Kommentar von Lydia Kaltenhauser
Ausruhen
In meiner Heimat läuteten samstags um 15 Uhr die Glocken: der Sonntag wurde eingeläutet. Signal, es gut sein zu lassen mit der Arbeit.
Bis um 15 Uhr herrschte hektisches Treiben. Auf dem Dorf schaut ja doch ein jeder, ob der Hof gekehrt, der Rasen gemäht und das Haus geputzt ist. Für den Sonntag sollte alles blitzblank sein. Die Sonntagsruhe musste man sich erst verdienen. Mit dem Urlaub ist es auch oft so. Eingeläutet wird er nicht von Kirchenglocken, sondern von Aufgaben, die noch zu erledigen, Terminen, die noch einzuhalten, Vorbereitungen, die noch zu treffen sind. Den Urlaub muss man sich verdienen. Und so wie manche Hausfrau oder mancher Hausmann am Samstagnachmittag völlig erschöpft gewesen ist von den Vorbereitungen für den Sonntag, ist der Beginn des Urlaubs für viele auch von Erschöpfung geprägt. Dafür ist alles perfekt vorbereitet. Der Sabbat ist für den Menschen da, hat Jesus gesagt. Der Urlaub auch. „Kommt und ruht ein wenig aus.“ Es muss nicht alles perfekt vorbereitet und blitzblank sein. Der Sonntag kommt so oder so. Jesus hat nicht die saubersten Häuser besucht, sondern die mit offenen Türen. In diesem Sinne: Schönen Urlaub!
Autor:Lydia Kaltenhauser aus Tirol | TIROLER Sonntag |