Zell am Ziller
Ein Seliger prägt die Pfarre

Ignaz Steinwender ist seit 2001 Pfarrer von Zell am Ziller und seit 2007 Dekan – im Bild vor der Statue des seligen Engelbert im Pfarrgarten.�
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  • Ignaz Steinwender ist seit 2001 Pfarrer von Zell am Ziller und seit 2007 Dekan – im Bild vor der Statue des seligen Engelbert im Pfarrgarten.
  • Foto: RB/Pfennig
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In Zell am Ziller ist einiges los: ein neues Museum, der Umbau des Pfarrhofs, Fünf-Jahr-Jubiläum der Ewigen Anbetung – Dekan (Dechant) und Pfarrer Ignaz Steinwender gibt einen Einblick über das Pfarrleben.

Seit 2019 steht im Pfarrgarten ein mehr als 300 Jahre altes Haus. Es wurde im Vorjahr von Rachau in der Steiermark nach Zell am Ziller transferiert. Der Grund: Es handelt sich dabei um das Wohnhaus der seinerzeit in die Steiermark ausgewanderten Eltern des Zillertaler seligen Engelbert Kolland. Der Bezug zu Zell am Ziller: Hier wurde Engelbert Kolland 1827 getauft.

Museum für den Seligen

Schon 2010 erwarb die Pfarre das Gebäude, um es vor dem drohenden Abbruch zu bewahren. Im Vorjahr wurde es endlich in Rachau abgebaut. „Die rund 400 gekennzeichneten Teile trafen genau am 10. Juli 2019, am Gedenktag des Seligen, in Zell am Ziller ein. Vier Handwerker aus der Pfarre bauten das Gebäude in zwei Wochen ab und in zwei Wochen wieder auf“, erinnert sich Pfarrer Steinwender. Das Haus, das ursprünglich in Hanglage stand, wurde im Widumgarten errichtet, schadhafte Teile wurden erneuert. Eine echte Kunstarbeit ist die Restaurierung und teilweise Erneuerung der Fenster.Gerade entsteht in diesem historischen Gebäude eine En-gelbert-Kolland-Gedenkstätte und gleichzeitig ein vielseitiges Zentrum der Pfarrgemeinde. Auf geschätzte 250.000 Euro belaufen sich die Kosten des Bauprojekts, das bis Ende des Jahres fertiggestellt werden soll. Im Erdgeschoss ist dann ein Museum über den seligen Engelbert Kolland eingerichtet, das sein Leben und Wirken und damit auch seine Bedeutung für Menschen unserer Zeit darstellt. Was übrigens Pfarrer Steinwender, der am Engelbertgedenktag (10. Juli) 1988 sein entscheidendes Berufungserlebnis hatte, an diesem Menschen so fasziniert? „Dass ein einfacher Zillertaler ein Seliger wird. Seine Kämpfernatur, seine Überzeugung, sein Einsatz für den Glauben.“

Im ersten Stock werden außerdem Zillertaler Bischöfe und Glaubensgestalten aus der Pfarre Zell am Ziller vor- sowie sakrale Gegenstände, Kunst und Literatur ausgestellt.

Präsenter Engelbert Kolland

Egal, wo man sich in Zell am Ziller befindet, nichts ist präsenter als der selige Engelbert. In der Kirche stößt man auf ein Porträt des Seligen im Presbyterium, eine Statue, das Taufbecken, das an seine Taufe erinnert, und an das sich die Fatimakapelle zum Seligen Engelbert Kolland anschließt. Seine Reliquie befindet sich im neuen Zelebrationsaltar. Vor dem Pfarrhof beginnt der Engelbert-Kolland-Weg, der seit 2016 von der Taufkirche – am Ziller entlang – in den Geburtsort Ramsau führt. Auf diesem Weg findet seit zehn Jahren auch eine monatliche Wallfahrt statt. Übrigens befindet sich in der Ramsauer Kirche ein kleiner Engelbert-Altar mit einem Porträt des Seligen und im Ort steht noch sein Geburtshaus.

Fünf Jahre Ewige Anbetung

Besonders freut es Dekan Steinwender, dass es auch einen neuen Raum für die Ewige Anbetung gibt, ein Herzensprojekt des Priesters: „Am 16. August feierten wir das fünfjährige Anbetungsjubiläum. Seit mehr als 1.800 Tagen ist immer ein Anbeter da, 24 Stunden pro Tag, 168 Stunden pro Woche. Die Initiative ging von Pfarrgemeinderäten aus. Einige Monate dauerte es, um alles vorzubereiten und auf die Beine zu stellen.“ Insgesamt 200 Anbeterinnen und Anbeter gewährleisten die ständige Anwesenheit. Die meisten sind für eine Stunde pro Woche eingeteilt und es gibt auch einige Gruppen, wie eine Kartenrunde oder Chöre, die eine Wochenstunde übernehmen.

Menschen abholen

„Es ist ein großer Segen, dass so viele Anbeter, darunter ein Viertel von umliegenden Pfarren und einige sogar aus dem Inntal über Jahre hinweg treu mittun und damit eine ständige Gnadenquelle für die Region mitgestalten“, freut sich Ignaz Steinwender. Er ist überzeugt: „Man kann Leute und oft auch ‚Quereinsteiger‘ gewinnen, wenn man sie direkt anspricht.“

Für ihn ist die Anbetung ein wichtiger Faktor für die Lebendigkeit einer Pfarre: „Dazu gehört es auch, dass es Laien gibt, die sich für den Glauben interessieren und Rechenschaft für den Glauben geben. Deshalb ist es wichtig, dass sich Laien auskennen, was wir feiern, woran wir glauben und warum wir dieses oder jenes praktizieren. Es ist erfreulich, wenn sich viele in Glaubensrunden, durch Bücher und Kurse theologisch aus- und laufend weiterbilden.“ So absolvierten zum Beispiel bereits zehn Pfarrmitglieder den viersemestrigen Katechistenkurs, den das Justinusinstitut und die Theologische Hochschule Heiligenkreuz anbieten. „Vom umfangreichen Pfarrbrief über eine stets aktualisierte Homepage, verschiedene Kirchenführer und Wallfahrten gibt es vieles, um Menschen auf unterschiedlichsten Wegen abzuholen“, denkt Steinwender.

Zweite Baustelle im Pfarrhof

„Im Pfarrhof setzen wir außerdem gerade ein Energiekonzept um“, so Steinwender und das sei ganz im Sinne der päpstlichen Enzyklika „Laudato si“ und den jüngsten Beschlüssen der Bischofskonferenz. Die bisherige Ölheizung kommt raus und ein neuer Heizkessel hinein. Wichtig war den Verantwortlichen, dass ab Herbst das neue Museum und der Anbetungsraum mitversorgt sind. Künftig wird mit Holz und Pellets geheizt und Photovoltaik zur Stromversorgung und im Sommer auch zur Warmwasseraufbereitung genutzt. „Wir wollen den Energiebedarf und Kosten durch Wärmedämmungsmaßnahmen und neue Heizkörper mit Thermostaten senken. Durch den Umstieg auf Holz werden wir unabhängiger, ökologischer und kaufen den Rohstoff billiger ein, da die Pfarre ein Holzbezugsrecht hat“, sagt Pfarrer Ignaz Steinwender. Apropos unabhängig: Das ist der Pfarrer heuer erstmals auch durch seinen schön gepflegten Gemüsegarten und mit seinen Hühnern. Die gefiederten Zweibeiner bekam er zum 25-jährigen Priesterjubiläum.

Seliger Engelbert Kolland:

◆ am 21. September 1827 in Ramsau geboren
◆ am 22. September 1827 in Zell am Ziller getauft
◆ 1847 Eintritt in den Franziskanerorden in Salzburg
◆ 1851 Priesterweihe im Dom zu Trient
◆ 1855 Entsendung nach Jerusalem zum Dienst in der Grabeskirche, dann Versetzung nach Damaskus ins Franziskanerkloster zum seelsorglichen Dienst
◆ 10. Juli 1860 Martyrium in Damaskus
◆ 10. Oktober 1926 von Papst Pius XI. selig gesprochen◆ seit 1986 zweiter Patron der Pfarrgemeinde Zell am Ziller

Daniela Pfennig

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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