Von Malzkaffee, Schildkröten und Dinos
Eine bunte Reise zurück zu den Gerüchen und Spielzeugen der eigenen Kindheit

Herwig Oberlerchner hat ein liebevolles Universum zum Staunen geschaffen. | Foto: Foto: Hin & Weg Agentur
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Herwig Oberlerchner, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeut, hat mit dem „Figurenmuseum für Kaffeebeigaben“ in Klagenfurt eine liebevolle Fundgrube für Spielzeug und viele Erinnerungen geschaffen.
von Katja Schöffmann

Kaffee-Ersatz? Für Liebhaber:innen von echtem Kaffee keine erste Wahl. Für viele Menschen in der Nachkriegszeit ein erwartungsvolles Geschmackserlebnis mit positivem Nebeneffekt: Kinderaugen strahlten voll Vorfreude und Spannung beim Öffnen einer Packung Malzkaffee oder eines anderen Kaffee-Ersatzgetränkes.

„Spielzeug und Kaffee waren teuer“
In diesem Jahr zählte das Museum 2.000 Besucher:innen, bei der „Langen Nacht der Museen“ alleine 345. Herwig Oberlerchner erzählt: „Mein Museum gibt es seit Oktober 2021. Es hat in der Nachkriegszeit wenig Spielzeug gegeben. Spielzeug und Kaffee waren teuer. Einige Firmen hatten die Idee, nicht nur Ersatzkaffee zu machen, sondern in die Packungen auch Spielzeug hineinzugeben“, verrät Oberlerchner. Die bekannteste Firma, die das in den 50er-, 60er- und 70er-Jahren gemacht hat, war Linde. Was ist im Kaffee-Ersatz drinnen? „Roggen, Gerste, Malz und Wegwarte“, weiß Oberlerchner. „Die Blüte der Wegwarte blüht blitzblau. Deswegen sind auf der Linde-Packung (bis 1947 Linde’s) blaue Punkte auf weißem Grund abgedruckt“, erklärt der Linde-Freund. „Die Figuren waren ca. ab 1956 bis 1973 in den Linde-Packungen, bevor Nestlé diese Sparte aufgekauft hat.“

„Spielzeug war etwas Sensationelles“
In den 90er-Jahren gab es Sammelhefte mit Katzen und Hunden. „In den 2000er-Jahren sind der Packung Walt Disney-Figuren wie Mogli, 101 Dalmatiner, Arielle usw. beigegeben geworden, in einer roten oder gelben Kapsel“, erzählt Oberlerchner. Das Werbeprinzip funktionierte also wie bei den Überraschungseiern. Billig-Kaffee, der von Farbe, Geruch und Geschmack her echtem Kaffee relativ ähnlich war, wurde mit Spielzeug kombiniert. Oberlerchner: „Für Kinder in der Nachkriegszeit war Spielzeug etwas Sensationelles. Als Kind habe ich immer gerne mit Linde-Tieren Prozessionen gebaut – mit Elefanten, Nashörnern, Büffeln, Elchen, Schildkröten – und der Größe nach geordnet.“

Verschiedene Figuren in bunten Farben
Als Kaffeebeigabe entablierten sich Figurenserien. Der Schriftzug Linde wurde oft ins Spielzeug mit hineingegossen. „Der Sammler-Ehrgeiz der Kinder wurde durch Serien und seltene Farben geweckt. Viele wollten eine Figur in Weiß, Rot, Grün, Gelb oder Blau haben, oder tauschen“, weiß der passionierte Figurenliebhaber.
Es gab als Kaffeebeigaben auch Küchengeräte und Geschirr für Mädchen, „weil man in der Nachkriegszeit meinte, Mädchen sollten brave Hausfrauen, Mütter und Köchinnen werden“, erzählt Oberlerchner.

Figurenmuseum für Kaffeebeigaben
Kaufmanngasse 5-7, 9020 Klagenfurt
Öffnungszeiten: Dienstag 18 bis 20 Uhr und Samstag 10 bis 12 Uhr
Kontakt: www.lindefiguren.at

Autor:

Sonntag Redaktion aus Kärnten | Sonntag

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