Ein Besuch in der Gesprächsoase
Detektivin der Liebe Gottes
- Tür und Herz offen, hellwach und den Menschen zugewandt:
Sr. Christine in der Gesprächsoase (Spitalskirche Innsbruck). - Foto: Kaltenhauser
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Wenn niemand kommt, ist sie froh, dass die Leute keine Sorgen haben. Und wenn jemand kommt, ist sie ganz Ohr. Ein Besuch bei Sr. Christine Koretic in der Gesprächsoase.
Seit die Gesprächsoase vor 25 Jahren gegründet wurde, sind Sie dabei. Wie kam es dazu?
Sr. Christine: Schon bevor es die Gesprächsoase gab, war ich jahrelang als „Klagemauer“ tätig. Ich habe einfach gespürt: Es braucht Menschen, die liebevoll zuhören, die einsame Menschen auffangen. Als ich erfahren habe, dass die Redemptoristen dabei waren, eine Gesprächsoase aufzubauen, war ich ab Jänner 2001 sofort dabei.
Was brauchen die Menschen, die zu Ihnen kommen?
Sr. Christine: Jede und jeder, der kommt, ist anders und braucht etwas Anderes. Und jeder hat die Ressourcen zur Veränderung in sich. Meine Aufgabe ist es, die Menschen zu stärken und ihnen Mut zu machen. Wenn ich dann sehe, wie jemand wieder aufgerichtet aus der Tür herausgeht, freut mich das schon sehr.
Wie verstehen Sie Ihren Dienst?
Sr. Christine: Mir ist es ein großes Anliegen, dass sich die Menschen angenommen fühlen, wenn ich für sie da bin und ihnen gut und liebevoll zuhöre. Und dass sie dadurch spüren können: Es gibt da jemanden, dem es wichtig ist, wie es mir geht, dem ich wichtig bin. In meiner kleinen Spur will ich vermitteln: In Gott haben wir einen allmächtigen Freund, zu dem wir eine Beziehung aufbauen können, der uns auch in schwierigen Situationen stützt, der auch im Leid für uns da ist.
Wie gehen Sie mit der Frage nach dem Leid um?
Sr. Christine: Ich sage, was mir hilft: Der Blick aufs Kreuz. Gott hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, um zu zeigen dass auch Leid und Schmerz nicht trennen können vom ewigen Glück. Er hat sich selbst nichts erspart, auch seiner Mutter nicht. Da können wir Zuflucht holen, wo diese Kraft ist, die über den Tod hinaus mächtig ist. Gott kann auch jeden Menschen für das entschädigen, was ihm genommen wurde. Und ich freue mich darauf, das einmal erleben zu dürfen, wie seine Gerechtigkeit und Barmherzigkeit aussehen.
Vom Schweren zum Leichten: Was ist das Schönste an Ihrer Aufgabe?
Sr. Christine: Wenn Menschen mit scheinbar unlösbaren Problemen kommen und wir gemeinsam überlegen: Was wäre das Schlimmste, was passieren kann? Und dann zusammen Alternativen finden, sollte genau das eintreten. Wenn er oder sie dann mit einem erleichterten Lächeln zur Tür hinaus geht, das ist etwas vom Schönsten. Oder wenn eine Mutter, die große Sorgen um ihr Kind hat, erkennt, dass sie ihr Allermöglichstes tut, wenn sie für ihr Kind betet, es Gott anvertraut. Dann zeigen ihre Schultern plötzlich wieder Kraft, hängen nicht mehr runter. Da wird man demütig und dankt Gott, dass man ein Instrument seiner Liebe sein darf.
Haben sich die Menschen in den 25 Jahren verändert?
Sr. Christine: Mir kommt vor, gerade bei jungen Leuten wächst das Bewusstsein, dass wir nur gemeinsam überleben können. Diese Erkenntnis wäre auch für die Politik so wichtig!
Was gibt Ihnen Kraft?
Sr. Christine: Vor allem das Gebet, das Gespräch mit dem liebenden, zärtlichen Gott, dessen Spuren ich im Alltag entdecke. Und ich gehe viel auf die Berge. Ich bin jetzt 82, da geht vieles bergab – die Kräfte, das Sehen etc. Und indem ich aufwärts gehe, die Natur ansehe, schöpfe ich Kraft. Wenn ich mit Gott in Beziehung bleibe, geht’s aufwärts, auch wenn’s abwärts geht! Ich hab’ unendlich viel mit dem lieben Gott zu besprechen, da wird’s mir nicht langweilig.
In einem Satz zusammengefasst: Was ist die wichtigste Erkenntnis in Ihrem Leben?
Sr. Christine: Ich bin so sehr überzeugt, dass Gott eine zärtliche Liebe über unserem Leben ist und will die Menschen ermutigen, wie Detektive zu schauen, wo sie diese Liebe in ihrem Leben entdecken und daraus Kraft für ihr Leben schöpfen können. Der liebe Gott lässt sich nicht lumpen.
Sr. Christine Koretic ist eine von 17 ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen der Gesprächsoase in der Spitalskirche. Jede Woche fährt sie dafür von Vorarlberg nach Innsbruck. Die Gesprächsoase bietet vertrauliche Entlastungs- und Seelsorgegespräche und vermittelt Kontakte zu weiterführenden Hilfsangeboten. Am 30. Jänner feiert die Gesprächsoase ihr 25-jähriges Bestehen: Herzliche Einladung zum Festgottesdienst mit Bischof Hermann Glettler um 16:30 Uhr.
Öffnungszeiten: Mo 16-19 Uhr, Mi 15-18 Uhr, Fr 10-13 Uhr. Kontakt: gespraechsoase@dibk.at
Autor:Lydia Kaltenhauser aus Tirol | TIROLER Sonntag |