Der Theologe Johannes Hoff im Gespräch
Die Wiederkehrt des Heiligen

Johannes Hoff ist Professor am Institut für Systematische Theologie der Universität Innsbruck: „Wir setzen nämlich die jeweils neue Technik ein und machen das so intensiv, dass wir am Ende nicht mehr, sondern sogar weniger Zeit haben als zuvor.“
  • Johannes Hoff ist Professor am Institut für Systematische Theologie der Universität Innsbruck: „Wir setzen nämlich die jeweils neue Technik ein und machen das so intensiv, dass wir am Ende nicht mehr, sondern sogar weniger Zeit haben als zuvor.“
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Ein Interview von Claudia Paganini

Herr Professor Hoff, Sie sind seit September 2020 als Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät Innsbruck tätig. Erzählen Sie uns doch ein bisschen etwas über Ihren Werdegang als Theologe.
Johannes Hoff: Ich bin in Trier an der Mosel in einer katholischen Gegend aufgewachsen, mein Vater war Kirchenmusiker. So bin ich von Anfang an kirchlich sozialisiert worden. Ich war Ministrant, habe viel in der kirchlichen Jugendarbeit mitgewirkt, Zeltlager organisiert und Ende der 70er Jahren mit unserer Band die ersten Jugendgottesdienste gestaltet. Ich habe dann in Tübingen meinen Zivildienst gemacht, dachte erst noch, ich würde Musik studieren, habe mir aber immer wieder aus Interesse Theologie-Vorlesungen angehört und dabei ist dann der Wunsch in mir gereift, Theologie zu studieren. Der nächste Schritt war, ins Priesterseminar einzutreten, wo ich aber schnell das Gefühl hatte, dass die Theologie, die uns beigebracht wurde, nicht sehr viel mit meinem Leben zu tun hatte. Deshalb habe ich auch Philosophie zu studieren begonnen, war dann im Auslandssemester in Bonn und bin anschließend nicht mehr ins Priesterseminar zurückgekehrt, weil es damals noch nicht erlaubt war, ein Doppelstudium zu machen, was sich zwei Jahre später ändern sollte.

Was ich bis jetzt herausgehört habe, hatten Sie schon während der Studienzeit den starken Wunsch, eine Theologie zu betreiben, die ihren Sitz im konkreten Leben hat. Kann man das so sagen?
Hoff: Auf jeden Fall. Mit meinem Diplom in Theologie und dem Magister in Philosophie habe ich schnell begonnen, mich in öffentliche Debatten einzubringen. So habe ich gemeinsam mit einem Kollegen aus der Medizin einen Artikel in der „Zeit“ zum Fall einer hirntoten Schwangeren veröffentlicht. Das hat unerwartete Wellen geschlagen, also haben wir in die Richtung weitergearbeitet und auch ein Buch publiziert zum Thema „Wann ist ein Mensch tot?“
In dieser Zeit habe ich mich immer mehr für die Frage zu interessieren begonnen, wie Theologie und Religion in der modernen Welt noch möglich sind. Ich hatte dann meine erste Assistentenstelle am Institut für Fundamentaltheologie in Tübingen. Mein Schwerpunkt war die Veränderungen der Zeit und was das für die Kirche bedeutet und dann die Wiederentdeckung mittelalterlicher Theologie, mit der ich insbesondere während meiner Lehrtätigkeit in London und Wales beschäftigt habe. Dabei habe ich entdeckt, dass spirituelle Praktiken der Schlüssel sind, um Theologie zu entwickeln.

Sie werden bei den kommenden Theologischen Sommertagen vom 6. bis 7. September einen Vortrag halten. Das Thema der Veranstaltung ist die Digitalisierung. Was hat das Ihrer Meinung nach mit der Kirche zu tun?
Hoff: Da gibt es sehr viele Berührungspunkte. Ich persönlich habe mich in meiner Arbeit besonders mit der Frage beschäftigt, was technologische Entwicklungen anthropologisch bedeuten. Aber auch die Sakramententheologie kommt hier ins Spiel. Vor der Reformation hatte man zahlreiche heilige Objekte wie Marienstatuen und Kapellen, die es in Tirol ja immer noch gibt. Die Reformation war dann der Meinung, man brauche diese Vermittlung nicht, sondern könne in direkten Kontakt zu Gott treten. In der Gegenwart lassen wir uns nun permanent durch magische Objekte bestimmen. Die digitale Revolution hat gezeigt, dass wir diese Objekte zwar kontrollieren, von ihnen aber auch kontrolliert werden. Wir müssen uns daher fragen, wie eine Theologie unter dem Vorzeichen der digitalen Transformation aussehen kann. Was sind die Objekte, die eine gute Macht auf uns ausüben, und welchen sind es, die unser Leben kaputt machen?Nun sind das ja alles sehr spannende, aber eben auch recht komplexe Themen.

Was würden Sie unseren Lesern sagen: Warum soll sich jemand, der selbst kein Wissenschaftler ist, ihren Vortrag im Rahmen der Theologischen Sommertage anhören?
Hoff: Ich würde sagen, in der heutigen Zeit betreffen manche philosophischen Fragen eigentlich jeden. Besonders die Frage: Was ist eigentlich Technik und wozu ist sie gut? Wir gehen nämlich immer davon aus, dass Technik dazu da ist, unser Leben effizienter zu gestalten. Dabei passiert etwas Eigentümliches: Wir setzen nämlich die jeweils neue Technik ein und machen das so intensiv, dass wir am Ende nicht mehr, sondern sogar weniger Zeit haben als zuvor. Daher meine ich, dass wir alle uns damit beschäftigen sollten, welchen Bedeutung moderne Technologien für die alte Frage haben, was ein gutes von einem schlechten Leben unterscheidet.

Autor:

TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag

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