So wirkte Papst Franziskus
Der Unvergleichliche
- Ein Papst für Wind und Wetter. Franziskus schaffte es, Papst zu sein und er selbst zu bleiben.
- Foto: St. Spaziani, D. M. Sabangan/APA
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Papst Franziskusʼ Pontifikat ist schwer zusammenzufassen, oft wird es als „unvollendet“ bezeichnet. Es gab aber noch viel mehr Attribute, die auf Franziskus zutrafen. Nehmen Sie die Liste bitte nicht todernst, auch wenn ein Körnchen Wahrheit darin ist.
Ungehorsam. Nach seiner Entlassung aus der Gemelli-Klinik am 23. März 2025 sollte sich der Papst schonen und Kontakte meiden. So er konnte, suchte er dennoch Kontakt.
Ungeduldig. Klerikale Allüren hätte Franziskus am liebsten mit einem Wink abgeschafft.
Ungenießbar. Er konnte bissig sein, wenn ihm etwas auf die Nerven ging.
Unkonventionell. Seine Freude am Übertreten von Konventionen hielt seine Umgebung und die Kommunikationsabteilung auf Trab.
Unermüdlich. Man muss sich von sich selbst nicht alles gefallen lassen, formulierte es Viktor Frankl. Papst Franziskus lebte das, besonders in Bezug auf seine Krankheiten.
Unbarmherzig. Was? Dieser Papst und unbarmherzig? Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, war er durchaus unbarmherzig mit denen, die meinten, das ginge nicht.
Unmodern. Er hatte seinen ganz eigenen Stil. Mode war ihm völlig egal.
Uneitel. Das bewies er spätestens am 10. April, als er sich in Zivilkleidung in den Petersdom schieben ließ.
Unkompliziert. Das kann seine engste Umgebung wohl nicht uneingeschränkt unterzeichnen. Aber die Selbstironie machte ihn zum erfrischenden Zeitgenossen.
Unpassend. Ein Teil der katholischen Kirche meinte, dieser Papst sei kein echter Papst, sondern unpassend für dieses Amt. Ob sie jemanden „Passenderen“ finden werden?
Unerwartet. Das legendäre „Buona Sera“ bei seinem ersten Auftritt war total unerwartet, in dieser Art ging es weiter. Franziskus sorgte bis zuletzt für Überraschungen.
Unnütz. Manche meinen, Franziskus habe nichts weitergebracht. Noch immer keine Priesterweihe für Frauen und verheiratete Männer. Er hätte doch durchgreifen können. Aber wenn schon ein 15-sekündiger Segen für gleichgeschlechtlich Liebende auf Widerstand im Episkopat stieß ... Fix ist: Es gibt noch viel zu tun.
Unerschütterlich. Widerstand, Kritik und Ablehnung erlebte er massiv. Von traditionalistischen und fortschrittlichen Geistern. Und von Kriegsparteien, die sich in seinen Friedensaufrufen nicht wiederfanden. Auf die Anschuldigungen erwiderte er meistens nichts und bohrte weiter dicke Bretter.
Unverbesserlich. Die Synode über die Synoden setzte er sich in den Kopf und ließ sich nicht davon abbringen, weder durch den Vorwurf, er würde die päpstliche Autorität untergraben, noch von der Prophezeiung, durch das Zuhören nicht zu Entschlüssen zu kommen.
Unpäpstlich wirkte er irgendwie auch in der päpstlichen Soutane. Dabei war er in seiner Rolle als Papst vom ersten Augenblick an zuhause.
Unerhört. Immer wieder laut lachend. Nicht aus Verlegenheit, nicht über jemanden, sondern mit jemandem. Und zwar von Herzen.
Unergründlich. Franziskus war nicht nur lustig. Er war auch traurig, wütend, ratlos, ernst, schweigsam, manchmal zurückhaltend, wenn es die Stille mehr brauchte als Worte.
Unzerstörbar. Die Samen, die er in die Erde der Kirche und der Welt gelegt hat, werden früher oder später aufgehen.
Monika Slouk
Autor:TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag |
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