GEIST_REICH
Urlaub mit Gott
- Gottes Gegenwart zeigt sich auch auf den Wegen unseres Urlaubs – manche dieser Erfahrungen gehen einher mit einer Decke aus Dornen.
- hochgeladen von martinus Redaktion
Die Überschrift klingt nach religiöser Vereinnahmung, wie es bei Freikirchlichen praktiziert wird. Denn Gott immer darüberzustülpen, entspricht nicht der Freude des Glaubens, auch nicht der Freiheit der Christenmenschen.
Mit einigen Heiligen könnte man es im Urlaub eher wagen, mit der hl. Hildegard von Bingen, dem hl. Franz von Assisi und anderen, die wir streichfähig gemacht haben. Die eine garantiert für eine gesunde Kost im Urlaub, der andere für Vögel, Getier, Schöpfung und alles, was die Natur hergibt.
Aber auch dafür sind viele Menschen blind und taub geworden. Die heilige Hildegard, die göttliche Diätologin hat keine vegetarischen oder veganen Rezepte vorgeschrieben, sie hat gelebt, was dem Menschen, seinem Körper und seiner Seele guttut und auch der Heilige von Assisi lässt sich nicht auf Natur und Schöpfung reduzieren. Die alten Wüstenväter und Asketen sind weniger zu empfehlen, sie entlarven sogar das aufgedrängte Gesundfasten.
URLAUB MIT GOTT …
… nicht von Gott! Das ist möglich und fällt nie zur Last. Gott denken und ihn zu suchen, kann schon aufregend sein, beschneidet den Urlaub nicht und kann das Leben sogar bereichern und beschenken. Gott ist überall: In der Natur, am Strand, auf Bergen und in den Meeren, vor allem aber bei den Menschen. Er verbirgt sich nicht hinter den Wolken, sondern begegnet uns Menschen auf Augenhöhe, weil er Mensch geworden ist. Gott lebt sogar in uns Menschen auf. Wo der Mensch dem Menschen begegnet, auch dem Gestrandeten, dem Einsamen, den Vergessenen, wird Gott greifbar, weil er sich für uns Menschen verschwendet. Gottesbegegnungen werden wahr im Zuhören, Hinschauen, durch Aufmerksamkeit und Anteilnahme. Aber Gott drängt sich nicht auf und er zwingt nicht.
Wieder beten, Gott danken, in Kirchen verweilen, wieder miteinander Mahl halten, trösten, Freude stiften, Tränen trocknen und wagen, was sonst im Alltag zu kurz kommt. Frieden üben, sich für die große Welt interessieren, die Schrebergartenmentalität überwinden, über sich hinauswachsen, die Werke der Barmherzigkeit tun – das bringt uns diesem Gott, der sich für unsere Welt aufreibt, nahe. Auch das Schöne ist nicht selbstverständlich, es verweist auf die Größe des Menschen und redet von einem Gott, der uns Menschen mit Talenten und Begabungen beschenkt hat. Eines aber übertrifft unsere Vorstellungen von Gott: Er ist besonders dort nahe, wo Menschen Schuld auf sich laden und Sünden provozieren: Ungerechtigkeit, Krieg, Gier, Neid, Geschwätz, Vorurteile – in aller Armut und Bitterkeit, die diese Welt und die Menschen knebeln. Die Begegnung mit einem barmherzigen Gott wird in solchen Situationen greifbar, denn sie offenbaren unsere eigene Hilflosigkeit. Wir reden viel, kommunizieren ständig, sind immer online, werden von Nachrichten erdrückt, das Wesentliche aber wird oft verschwiegen, Wörter, Zeichen und Taten, die Leben schaffen. Diesen Raum zu geben, heißt: Gott mit in den Urlaub zu nehmen. Es gibt keine Lebenssituation, die für Gott fremd wäre. Und wahrscheinlich gibt es auch keine Menschen, die ganz gottlos sind, denn die Sehnsucht nach ihm steckt tief in uns. Manche haben leider in der Hektik ihres Lebens vergessen, dass sie Gott vergessen haben. Gott mit auf Urlaub zu nehmen, kann schön sein. Er stört kaum.
P. KARL SCHAUER OSB
Autor:martinus Redaktion aus Burgenland | martinus |
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