Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Die Mutter

„Warum bastelt ihr so lange an dieser Figur?“, fragte verwundert der Engel den lieben Herrgott. Weil dieser halt Überstunden machte. „Ich bin nah daran, etwas hervorzubringen, das mir einigermaßen ähnelt. Kriege aber das mit den drei Paar Augen nicht auf die Reihe. Sie soll ja durch verschlossene Türen blicken können, hinter denen ihre Kinder spielen. Mit den Augen im Hinterkopf muss sie sehen, was sie nicht sehen soll, aber wissen muss. Mit denen von vorne soll sie ihrem Kind, das sich unmöglich benimmt, sagen können, ich hab‘ dich lieb, ohne dass sie ein einziges Wort spricht. Die sechs Paar Hände waren eine Lappalie dagegen. Und auch all die anderen Sachen. Etwa der Kuss, der alles heilen soll: vom Beinbruch bis zum Liebeskummer.“ Der Engel berührte die Figur. „Zu weich“, seufzte er. „Aber zäh. Du glaubst nicht, was diese Mutter alles leisten und aushalten wird können.“ Mit einem Finger berührte der Engel die Wange. „Da ist ein Leck“, sagte er. Der Schöpfer lächelte: „Das ist eine Träne. Sie fließt bei Freude, Trauer, Enttäuschung, Schmerz und Verlassenheit.“ Ohne es zu merken, schaffte der liebe Herrgott auch die Sache mit den Augen. Und vollendete so sein bestes Werk: Die Mutter!
Eine alte Überlieferung. Neu gedichtet und mit besten Wünschen allen Müttern gewidmet.

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TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag

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