Ernst Pohler zum 90. Geburtstag
Vertrauen in den liebenden Gott

Ernst Pohler war mit 35 Jahren der jüngste Dekan Österreichs.
  • Ernst Pohler war mit 35 Jahren der jüngste Dekan Österreichs.
  • Foto: Diözese Innsbruck
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Er war damals mit 35 Jahren der jüngste Dekan in Österreich. Von 1967 bis 2003 hat Ernst Pohler das Dekanat Breitenwang geleitet.
Aus Anlass seines 90. Geburtstages, den er am 20. März gefeiert hat, erzählt er dem Tiroler Sonntag, womit er die Kirche
vergleicht und welche Zukunftshoffnung ihn trägt.

Mehr als 20 Jahre ist es her, dass Ernst Pohler einen Vortrag gehalten hat, der ihm noch in lebhafter Erinnerung ist. „Durchforsten, ausforsten, aufforsten“ lautete die Überschrift zu seinen Gedanken anlässlich der Einweihung der Millenniumsorgel im Jahr 2000 in der Pfarrkirche Breitenwang. Wie der Wald gepflegt werden muss, so ist es auch mit der Kirche. „Das Durchforsten, Ausforsten und Aufforsten ist der Weg für die Kirche und für unser persönliches Leben als Christ“, so Pohler.Kirche neu denken. Das bisherige Kirchenbild, meint Pohler, greift bei vielen Menschen heute nicht mehr so richtig. „Die Stellung der Frau in der Kirche, der Zölibat, Fragen der Partnerschaft und Sexualität und die Frage der Leitung müssen neu gesehen werden“, sagt Pohler, der als Vikar im Tannheimertal aktiv ist. Zum Ausforsten gehöre für ihn, die Menschen auch mitentscheiden und mitbestimmen zu lassen: „Dass der Pfarrer immer der Letztentscheidende ist, das geht nicht“. Überhaupt gehört für ihn eine klerikal geprägte Kirche der Vergangenheit an. Das bedeutet auch, dass Laien den Priester nicht mehr auf den Sockel stellen dürfen. „Der Pfarrer wird das schon machen, das ist auch vorbei“, meint er.
Viele arbeiten mit. Es sind keine leeren Forderungen, die der Altdekan hier stellt. Es ist sein Kirchenbild, das er in den 35 Jahren als Dekan in Breitenwang von Anfang an umgesetzt hat. „Wir haben schon einen Dekanatsrat eingerichtet, da hat in der Diözese noch niemand davon gesprochen“, erinnert er sich. Die Zusammenarbeit mit Pastoralassistent/innen und Diakonen war ihm stets sehr wichtig. „Wir haben viele Bibelkreise ins Leben gerufen und viele Vorträge organisiert“, blickt Pohler auf ein lebendiges Leben in den Pfarrgemeinden zurück. Und das wurde getragen von vielen ehrenamtlichen Frauen und Männern: „Es wahren immer an die 1.300 Leute in den Pfarren, auf die ich mich verlassen konnte.“

Solidarisch. Auch mit 90 Jahren denkt Ernst Pohler nicht nur an die Vergangenheit, sondern blickt in die Zukunft. Wie in der Waldwirtschaft sieht er auch in der Kirche einen großen Bedarf am Aufforsten. Das gelinge, „wenn der Geist Gottes meine Seele, mein Solidarisch-sein mit den Schwächeren und unser geschwisterliches Miteinander erreicht und bestimmt.“ Glaube ist für ihn „innerstes Vertrauen in den lebendigen, unbegreiflichen Gott“. Ein Gott, der die Freiheit des Menschen anerkenne „und der uns seine Liebe nie entzieht, auch dann nicht, wenn wir selbst zweifeln“.

Hoffnung für die Zukunft. Für Ernst Pohler ist Jesus Christus die Grundlage seines Wirkens, so wie es sein Primizspruch ausdrückt: „Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus. (1 Kor 3,11). Ein weiterer Gedanke begleitet ihn: Mit der Kirche ringen. „Kirche ist niemals fertig, sie ist immer ein Weg“. Ernst Pohler ist schon lange auf dem Weg der Kirche unterwegs, und bei allem Ringen mit ihr hat er den Blick für das Gute, für die Hoffnung nie verloren. Die Pfarrgemeinderatswahlen sind für ihn ein Zeichen, dass noch immer sehr viele fähige Menschen Leitungsaufgaben in der Kirche wahrnehmen. Auch der Synodale Prozess sei der richtige Weg, um Menschen in entscheidene Weichenstellungen der Kirche einzubeziehen. Was er sich für die Zukunft erhofft: Dass der Zölibat freiwillig wird und dass die Rolle der Frauen in der Kirche gestärkt wird. Dass zum Beispiel in einer deutschen Diözese Frauen vor kurzem mit der Spendung der Taufe beauftragt wurden, freut ihn.

Autor:

Walter Hölbling aus Tirol | TIROLER Sonntag

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