Wie Österreich zu den Kirchenzeitungen kam

Das erste Titelblatt der „Wiener ­Kirchenzeitung“ aus dem Jahr 1848 ist ­zugleich die erste Seite einer österreichischen Kirchenzeitung.
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Im Ringen der Ideologien im 19. Jahrhundert haben auch die Kirchenzeitungen und andere kirchennahe ­Medien ihren Ursprung.

Österreich hatte in den revolutionären Märztagen des Jahres 1848 ein neues Pressegesetz erhalten, das die Freiheit des Wortes ermöglichte. Einer, der die Gelegenheit dazu ergriff, war der Priester Dr. Sebastian Brunner. Er gründete die ­„Wiener Kirchenzeitung für Glauben, ­Wissen, Freiheit und Gesetz in der katholischen Kirche“ und legte damit den Grundstein der katholischen Publizistik.

Die politische Strömung des teils antikirchlichen Liberalismus führte im 19. Jahrhundert zu einer Gegenreaktion der katholischen Kirche und der ihr nahe­stehenden politischen „Reichshälfte“. In einzelnen Bistümern wurde mit der Gründung ­katholischer Pressvereine, die bis heute noch bestehen, ein Akzent gesetzt. Auf die liberale Presse wollte man mit einer starken eigenen öffentlichen Stimme antworten. Weit verbreitete Wochen- und Tages­zeitungen haben dort ihren Ursprung. Der Styria-Verlag in Graz, der Oberösterreichische Landesverlag, das Niederösterreichische Pressehaus ebenso das Verlagshaus ­Tyrolia in Innsbruck wurden starke ­Mitplayer am damals jungen Medienmarkt.

„Vorkämpfer“ Sebastian Brunner schrieb in Wien gegen echte und vermeintliche Feinde der Kirche: die Kommunisten, das ­politische Judentum, Liberale oder ­Freimaurer. Wegweisend war die „Wiener Kirchenzeitung“ damals allerdings in der sozialen Frage: Schon früh bemühte sich Brunner um den Ausgleich sozialer Gegensätze und hob die christliche Grundlage der katholischen Soziallehre hervor.

1918 – ein Neubeginn. Finanzielle Probleme führten 1874 zur Einstellung der Wiener Kirchenzeitung. Doch nach 44 Jahren „Pause“ erschien das „Wiener Kirchenblatt“ am 1. Dezember 1918 – wenige Wochen nach dem Untergang der Donaumonarchie – unter Prälat Johann Mörzinger wieder – nun aber als „Wochenschrift für die Katholiken Wiens“ und mit besonderer Unterstützung des Wiener Erzbischofs Kardinal Piffl. Von da an stand nicht mehr die Politik, sondern die religiöse Erbaulichkeit im Vordergrund.

Das „Wiener Kirchenblatt“ begann 1919 mit einer wöchentlichen Auflage von 2.000 Stück, 1925 wurden bereits 80.000 Stück und in den Dreißigerjahren bis zu 135.000 Stück österreichweit vertrieben. Auch das ­„Jugend-Kirchenblatt“, das von 1930 bis 1941 erschien, erreichte eine ähnliche Auflage und wurde nur vom „Kleinen Kirchenblatt“ für die Kinder übertroffen, das von 1924 bis 1940 in einer Auflage von mehr als 260.000 Stück erschien.

Leben trotz NS-Herrschaft. Nachdem am 12. März 1938 Hitlers Truppen die österreichische Grenze überschritten, wurde binnen kurzer Zeit die österreichische Presselandschaft völlig aufgerieben oder gleich­geschaltet. Das „Wiener Kirchenblatt“ durfte zunächst weiter erscheinen, weil es politisch unverdächtig war, doch am 25. Mai 1941 kam „aus kriegswirtschaftlichen Gründen“ auch für das Kirchenblatt das Aus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Herbst 1945 dann das große Aufatmen. Im geteilten Österreich begannen Pioniergestalten in den einzelnen Diözesen mit der Gründung eigenen diözesaner Kirchenzeitungen. Sie erreichten vor allem in den Fünfzigerjahren hohe Auflagen.

Heute stehen sie vor der Herausforderung, sich unter den Bedingungen der modernen Medienlandschaft und einer stark verändeten Einstellung vieler Menschen zur Kirche zu behaupten. Durch Zusammenarbeit und Modernisierung gehen sie den Weg in die Zukunft.

In der Zwischenkriegszeit ­erreichten das österreichweit vertriebene „Große Kirchenblatt“ und das „Kleine Kirchenblatt“ hohe Auflagen. Auch ein „Jugend-Kirchenblatt“ hat es gegeben.
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W. LINHART/M. FELLINGER

Das erste Titelblatt der „Wiener ­Kirchenzeitung“ aus dem Jahr 1848 ist ­zugleich die erste Seite einer österreichischen Kirchenzeitung.
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Kooperation Kirchenzeitungen aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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