Vor 500 Jahren, am 8. Mai 1521, wurde Petrus Canisius geboren.
Eine Seele wiegt mehr als die ganze Welt

Künstlerische Darstellung des heiligen Petrus Canisius, Patron der Diözese Innsbruck, in der gleichnamigen Innsbrucker Pfarre. | Foto: Rosenkranz
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1521 war ein Jahr, das in die Geschichte Europas einging. Auf einem Reichstag in Worms verbot Kaiser Karl V. Verbreitung und Lektüre der Schriften von Martin Luther. Der Reichtstag manifestierte die konfessionelle und politische Spaltung Europas. In diese Zeit hinein wurde am
8. Mai Petrus Canisius geboren. Der Publizist und Jesuit Leo Wallner (1931-2013) hat versucht, der Botschaft seines Lebens auf die Spur zu kommen.

Wie Canisius den Glauben lernt. Ein hervorragender Priester namens Nikolaus van Esche hat Petrus in seiner unklerikalen, religiösen Unmittelbarkeit nachhaltig beeindruckt: „Verstehst Du Christum gut, so genügt das, auch wenn du das andere nicht verstehen solltest.“
Täglich musste Canisius einen Abschnitt aus dem Evangelium lesen, einen Merksatz daraus auswendig lernen und untertags gelegentlich darüber nachdenken. Eine schlichte Methode, wie sie auch heute von nüchternen Christinnen und Christen geübt und empfohlen wird. Der berühmte Schatz, aus dem auch Canisius später – nach Jesu Worten – „Altes und Neues herausholen wird…“

Wie Canisius die Kirche reformieren will.
„Einer einzigen Seele nützen und einen guten Rat geben können, das wiegt bei weitem mehr als die ganze Welt.“ So hat der römisch-katholische Kirchenreformer des 16. Jahrhunderts Petrus Canisius als 27jähriger Jesuit an einen Mitbruder geschrieben und sich sein Leben lang selbst daran gehalten.
Dabei waren ihm die Strukturen der Kirche alles andere als einerlei: bei den Bischöfen und auf dem Trienter Konzil ebenso wie gegenüber Karl Karl V. und seinem Bruder Ferdinand I. hat er sich schonungslos und zugleich diplomatisch geschickt für die „Reformation“ des Klerus und besonders der Hierarchie eingesetzt: „Es geht mit dieser Kirche schlimmer, als man in Rom glauben oder begreifen mag“, schreibt er an den von seiner Diözese abwesenden Bischof von Augsburg, „und inzwischen belastet ihr Bischof sein Gewissen mit so vielen und so großen Bürden, dass ich mich fürwahr wundern muss, wie er ruhig schlafen kann,… Es wäre mir wirklich lieber, er lebte ohne dieses Bistum, als dass er sich bloß des Titels erfreut und die Schafe, von deren Wolle er lebt, so nachlässig weidet.“

Was für Canisius zählt. Um die einzige Seele, den einzelnen Menschen, – ob Bauer, Bürger oder Bischof – geht es diesem Seelsorger, ganz nach dem Motto seines Ordensgründers Ignatius von Loyola, für den „alles zur größeren Ehre Gottes und zum Heil der Seelen“ dienen musste. Die Sorge für die einzelne Seele und ihr Heil, das hat damals die „reformierten Priester“, wie die ersten Jesuiten in Rom genannt wurden, mit den Predigern der Reformation Luthers verbunden. Das Tragische war, dass beide meinten, diese Seelen vor den jeweils anderen schützen und retten zu müssen…

Seelsorge ist für Canisius Leibsorge. Vier Wochen nach seiner Ankunft in Wien hat sich Canisius im März 1552 bereits nach eigener Aussage „Zutritt verschafft zu den Gefangenen“. Er sammelt mit den anderen Jesuiten Geld für die Eingesperrten, lässt den Armen Kleider, Schuhe und Hemden anfertigen und bemüht sich um eine bessere Behandlung für sie. Ähnlich wirkt er bei den Kranken im Bürgerspital, unter den Straßenkindern der Stadt und in den priesterlosen Gemeinden rund um Wien…

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TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag

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