Priesterweihe
„Hier bin ich“: Mehr als ein Versprechen

Hausgemeinschaft:  Im Beisein von Präfekt in Irene Blaschke,  Studienpräfekt Florian Bischoff, Spiritual P. Paul Weingartner OCD und Regens Tobias Giglmayr studieren, beten und leben zwölf  Männer im Salzburger Priesterseminar.
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  • Hausgemeinschaft: Im Beisein von Präfekt in Irene Blaschke, Studienpräfekt Florian Bischoff, Spiritual P. Paul Weingartner OCD und Regens Tobias Giglmayr studieren, beten und leben zwölf Männer im Salzburger Priesterseminar.
  • Foto: RB/Hiwa Naqshi
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Wenn P. Jakob Auer OSB, Josef Grünwald und Johannes Lackner am 29. Juni (Beginn des Gottesdienstes ist um 14.30 Uhr) von Erzbischof Franz Lackner zum Priester geweiht werden, stellt sich für die Erzdiözese die Frage wieder: Was bedeutet die Weihe und warum ist das Sakrament anders als eine Beauftragung? Zeigt sich darin mehr als der Start in ein neues Berufsleben?

von David Pernkopf

Der Start ins Arbeitsleben ist aufregend, anstrengend – und oft ganz anders als geplant. Selten aber beginnt es mit einer solch tiefgreifenden Zeichenhandlung wie die der Priesterweihe, die mehr als ein Versprechen oder eine Beauftragung ist. Das Sakrament der Weihe verändert und definiert das Leben von Johannes Lackner, Josef Grünwald und P. Jakob Auer OSB aus dem Erzstift St. Peter. Am 29. Juni erwartet sie ein voller Dom, unzählige Gläubige und viel Weihrauch. Äußerlich spielt sich bei der Priesterweihe viel ab. Die Feier bewegt sich zwischen Intimität und Öffentlichkeit, weil sie große Zeichen von den jungen Männern abfordert. Mehr aber ist sie bestimmt ein innerlicher Vorgang, der die Herzen der Weihekandidaten und ihrer Familie bewegt.

Für Paul Faulhaber, der als Zeremoniär dabei sein wird, gibt es zwei besonders emotionale Momente: „Beim Treueversprechen legt der Kandidat seine Hände in die des Bischofs. Wie kraftvoll und eindringlich diese Geste ist, wird schon spürbar, wenn sie probehalber vollzogen wird. Der zweite Moment ist die Allerheiligenlitanei. Um die auf dem Boden ausgestreckten Kandidaten zu stehen und die Heiligen anzurufen – da spüre ich immer wieder, dass mein schwaches Gebet gefragt ist, um einen kleinen Beitrag zum Gelingen eines priesterlichen Lebens zu leisten.“

Was passiert da?

Es ist ein erhabener Moment, wenn im Dom den Weihekandidaten in Stille die Hände aufgelegt werden und dazu die Salvator-Glocke erklingt. Bereits im Neuen Testament sind mehrfach das Gebet und die Handauflegung als Sendungsauftrag bezeugt. In der Weiheliturgie ist sie Zeichen für die Herabkunft des Geistes.

Martin Seidler, Leiter des Liturgiereferats und Büroleiter des Erzbischofs, erklärt die Zeichen der Handlauflegung im großen Zusammenhang der Geschichte der Kirche seit ihren Ursprüngen: „Ein wichtiger Moment zum Verstehen ist der Gedanke von der apostolischen Sukzession: es ist das Vertrauen, dass der Sendungsauftrag Jesu durch die Handauflegung über die Jahrhunderte weitergegeben wurde und dadurch eine konkrete Verbindung mit dem Ursprung gewährt ist.“ Das bedeutet: Die Gläubigen dürfen durch das Zeichen der Handauflegung darauf vertrauen, dass die heutige Kirche im Innersten dieselbe ist wie jene zur Zeit der Apos­tel. Weitere Elemente, wie das Anlegen der Gewänder danach, die Salbung der Hände oder das Überreichen der Gaben für die Eucharistiefeier sind nachgeordnet und deuten das Geschehen, berichtet Seidler.

Für die Liturgie der Weihe gilt: Es geschieht wenig aus Gewohnheit oder zufällig, weshalb gutes Proben und diskretes Leiten in der Liturgie erforderlich sind. Die Handauflegung, die im Schweigen erfolgt, bildet gemeinsam mit dem Weihegebet den wesentlichen Moment der Spendung des Weihesakraments, sagt der erzbischöfliche Zeremoniär. Was ist die Herausforderung, das Besondere dieses Jahr?

„Besonders ist zunächst, dass es in diesem Jahr drei Weihekandidaten gibt. Sie kommen einerseits aus dem Priesterseminar, anderseits gehört einer der Kandidaten dem Benediktinerorden an, weshalb sie das Treueversprechen gegenüber dem Bischof auf unterschiedliche Weise leis­ten“, berichtet Faulhaber und stellt so die Unterschiede dar.

Ein Dienst für die anderen

„Durch das Weihesakrament tritt man in ein Dienstamt ein. Ein Dienst für die anderen. Unserem Erzbischof ist in diesem Zusammenhang sehr wichtig: ‚Alleine sind wir nicht genug‘.Für Geweihte gilt dies besonders“, erklärt Seidler. Damit ist schon in der Weihe angezeigt, dass es sich hier nicht nur um den Beginn eines spannenden, fordernden oder unmöglichen Berufes handelt, sondern um einen existenziellen Akt, der mehr ist als ein Versprechen: Ein Akt der Übereignung an Jesus Christus und die Nächsten. Also ein Geschenk für Gott an die Menschen.

Das sind die Weihekandidaten

P. Jakob Auer OSB (31): „Wenn ich über mein Leben, meine Berufung und das Sakrament der Weihe nachdenke, bringt der Primizspruch aus der Benediktsregel vieles gut auf den Punkt und zeigt kompassartig die Ausrichtung: „Mehr und mehr schreite er auf Gott zu“. Christliches Leben nährt sich aus der Taufe. Hier wird das Fundament gelegt. Von hier aus gestaltet sich das Leben. In meiner Ordensprofess durfte ich diese Taufgnade durch ein bewusstes Ja bekräftigen und jetzt im Empfang der Priesterweihe weiter vertiefen. Ziel ist, in und mit der Gemeinschaft der Glaubenden das Mehr Gottes in unserem Leben zu entdecken.“ 

Johannes Lackner (26): „Meine Berufung zum Priester ist in Etappen gewachsen. Ich bin in einer gläubigen Familie groß geworden, war Minis­trant und im religiösen Leben in meiner Heimat verwurzelt. Entscheidend war auf meinem Berufungsweg aber eine Pilgerreise nach Fatima, wo ich bei einer hl. Messe mit fast einer Million Menschen erstmals die tiefe innere Freude des Glaubens erfahren durfte. Diese Freude – die Freude darüber, dass Gott uns unendlich liebt und uns Gemeinschaft mit ihm schenken will – möchte ich anderen Menschen weitergeben, in der Verkündigung des Evangeliums, im Dienst an den Armen und in der Spendung der Sakramente.“ 

Josef Grünwald (41): „Geboren wurde ich in Abtenau, wo ich am elterlichen Hof aufwuchs. Nach der Pflichtschuleabsolvierte ich zunächst eine Lehre als Hafner, bevor ich in die Holzbranche wechselte.
Den Ruf Gottes verspürte ich bereits mit 20 Jahren. Zunächst ging ich dem Ruf Gottes nicht nach. Mit der Zeit jedoch wurde dieser Ruf immer stärker und so setzte ich mich mehr und mehr damit auseinander, Priester zu werden. Ich informierte mich über das Studium und besichtigte auch das Priesterseminar in Salzburg.
Trotzdem wagte ich es immer noch nicht, den letzten Schritt zu gehen. Zwei Jahre später zog ich im Rahmen einer Anbetung am Herz-Jesu-Freitag den Bibelspruch: „Ich werde mit dir sein und dich segnen.“
Dieser Spruch bestärkte und überzeugte mich schließlich, meiner wahren Berufung zu folgen.

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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