Mein Weg nach Rom 6/10
Unterwegs mit Franz von Assisi

Das heutige Kloster La Verna. 
 | Foto: Walter Graf
3Bilder

Von Portico di Romagna bis zum Kloster La Verna

Die Wildschweine haben in der Nacht die Wegränder umgepflügt, und die Hirsche röhren. In den Lüften kreisen Steinund Goldadler, und auch Bruder Wolf und Fuchs durchstreifen die Wälder. Blumen säumen prachtvoll die Pilgerwege, und mystisch erscheint der Wald im Frühnebel. Willkommen im Nationalpark „Casentinesi“!

AM CAMMINO DI ASSISI

Einsiedlei Camaldoli.  
 | Foto: Treml

In Portico di Romagna treffen der Antoniusweg und der Franziskusweg – Cammino di Assisi – aufeinander, verlaufen jedoch bis La Verna unterschiedlich. Ab jetzt folgen wir den Spuren des heiligen Franziskus auf dem von Giordano Picchi initiierten Pilgerweg: Cammino di Assisi. Zunächst führt er uns durch den Nationalpark Casentinesi in das Herz des Apennins. Eindrücke, Impressionen und Stimmungen dieses Naturjuwels lassen erahnen, warum die belebte und unbelebte Natur für Franziskus zu Bruder und Schwester wurde.

Franziskus empfängt die Wundmale. 
 | Foto: Walter Graf

Der 36.426 Hektar umfassende Nationalpark wurde 1993 eröffnet und liegt in den Regionen Emilia-Romagna und Toskana. Bis zu tausend Jahre alte Wälder bedecken das Gebiet. Mit dem Poggio Scali, einem Aussichtshügel auf 1.520 Metern, überschreiten wir den höchsten Punkt unserer gesamten Pilgerreise nach Rom.

EIN WEGGEFÄHRTE

In Campigna, einem kleinen Weiler mitten im Nationalpark, gesellt sich ein Beagle zu uns. Der Besitzer scheint seinen Hund zu kennen, läuft ihm nach und bringt ihn zurück. Doch kaum haben wir Campigna einen Kilometer hinter uns gelassen – da ist er wieder, unser Geselle. Fröhlich und gut gelaunt saust er zwischen unseren Füßen hin und her, einmal voraus, dann hinten nach. Offensichtlich gefällt ihm das Pilgern. Die Freude sieht man ihm an– uns ebenso. Na ja, irgendwann wird er wohl umdrehen. Am Nachmittag – zwölf Kilometer später – erreichen wir die Einsiedelei Camaldoli – samt Hund. Zum Glück haben wir in der Bar in Campigna, zu der der Beagle gehört, eine Visitenkarte mitgenommen. Auch in der Einsiedelei gibt es eine Bar. Wir bitten die Bardame, den Besitzer zu informieren, dass sein Hund eine Wallfahrt zur Eremitage Camaldoli unternommen habe und nun dort auf seinen Herrn warte.

Im Jahr 1024 gründete hier der heilige Romuald den Orden der Kamaldulenser. Auch der heilige Franziskus erholte sich an diesem wunderbaren Ort von den Strapazen seiner Palästinareise.

Drei Kilometer weiter beenden wir diese Königsetappe des Pilgerweges im Ort Camaldoli und nächtigen im dortigen Monastero – einem Konventsgebäude aus dem 16. Jahrhundert mit zwei Kreuzgängen und einer alten Apotheke.

LA VERNA – EIN HÖHEPUNKT

Buchen, bemooste Steine, Felswände, Grotten, Spalten, Vogelgezwitscher – mystisch sind die letzten Kilometer durch den Nationalpark Casentinesi auf dem Weg nach La Verna. Graf Orlando di Chiusi schenkte diesen Berg im Jahr 1213 dem heiligen Franziskus. Es ist der franziskanische Ort schlechthin: Der Heilige lebte hier mit seinen Mitbrüdern in asketischer Einsamkeit – in Felshöhlen und einfachen Hütten rund um die von ihnen erbaute Kapelle Santa Maria degli Angeli. Im Jahr 1224 empfing Franziskus an diesem Ort die Wundmale (Stigmata) des Herrn. Ende September, bereits schwer erkrankt, verließ er in einem bewegenden Abschied von seinen engsten Gefährten für immer diesen heiligen Ort.

Heute ist das Santuario am Fuße des Sacro Monte Penna zu einer stattlichen Klosteranlage herangewachsen. Jeden Tag ziehen die Brüder um 15 Uhr in einer Prozession zur Stigmatakapelle, vorbei an Fresken, die vom Leben des Heiligen erzählen.

Und noch etwas wartet darauf, entdeckt zu werden: die grandiosen Terrakottareliefs, glasierte Keramiken des Renaissancekünstlers Andrea della Robbia, der aus einer Florentiner Künstlerfamilie stammte. Selten haben wir etwas so Schönes gesehen.

Gepaart mit dem sich neigenden Tag sitzen wir zum Sonnenuntergang in aller Stille unter dem schlichten Holzkreuz auf dem Platz vor der Basilika von La Verna. Vom Horizont her leuchtet das Städtchen Bibbiena herauf. Es sind Augenblicke, die wir nie vergessen werden!

Ferdinand Treml

Mein Weg nach Rom Pilgern in die Ewige Stadt 6/10
FERDINAND TREML WAR LEHRER, SCHULDIREKTOR UND BEZIRKSSCHULINSPEKTOR. ER IST AUTOR DES PILGERFÜHRERS „DER PILGERWEG NACH ROM“ (TYROLIA VERLAG)
Tyrolia Verlag, Innsbruck

Das heutige Kloster La Verna. 
 | Foto: Walter Graf
Einsiedlei Camaldoli.  
 | Foto: Treml
Franziskus empfängt die Wundmale. 
 | Foto: Walter Graf
Autor:

martinus Redaktion aus Burgenland | martinus

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by PEIQ