Wegweiser, Zuhörer, Mutmacher
Väter als Begleiter durchs Leben

Stefan Sablatnig und seine Söhne | Foto: privat
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  • Stefan Sablatnig und seine Söhne
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Was bedeutet es, Vater zu sein? Sechs Väter geben persönliche Einblicke in ein Leben voll Verantwortung, Liebe, Glauben und das Geschenk der Familie. Carina Müller

Gerhard Wallner
Ebenthal
Vater-Sein ist für mich stark bestimmt von unserer Tochter Doris, die das Downsyndrom hat. Sie braucht mich wirklich, und ich widme ihr viel Zeit. Ob Kirche oder Freizeit, wir nehmen sie überallhin mit. Kinder brauchen den Vater genauso wie die Mutter, auch wenn sich dessen nicht alle Väter bewusst sind. Bei Doris geht das von der täglichen Routine, der Hygiene, über Anziehen bis zu den Aktivitäten mit ihr, Spielen, Gehen, Radfahren – und Kümmern rund um die Uhr.
Besonders wichtig sind für sie Unternehmungen wie das gemeinsame Fischen. Gott sei Dank empfinde ich es nicht als Belastung, es ist eine Selbstverständlichkeit, das ist meine spezielle Situation.
Eine andere Seite: Viele Kinder würden gerne Vatertag feiern, haben aber keinen Vater oder kennen ihn nicht. Sie vermissen ihn oder leiden darunter, denn die Bezugsperson Vater ist einfach wichtig.

Stefan Sablatnig
Pfarrakolyth, Pfarre Maria Rain
Mein Name ist Stefan Sablatnig, ich bin 54 Jahre alt und Vater zweier Söhne. Sebastian ist 23 Jahre und Benedikt 20 Jahre alt. Beide sind Profi-Volleyballspieler.
Ich selbst hatte das große Glück, in einer wohlbehüteten Familie aufwachsen zu dürfen. Mein Vater war und ist für mich immer ein Vorbild, da er trotz einer gewissen Strenge immer in liebevoller Sorge für uns Kinder und für die Familie da war. Und so versuchte auch ich gemeinsam mit meiner Frau Andrea, unsere beiden Söhne in einer Familie groß werden zu lassen, in der sie immer unsere Liebe zu ihnen spüren konnten.
Für mich als Vater war es immer wichtig, den Kindern eine gewisse Orientierungshilfe in ihrem Erwachsenwerden zu bieten. Ihnen aber doch so viel Freiheit zu geben, um wichtige Entscheidungen in ihrem Leben selbst treffen zu können.
Als meine Söhne noch klein waren, war es mir ein großes Anliegen, ihnen von Anfang an den christlichen Glauben zu vermitteln, indem wir sonntags gemeinsam die heilige Messe besuchten. Zuhause ist auch heute noch Gott der Mittelpunkt unserer Familie.
Für mich ist es das größte Geschenk, dass Gott mir diese beiden wunderbaren Menschen geschenkt hat, und ich sehe es auch als meine wichtigste Aufgabe als Vater an, für sie immer da zu sein, wenn sie mich brauchen.

Franz Pipp
Pastoralassistent, Völkermarkt
Ich wurde als Vater bisher mit sehr spannenden Herausforderungen beschenkt. Durch getrenntes Leben und getrennte Haushalte dazu gezwungen, für meine damals noch recht jungen Kinder (5 u. 3,5 Jahre ) ca. 10 Tage pro Monat als allein lebender Vater zuständig zu sein. Und ja, ich hatte Angst, ob ich dem allein gewachsen sei. Ich bin hineingewachsen, habe es mir herausgenommen, in der Zeit mit den Kindern möglichst uneingeschränkt und verlässlich pünktlich für sie da zu sein. Ich entwickelte mich beim kindgerechten Kochen genauso wie bei den Badewannenschlachten, Zähneputzritualen und genoss die tägliche Gutenachtgeschichte und so vieles mehr. Und ich erkannte, ja, ich kann es, unvollkommen, aber ich kann es. Ich darf nun erkennen, dass es gut war, diese Unvollkommenheit gegenüber meinen Kindern auszuhalten und das mögliche Gute gemeinsam zu genießen. Wir wurden alle mit gegenseitigem Vertrauen beschenkt. Nun darf ich sie (inzwischen 22 und 20 Jahre) vertrauensvoll neugierig auf ihr Leben zugehen sehen. Ja, Vater-sein hat sich zum ganz großen Geschenk in meinem Leben entwickelt. Danke!

Markus Auer
Diözesanreferent für die Diözesansportgemeinschaft Kärnten
Vater zu sein, bedeutet für mich, präsent zu sein, mit Zeit und echter Aufmerksamkeit. Die Geburt unserer Tochter Anna im Jahr 2011 war ein Wendepunkt in meinem Leben. Doch nur zehn Tage später starb mein Vater völlig unerwartet mit 58 Jahren. In dieser ersten Zeit mit meiner Tochter standen wir plötzlich auch mitten im Abschiednehmen. Ich erlebte, wie eng Freude und Trauer beieinanderliegen können. Der Tod meines Vaters hat mir schmerzhaft bewusst gemacht, wie zerbrechlich das Leben ist – und wie kostbar die gemeinsame Zeit, die uns geschenkt wird.
Als Anna 18 Monate alt war, ging ich für acht Monate in Elternteilzeit und reduzierte meine Arbeitszeit auf 20 Stunden pro Woche, um intensiv für sie da zu sein. Diese bewusste Entscheidung hatte Konsequenzen: Nach der Elternteilzeit wurde mir gekündigt. Doch auch diese Herausforderung brachte etwas Gutes mit sich – so konnte ich später, nach der Geburt unseres Sohnes Leo im Jahr 2014, während zweier Monate Arbeitslosigkeit ganz für ihn da sein.
Vaterschaft ist für mich mehr als nur Verantwortung. Sie bedeutet echte Nähe, bewusstes Begleiten und auch die Möglichkeit, gemeinsam zu wachsen und sich persönlich weiterzuentwickeln.

Andrea Bonizzi
Klagenfurt
Vater zu sein, ist für mich eine echte Erfüllung. Für meine Frau und mich war es wichtig, ein Kind zu haben, und wir haben uns extrem gefreut, als Sara auf die Welt gekommen ist. Sie macht unsere Familie ein bisschen größer – sie macht sie vollständig. Natürlich haben wir uns auch zu zweit immer als Familie gefühlt, aber mit einem Kind wird das Leben irgendwie noch perfekter. Ich bin gleich nach der Geburt in den Papamonat gegangen, weil wir uns gedacht haben: Die ersten Tage und Wochen sind die schwierigsten – denn die Frau muss sich erholen. Wenn der Vater da ist, kann er unterstützen, Vorbereitungen treffen oder putzen – das kann er gut übernehmen. Es war eine wirklich gute Entscheidung. Für mich war das auch deshalb wichtig, weil man in dieser ersten Zeit anfangen kann, eine Beziehung zum Kind aufzubauen. Die Mutter hat neun Monate, um eine Bindung zu entwickeln – aber wenn das Kind dann endlich da ist, kann auch der Vater es spüren und in den Armen halten. Ich war wirklich froh, dass ich die Gelegenheit hatte, ein ganzes Monat zu Hause bei Marija und Sara zu bleiben.
Und das Schönste am Vater-sein ist: Jedes Mal, wenn ich Sara sehe – zum Beispiel, wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme –, lächelt sie mich an. Das ist wirklich das Schönste: das Lächeln meines Kindes.

Jürgen Struger

Pflegevater
Ich weiß nicht, ob ein leiblicher Vater sein Kind noch mehr lieben kann. Ich weiß aber, dass dieses kleine 17-monatige Mädchen es damals geschafft hat, alle Dämme mühelos einzureißen und in die verborgensten Orte meines Herzens vorzudringen. Nichts hat mich mehr mit meinen menschlichen Grenzen und der Tiefe meiner Liebe konfrontiert als die Aufgabe, ein Kind begleiten, beschützen und fördern zu dürfen. Da ich selbst vaterlos aufgewachsen bin, hatte ich kaum Prägungen dafür, „wie ein Vater sein soll“, und das hilft mir offen zu bleiben für das, was uns als Familie stärkt. Das Wichtigste ist, meiner Tochter Sicherheit, Stabilität und Liebe zu geben, da sie keinen einfachen Start ins Leben hatte.
Ich bin froh, diese Erfahrung zu machen. Ab der Zeit, als ich Vater geworden bin, hat sich mein Blick auf vieles verändert, und für vieles habe ich erst einen Blick bekommen. Vater-sein bedeutet für mich, Wege zu gehen, aber nicht nur für mich, sondern gemeinsam.

Stefan Sablatnig und seine Söhne | Foto: privat
Gerhard Wallner und seine Tochter | Foto: Privat
Markus Auer und seine Kinder | Foto: Privat
Andrea Bonizzi, seine Frau Marija und seine Tochter Sara | Foto: Privat
Jürgen Strugger und seine Tochter | Foto: Privat
Autor:

Carina Müller aus Kärnten | Sonntag

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