Zum Tag des Gebens
Das Glück hat zwei Räder

Noch ein Handgriff und der Drahtesel ist wieder fahrtüchtig. Wenn Rawan Ebrahim am Schrauben ist, vergisst er alles um sich herum und ist in seinem Element.
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  • Noch ein Handgriff und der Drahtesel ist wieder fahrtüchtig. Wenn Rawan Ebrahim am Schrauben ist, vergisst er alles um sich herum und ist in seinem Element.
  • Foto: RB/ibu
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Fast jedes Fahrrad lässt sich wieder zum Laufen bringen. Das sagt Berni Koman während er durch die Räume von carlavelorep in der Salzburger Elisabethstraße führt. Doch nicht nur die Bikes bekommen hier eine Chance, berichtet der Leiter der Caritas-Werkstatt mit sozialem Mehrwert.

Die Schule mit einem passablen Zeugnis abgeschlossen, danach rasch einen Lehrbetrieb gefunden, verständnisvolle Eltern und Freunde, auf die man sich verlassen kann. So bilderbuchmäßig läuft es oft nicht ab. Gründe, warum junge Leute nicht Fuß fassen, kennt Berni Koman zuhauf. Er fängt an aufzuzählen: familiäre Zerwürfnisse, Fluchtgeschichten, psychische Prob-leme bis hin zu Konflikten mit dem Gesetz. Ziemlich alles hat er schon erlebt und ge-hört, wenn er sich die Geschichten seiner Schützlinge in Erinnerung ruft. Insgesamt zwölf junge Erwachsene zwischen 15 und 30 Jahren kann er in der Fahrradwerkstatt der Caritas aufnehmen. Zugewiesen werden sie vom Arbeitsmarktservice.

Am Werkstoff Rad Arbeiten trainieren

„Sie trainieren bei uns Arbeiten. Und das maximal ein Jahr“, bringt der Leiter das Konzept kurz und prägnant auf den Punkt. Koman und sein Team unterstützen, wo und wie immer es möglich ist. Sie fordern von den Schulabbrechern, jungen Asylberechtigten oder zuvor in einer Lehre Gescheiterten aber auch etwas: Verlässlichkeit, Teamfähigkeit, Pünktlichkeit, das Annehmen und und Umsetzen von Arbeitsaufträgen. „Auf dem regulären Arbeitsmarkt wird das von ihnen verlangt. Wenn jemand ständig zu spät kommt, ist das Kapitel Probearbeiten schnell wieder zu“, sagt die erfahrene Sozialpädagogin Lydia Dirnstorfer. Nach der ersten Stabilisierungsphase ist sie es, die mit den jungen Männern – derzeit schraubt nur eine Frau in der Werkstatt – die unmittelbare Zukunft ins Visier nimmt. In Einzelcoachings schaut Dirnstorfer sich mit den Jungs an, wo ihre Interessen liegen, welcher Plan realistisch ist. Danach geht es daran, die Bewerbungsunterlagen auf Vordermann zu bringen oder sich auf Vorstellungsgespräche vorzubereiten. Der Absprung in eine Festanstellung ist das erklärte Ziel.

Einer, der das schon nach einigen Monaten schaffte, ist Rawan Ebrahim. Der 21-Jährige trägt das Mechanikergen in sich. Sein Vater in Syrien hatte auch eine Werkstatt. Deshalb war die Arbeit bei einem Autozulieferer perfekt. Das Coronavirus brachte den Traum zum Platzen. Noch im ersten Lockdown im Frühling kam die Kündigung.

Jetzt ist der junge Mann wieder in der Elisabethstraße und nützt die Zeit hier sinnvoll bis sein carlavelorep-Jahr voll ist. „Am Schönsten ist es, wenn die Kunden ihr Rad abholen und sie sehen, dass wieder alles passt“, erzählt Rawan, der weiter nach einer Stelle sucht. „Die Pandemie macht dieses Unterfangen nicht gerade leicht. Schon bei Praktika ist es schwierig. Betriebe sagen ab“, weiß Dirnstorfer. Rawan lässt sich nicht entmutigen und glaubt an seine Chance. Die carlavelorep-„Familie“ gibt im Rückhalt.

Chance für Mensch und Fahrrad

Für Kundinnen und Kunden ist carlavelorep zuallererst eine normale Werkstatt. Sie bringen ihre Drahtesel zum Service, schauen sich nach einem günstigen Gebrauchtradl um oder schmökern im stylischen Verkaufsraum beim Rad-Zubehör und den Accessoires – es gibt sogar Häferl im carlavelorep-Design. „Wir haben viele zufriedene Stammkunden“, berichtet Berni Koman. Der Ruf, alles wieder herrichten zu können, komme nicht von ungefähr. „Wenn andere abwinken, versuchen wir halt doch das gute Stück wieder zum Laufen zu bringen. Da zählt für uns der Gedanke der Nachhaltigkeit, das heißt reparieren und nicht wegwerfen.“ 140 gebrauchte und gespendete Fahrräder sind im vergangenen Jahr straßentauglich gemacht und verkauft worden. Derzeit ist im Lager noch Platz. Wer also in seiner Garage oder Keller ein überzähliges, verstaubtes oder fahruntüchtiges Rad stehen hat – die carlavelorep-Mannschaft haucht ihm neues Leben ein. Der 1. Dezember wäre eine gute Gelegenheit.
An diesem weltweiten Tag des Gebens dreht sich alles darum, Gutes zu tun.

1. Dezember ist der Tag des Gebens

Der weltweite Tag des Gebens ist unter #GivingTuesday seit einigen Jahren die konsumkritische Bewegung neben „Black Friday“ und „Cyber Monday“. Wo überall Geben und Spenden in Österreich möglich ist, zeigt ein Blick auf die Internetseite www.giving-tuesday.at. Die Caritas freut sich über jede Unterstützung – im carlavelorep oder anderswo.

Kontakt: carlavelorep, Elisabethstraße 17, Salzburg, 0662/444080, carla@velorep.at, www.carlavelorep.at

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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