen. Doch wenn wir uns auf die Sendung Jesu einlassen, der Bruder aller Menschen sein wollte, werden wir unserem Auftrag als Licht der Welt mehr und mehr gerecht.

FRANZ RUPPRECHT

Autor:

martinus Redaktion aus Burgenland | martinus

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