Hermagoras-Direktor Karl Hren im Gespräch
Das Nahe wird oft wenig geschätzt

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Der Autor und Direktor des Hermagoras-Verlages über versteckte Schönheiten der Karawanken, die viel unterschätzte Kulturlandschaft Unterkärntens sowie die Herausforderungen eines Verlages, der heuer sein 170-Jahr-Jubiläum feiert.
von Gerald Heschl

Corona brachte eine neue Wander-Begeisterung. Jetzt beginnt wieder die Saison und Sie haben ein Buch verfasst über die Täler, Gräben und Gipfel der Karawanken. Wo liegt für Sie der Reiz dieser Landschaft?
Hren: Zunächst ist es die geografische Nähe. Es hat schon einen besonderen Reiz, wenn sich in unmittelbarer Nachbarschaft eine derartige Naturlandschaft erhebt. Kulturell ist die Region von der Zweisprachigkeit geprägt. Sie bringt eine enorme Vielfalt. Dann ist es eine grenzüberschreitende Region. Früher war dies noch stärker der Fall. Es gab über die Gebirgspässe hinweg einen starken Zusammenhalt, und die Menschen pflegten enge Kontakte. Dies wurde durch die Grenzziehung teilweise zerrissen.

Sie schreiben, dass es hier noch viele quasi unentdeckte Flecken, ja sogar Gipfel gibt ...
Hren: Obir und Petzen sind bekannt, aber es gibt großartige Täler, die noch relativ unberührt sind. Man findet noch authentische Landschaften, in denen man viel Neues entdecken und Ursprüngliches erleben kann. Es gibt sogar hohe Berge über 2000 m, die noch ohne Weg sind. Da muss man wie bei einer Expedition seinen eigenen Weg suchen.

Wie kommt es, dass eine Berglandschaft, die so nahe bei der Landeshauptstadt liegt, noch so viel Unentdecktes bietet?
Hren: Es ist ein genereller Zug, dass man Dinge, die vor der Haustüre liegen, nicht oder zu wenig schätzt. In Südkärnten scheint mir dies besonders ausgeprägt. Ich meine, die Benachteiligung des Slowenischen ist so weit gegangen, dass man die eigene Kultur- und sogar Naturlandschaft gering geschätzt hat. Im Gegensatz zum Lesach- oder Mölltal ist dadurch auch sehr viel an alter bäuerlicher Architektur verloren gegangen. Hier zeigt sich ein problematisches Verhältnis zur eigenen Herkunft. Den Leuten wurde eingeredet, diese Sprache und damit diese Kultur seien nichts wert.

Hängt es vielleicht auch damit zusammen, dass die Gegend rauh und unwirtlich ist?
Hren: Das würde ich so nicht sagen. Es ist eine sehr vielfältige Landschaft. Bei den Karawanken denkt man immer nur an den schroffen Kalk. Die Landschaft ist aber sehr vielfältig. Es gibt zwischen den Kalkzügen immer breiter werdende Gegenden aus Urgestein, dem sogenannten „Blauen Stein“. Diese Landschaft ist am intensivsten besiedelt, weil sie sanfter ist und oberflächlich Wasser führt. Das beginnt schon im Bärental. Um Eisenkappel bis hin zum Seebergsattel wird es ganz breit. Dort finden sich auch die höchsten Siedlungen der Karawanken – etwa in Koprivna/Koprein bis 1300 m.

Welche Rolle spielt der Glaube in dieser traditionell katholischen Gegend?
Hren: Der Glaube hat traditionell einen sehr hohen Stellenwert. Wir finden praktisch bei jedem Hof sehr schön erhaltene Hofkreuze und Hofkapellen. Sie werden liebevoll gepflegt und sind lebendige Zeugnisse des Glaubens, wo heute noch Fleischweihen und Maiandachten gefeiert werden oder Fronleichnamsumzüge Halt machen. Dann finden Sie in der Region zahlreiche Kirchen und Kirchlein bis weit hinauf in die Berge. Ein schönes Beispiel ist die Trögerner Filialkirche, die von einem Bauern errichtet wurde, noch bevor eine Straße in diese Gegend führte. Der Stifter hat Geld hinterlegt, um einen Priester zu bezahlen. Dieser war auch für die Bildung der Bevölkerung wichtig, denn es gab in den ländlichen Gegenden erst sehr spät Schulen. Zumeist sorgten die Priester für den Unterricht. Unterrichtsbehelf waren die Bücher der Hermagoras.

Die Hermagoras ist einer der ältesten Verlage Österreichs und feiert heuer sein 170-jähriges Jubiläum. Welche Bedeutung kommt heute noch einem Verlag zu?
Hren: Von Beginn an stand das Thema Bildung im Mittelpunkt. Die ersten Bücher, die bei uns gedruckt wurden, behandelten auch Themen wie Wirtschaft und Landwirtschaft. Die Priester sammelten die Menschen um sich, lasen ihnen aus den Büchern vor, um ihre wirtschaftliche Grundlage zu verbessern. Später kamen die Schülerheime dazu, um jungen Menschen aus den Tälern Bildung zu ermöglichen. 1989 gründeten wir die zweisprachige Volksschule – natürlich auch mit Ziel des Erhaltes und der Förderung der Kärntner Zweisprachigkeit. Voriges Jahr kam die Erweiterung in Richtung Kindergarten. Sie sehen also, das Thema Bildung in seiner ganzen Breite zieht sich durch die Tätigkeiten der Hermagoras.

Welche sind die größten Herausforderungen heute? Hat das Buch noch seine Bedeutung?

Hren: Es stimmt, dass digitale Formen das gedruckte Wort in vielen Bereichen verdrängen. Das gilt aber vor allem bei Kurz-Infos. Bei langen Texten greifen die Menschen nach wie vor lieber zum gedruckten Buch. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts druckten wir in einer Auflage von mehr als 100.000 Stück für den gesamten slowenischsprachigen Raum. Das ist heute undenkbar. Dafür wird das Verlagsprogramm von Jahr zu Jahr bunter, die Zahl der Autoren steigt und das Buch hat als besonderes Produkt einen hohen Stellenwert. Ich glaube, das hängt mit der digitalen Informationsflut zusammen. Das Buch hebt sich davon ab und wird als etwas Besonderes wahrgenommen.

Die Hermagoras ist aber mehr als ein Verlag ...
Hren: Gerade im Bildungsbereich sehen wir einen großen Auftrag. So steigt etwa der Bedarf einer guten, dem christlichen Jahreskreis verpflichteten Kinderbetreuung durch bestens qualifizierte Betreuer. Es geht uns auch um Wertevermittlung und die Vermittlung beider Kärntner Landessprachen. Da sehen wir Entwicklungspotenzial für die Hermagoras.

Die Hermagoras ist eine kirchliche Gründung. Wie eng ist die Verbindung zur Kirche heute?
Hren: Von Beginn an stand die Hermagoras im Zeichen einer Zusammenarbeit von Klerikern und Laien. Für die damalige Zeit war dies einmalig. Das hat sich bis heute erhalten. Kleriker und Laien leiten die Hermagoras gemeinsam.

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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