GEIST_REICH
Ihr Name ist Maria, sie ist das „Vorwort Gottes“

Gnadenstatue von Mariazell. | Foto: kathbild.at / Franz Josef Rupprecht
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Gedanken im Marienmonat Mai

Österreich ist ein Marienland, geprägt von einer großen, geerdeten und echten Marienverehrung. Marienkirchen sind mehr als andere tief in den Herzen der Menschen verwurzelt und von der Landkarte des Glaubens, der Kultur und der Glaubenspraxis nicht wegzudenken:

Mariazell mit zahlreichen anderen großen und kleinen Marienkirchen für Österreich; Frauenkirchen, Loretto, Güssing, Eisen-stadt-Oberberg, Maria-Weinberg, große und kleinere Wallfahrtskirchen und Kapellen im Burgenland. Die großen internationalen Marienorte wie Nazareth, Guadalupe, Lourdes, Fatima, Altötting oder Tschenstochau, um nur einige zu nennen. Oder die größte Marienkirche Santa Maria Maggiore in Rom mit dem Marienbild des Evangelisten Lukas, der Lieblingskirche von Papst Franziskus, in der er schließlich begraben wurde. Allein in Rom gibt es viele schöne und alte Marienkirchen. Maria in Trastevere, die von einem Bäcker als Wiedergutmachung für seine Betrügereien finanziert wurde, ist nur eine von vielen. Maria wird auf frühchristlichen Fresken in den Katakomben und Unterkirchen dargestellt, ihre Entschlafung, ihre Himmelfahrt und die Krönung zeichnen die alten Mosaikfelder der Apsiswölbungen vieler Gotteshäuser. Auch in der Hagia Sophia in Konstantinopel, der berühmtesten Marienkirche des Byzantinischen Reiches, heute leider zu einer Moschee umfunktioniert, kann man staunen und sich nicht satt sehen.

Marienbildnisse schmücken unsere alten Bürgerhäuser und große Mariensäulen erinnern an die Dankbarkeit der Menschen in Zeiten barbarischer Überfälle und der Heimsuchung durch Epidemien und Krankheit.

Maria ist die Christusträgerin, die Gottesgebärerin und die Gottesmutter. Die frühen Konzilsaussagen über die Menschwerdung Jesu, der als Gottessohn aus Maria geboren wurde, sind ohne sie nicht denkbar. Die theologische Aussage über ihre Jungfrauengeburt kann nur in diesem Zusammenhang verstanden werden. Die Muttergottes ist in ihrer Berufung ganz auf Christus hin ausgerichtet, deshalb bleiben Mariendarstellungen ohne Christus unvollendet, in der ostkirchlichen Ikonografie undenkbar und in der langen Kunst- und Theologiegeschichte verpönt.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat auf ein eigenes Mariendekret verzichtet. Alles, was über sie und von ihr gesagt werden kann und darf, ist in das Kirchendekret eingearbeitet. Weil sie, wie keine andere, auch Mutter der Kirche und Mitpilgerin der Glaubenden ist.

Gute Marienbilder, Ikonen und Statuen sind immer echt, leider gibt es auch die billigen, verkitschten und seichten. Deshalb erstaunt es nicht, dass alle, die den Petersdom in Rom betreten, vor der Pieta des großen Michelangelo den Atem anhalten oder vor einem alten und von Generationen verehrten Gnadenbild oder vor einer Gnadenstatue nachdenklich verweilen und dabei ihr Herz ausschütten, weil diese immer noch die einfachen und bescheidenen Wunder des Lebens bewirken. Marienmessen, Choräle, Hymnen, Lieder, Litaneien, alte und neue Gebete, Poesie, Musik und Literatur versuchen, ihr Leben nachzuzeichnen. Und trotz aller Kunst und Schönheit ist das Große dieser Frau nicht beschreibbar, ihr Geheimnis sprengt das Kalkulierbare. Sie ist die Mutter aller Völker und sie trägt die Hautfarbe aller Menschen. Über allem aber bleibt sie die Mutter der Armen, sie hört den Schrei der Menschen, nimmt ihre Sehnsüchte auf und sie führt die Menschen zu dem, bei dem alles Leben seinen Anfang nimmt und der Mensch seine Vollendung findet: zum Gott Jesu Christi. Deshalb muss Marienverehrung immer christozentrisch ausgerichet sein. Sogar das Rosenkranzgebet bringt das Leben und Sterben Christi, seine Auferstehung und seine Wiederkunft zum Leuchten.

Irgendwie möchte auch ich sagen: Maria bewegt mich. Oft habe ich in den vielen Jahren in Mariazell in ihre Augen geschaut, vor dem alten Gnadenbild konnte ich knien in den Nachtstunden nach getaner Arbeit. Ihr konnte ich manches sagen, nur ihr, und mit ihr wagte ich manchmal auch ungeduldig zu schimpfen und zu streiten. Sie hat gelächelt, mich und alle anderen aber nie ausgelacht.

P. KARL SCHAUER OSB

Autor:

martinus Redaktion aus Burgenland | martinus

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