Vor 75 Jahren starb der Jesuit Alfred Delp: ein Prophet der Hoffnung in finsterer Zeit
Dem Leben trauen

Alfred Delp vor dem Volksgerichtshof 1945.

„Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt“. Dieser Satz aus der Weihnachtsbetrachtung von Jesuitenpater Alfred Delp (1907-1945), den er im Gefängnis 1944 niedergeschrieben hat, begleitet mich seit vielen Jahren – und gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Alfred Delp wuchs in einer gemischt-konfessionellen Familie auf und erfuhr die christliche Zerrissenheit hautnah. Als Mahnung schrieb er später: „Wenn die Kirchen der Menschheit noch einmal das Bild einer zankenden Christenheit zumuten, sind sie abgeschrieben.“
Geprägt von der Jugendbewegung, tritt er 1926 in den Jesuitenorden ein und durchläuft die ordensübliche Ausbildung. In dieser Zeit war Karl Rahner sein Lateinlehrer. Er promovierte mit einer hellsichtigen und kritischen Arbeit zu Heidegger. 1939 wurde er Seelsorger in München-Bogenhausen und Mitarbeiter der Ordenszeitschrift
„Stimmen der Zeit“ bis zu ihrem Verbot 1941. Ab 1942 ist er dem sogenannten „Kreisauer Kreis“ verbunden, einer Widerstandsgruppe gegen Hitler, die von Helmuth James Graf von Moltke inspiriert wurde. Die Optionen der katholischen Soziallehre konnte er hier in die Überlegungen einer deutschen Nachkriegsordnung einbringen. In dieser Gruppe arbeiteten Christgläubige aller Konfessionen und Humanisten verschiedener Herkünfte zusammen.

„Wahrlich ein Witz“. Nach dem Attentat Graf von Stauffenbergs auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde er verhaftet und vom Volksgerichtshof unter Freisler im Januar 1945 mit Moltke zum Tod durch den Strang verurteilt. Graf von Moltke schrieb dazu an seine Frau (10.1.1945), dass der einzige Grund, den Freisler finden konnte, darin läge, dass sie Christen wären: „Dass ich als Märtyrer für den heiligen Ignatius von Loyola sterbe – und darauf kommt es letztlich hinaus, denn alles andere war daneben nebensächlich –, ist wahrlich ein Witz, und ich zittere schon vor dem väterlichen Zorn von Papi, der doch so anti-katholisch war. Das andere wird er billigen, aber das? Auch Mami wird wohl nicht ganz einverstanden sein“.

Angebotene Freilassung. Alfred Delp wurde die Freilassung angeboten, wenn er aus dem Orden austreten würde. Das hat er abgelehnt, im Gegenteil: in einer geheimen Aktion konnte er noch die letzten Gelübde kurz vor seinem Tod ablegen. Mit Blick auf den sicheren Tod schrieb er: „Gott hilft mir so wunderbar und spürbar bis jetzt. Ich bin noch gar nicht erschrocken. Das kommt wohl noch. Vielleicht will Gott diesen Wartestand als äußerste Erprobung des Vertrauens. Mir soll es recht sein. Ich will mir Mühe geben, als fruchtbarer Samen in die Scholle zu fallen, für Euch alle und für dieses Land und Volk, dem ich dienen und helfen wollte“.

Kirche ist Mittel, nicht Ziel. Wenn wir heute ebenso verzagt wie hektisch nach der Zukunft des christlichen Glaubens bei uns fragen, sollten wir die Saat der MärtyrerInnen dieser Zeit in uns aufgehen lassen: P. Delps Optionen im Blick auf die Zukunft, die auf eine Bildung des in Freiheit gebundenen Menschen zielen, benötigen keinen Kommentar: „Es wird kein Mensch an die Botschaft vom Heil und vom Heiland glauben, solange wir uns nicht blutig geschunden haben im Dienste des physisch, psychisch, sozial, wirtschaftlich, sittlich oder sonstwie kranken Menschen.“ Und: „Die Kirche muß sich selbst viel mehr als Sakrament, als Weg und Mittel begreifen, nicht als Ziel und Ende.“ Schließlich: „Der Orden müßte wieder ein Grund schöpferischer Quellen werden. Ich hoffe sehr, daß Karl Rahner theologisch das schafft.“

Roman Siebenrock

Autor:

TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag

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