Im Gespräch
„St. Peter übersteht das“

Gebet, Arbeit, Lesung. Dieser Dreischritt der Benediktinermönche in St. Peter ist in Zeiten von Corona einerseits gestärkt und andererseits stark geprüft worden. Wie es dem „großen Bauernhof“ derzeit wirtschaftlich und spirituell geht.

„So fromm, so klösterlich waren wir schon lange nicht mehr“, beschreibt Erzabt Korbinian Birnbacher im Gespräch mit dem Rupertusblatt die Lage in den vergangenen Wochen. „Niemand hatte Termine draußen. Bei meinen Mitbrüdern ist viel mehr Tiefe da, mehr Präzision in der Formulierung von Gedanken“, sagt er über die guten Seiten, welche die coronabedingte Auszeit in Salzburg und auf der ganzen Welt mit sich gebracht hat.Wenn die Wirtschaft zur Sprache kommt, geht es St. Peter jedoch wie allen anderen auch: nicht allzu rosig. „Sinnvollerweise mussten wir unsere Tätigkeiten herunterfahren und kurbeln sie nun wieder an. Alle leisten einen Beitrag. Das heißt auch verzichten“, sagt der Benediktiner und fügt an, dass er gewaltige Abstriche verzeichnet. „Zu uns gehören ja auch Gastronomiebetriebe. Der Stiftskeller lebt von Menschen, die nicht aus der Stadt Salzburg sind.“ Daher habe es diesen Traditionsbetrieb besonders getroffen und St. Peter könne an Pacht und Umsatzbeteiligung nicht das erwarten, was unter normalen Bedingungen eingebracht werde. Birnbacher: „Für St. Peter fehlt monatlich ein sechsstelliger Betrag.“
Es gebe nicht nur Einbußen bei Verpachtungen, sondern auch bei Mietern, die genauso plötzlich in enge Situationen gekommen sind, Stundungen erbitten und Reduktionen oder gleich den Nachlass von Mieten erwarten. Die Strategie des Erzabts lautet „mit Maß und guter Kommunikation vorgehen“.
Er rechnet damit, dass es für die Betriebe, die zu St. Peter gehören, einige Monate oder gar Jahre dauern wird, bis sie wirtschaftlich wieder „normale Zahlen“ schreiben.

Menschen wollen Ehrlichkeit von Erzabt

Apropos Kommunikation. „Wenn ich von den Menschen Zusammenhalt und Verständnis möchte, muss ich ihnen das auch entgegenbringen“, argumentiert Birnbacher. Menschsein bedeute, nicht perfekt zu sein und auch Grenzen zu haben, Kompromisse machen zu müssen.“ Freilich seien für wirtschaftliche Belange in erster Linie die Geschäftsleitung oder die Immobilienabteilung Ansprechpartner. Er berichtet, dass das allerdings manchmal zu wenig sei. „Man will den Chef hören. Auch wenn es nicht meine Aufgabe ist – ich stehe dem Kloster vor – spüre ich, dass ich als Abt dieses ,großen Bauernhofs‘ St. Peter die Verantwortung für den einzelnen Menschen habe“, sagt Birnbacher. Insgesamt erwarten sich weit mehr als 500 Leute – Angestellte, Pächter, Mieter – eine „anständige und aufrichtige Kommunikation“. Dafür will der Erzabt da sein. So ist er sicher: „St. Peter übersteht das.“

Auf Brot und Wein heißt der Podcast der Erzdiözese Salzburg. Vorteil: Wer zuhören will, kann ihn sich jederzeit kostenlos herunterladen – auf iTunes, Spotify oder auf der neuen Homepage der Diözese unter www.eds.at/aktuelles/podcasts. Dort gibt es bereits Erzbischof Franz Lackner mitten im Corona-Lockdown zu hören oder Michaela Koller zur Krankenseelsorge.

Michaela Hessenberger

Foto: Zum Interview lud Korbinian Birnbacher, Erzabt von St. Peter, kürzlich in sein Büro. Weil der Podcast „Auf Brot und Wein“ heißt, gab er einen Schluck Weißen aus, über den sich dann das Gespräch entwickelte
Foto: RB/mih

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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