Ein besonders kunstvolles Altarbild
Werner Bergs Altar der Heiligen Familie

Ein ganz besonderes, kunstvolles Altarbild von Werner Berg
  • Ein ganz besonderes, kunstvolles Altarbild von Werner Berg
  • Foto: Foto: Werner Berg Museum
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Der tief religiöse, in Südkärnten lebende Maler Werner Berg schuf 1933 ein Altarbild, das er der Heiligen Familie widmete. Mit seinem „Altar der Heiligen Familie“ war er seiner Zeit jedoch weit voraus und stieß auf das Unverständnis seiner Zeitgenossen.
von Josef Till

1933 nahm Werner Berg an einer Ausschreibung religiöser Gegenwartskunst anlässlich des Katholikentages in Wien mit seinem fünfteiligen Altarbild teil. Dieses Bild wurde von der Jury zurückgewiesen. Eine stillende Mutter mit einer unbedeckten Brust und die bläulich leuchtenden Gesichter führten alsbald dazu, den Künstler als „entartet“ abzuwerten. Drei Jahre später erfolgte der Ausschluss aus der Reichskammer der bildenden Kunst, was zur Untersagung der Berufsausübung mit totalem Ausstellungs- und Malverbot in Deutschland führte.
Berg wollte aber nicht so sehr das Religiöse, sondern das Menschliche ins Zentrum rücken. Religiöse Themen blieben eine Ausnahme, christliche Motive tauchen bei ihm nur indirekt auf. Der „Altar der Heiligen Familie“ nahm aber Anleihen bei biblischen Themen, den Kindheitserzählungen der Evangelisten Matthäus und Lukas.

Die Heilige Nacht
Die junge Frau stillt, nährt und liebt den Säugling. Seit der Zeit der Mystik gibt es das Interesse an dem innigen Verhältnis von Mutter und Kind. Der Mann blickt sorgenvoll in die Zukunft; die gesellschaftlichen Außenseiter, die Hirten, beäugen getrennt durch einen Zaun neugierig die Szene, die sich in einer Hütte mit Ochs und Esel abspielt.

Simeon
Der Vertreter der älteren Generation, der fromme und weise Simeon, freut sich über das kleine Kind, das mit seinen Eltern bei ihm auf Besuch weilt (Vgl. Lk 2, 25-35). Simeon erkennt gemeinsam mit der Prophetin Hanna im Kind Jesus den verheißenen Messias. Er nimmt ihn in die Arme und preist ihn im Lobgesang. Simeon prophezeit, dass das Kind für das Volk Israel ein Zeichen des Widerspruchs sein werde. Maria gibt er zu verstehen, dass das Schicksal ihres Sohnes ihr großen Kummer und Schmerz bereiten werde.

Flucht
Die Familie, Mutter, Vater und Sohn, haben keine Heimat, sie befinden sich auf der Flucht vor dem Diktator, der sich vor einem Kind fürchtet und um seine Macht bangt. Geschildert wird die Flucht nach Ägypten im Matthäus-Evangelium (2,13-23).

Anna Selbdritt
Die Darstellung zeigt die Tochter Maria und den Enkel Jesus. Selbdritt bedeutet so viel wie zu dritt. Für diese Darstellung gibt es allerdings keine biblischen Belege, wohl aber Beschreibungen in den apokryphen Evangelien (vor allem dem Protevangelium des Jakobus) und in der Legenda aurea von Jacobus de Voragine. Dieses feminine Element, das schon im Mittelalter verbreitet war, war auch für Werner Berg ein Anlass, um auf die Bedeutung des Femininen, die Einflüsse und Beiträge von Müttern und Großmüttern in der Erziehung und Sozialisation hinzuweisen; ebenso aber auch auf das körperliche und seelische Wohl des Kindes sowie seine Wertschätzung.

Heilige Familie
In der Mitte steht dominant die Heilige Familie; taghell, das blonde, rotwangige Kind im weißen Gewand mit ausgebreiteten Armen und offenen Händen, das die Betrachtenden anblickt. Für Werner Berg deuteten die ausgebreiteten Arme auf die Lebensaufgabe des kleinen Knaben hin, einmal der Retter der Welt mit seinem Tod am Kreuz zu werden. Die Umstände der Geburt Jesu weisen auf seinen Opfergang und Tod hin. Die junge, ängstlich besorgte, tastende und dunkel gekleidete Mutter mit einem Kopftuch (Hadrca auf Kärntner-Slowenisch), hinter ihr der bärtige, nachdenkliche, ebenso dunkel gekleidete Vater, stehen vor einem dominierenden roten Hintergrund, der möglicherweise auf das blutgetränkte Lebensende des Knaben hinweist. Dieses Fest wird in der Weihnachtsoktav (Sonntag zwischen 26. und 31. Dezember, falls kein Sonntag in die Oktav fällt, gilt der 30.12.) gefeiert. In der Bibel finden sich Hinweise in Mt 2,13-23 und Lk 2,41-52.

Werner Berg Museum
Dieser Altar im Werner-Berg-Museum in Bleiburg/Pliberk, der jetzt in einem kleinen separaten Raum hängt, ist die Gedenkstätte dieses bedeutenden Malers und Holzschnitzers. Er hatte sich ein anonymes Begräbnis gewünscht, und seinem Wunsch entsprechend wurde seine Urne in Salzburg in einem Sammelgrab ohne Daten beigesetzt.

Autor:

Sonntag Redaktion aus Kärnten | Sonntag

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