Mein Weg nach Rom 8/10
Pilgerinnen und die heilige Klara
- In Spoleto wurde der Antonius heiliggesprochen.
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Von Assisi nach Rieti
Wir sind am Weg ins Valnerina. Eine ältere Dame mit Rucksack gesellt sich zu uns. „Wohin des Weges?“, fragen wir sie. „Nach Rom“, sagt die 80-jährige Martha aus den USA. „Allein?“, fragen wir sie ungläubig. „Yes!“
MEHR FRAUEN ALS MÄNNER
Pilgern ist inzwischen weiblich – mehr Frauen als Männer sind auf den Pilgerwegen unterwegs. In Assisi haben wir die Grablegestätte der heiligen Klara in der gleichnamigen Chiesa Santa Chiara besucht. Klara, eine faszinierende 19-jährige adelige Dame, bricht aus ihrem goldenen Käfig aus und schließt sich Franziskus an. Was für ein Skandal! Natürlich versuchen die Brüder und der Vater, sie mit Gewalt zurückzuholen – vergeblich. Und damit nicht genug: Später schließen sich ihr auch ihre Mutter und ihre Schwestern im neu gegründeten Kloster in San Damiano an. Was muss diese Frau für ein Charisma gehabt haben, dass selbst die Sarazenen auf ihre Intervention hin die Stadt Assisi von der Plünderung verschonten?
In Foligno nächtigen wir im Beginenkloster delle Contesse, heute Casa Beata Angelina. Die Beginen, weltliche Frauen und Laienschwestern, die sich in Lebensgemeinschaften zusammenschlossen, legten keine Gelübde ab, verpflichteten sich jedoch zu einem Leben in Armut und Buße und waren vor allem karitativ tätig. Angelina von Montegiove (1377–1435) gründete diesen Konvent, der sich an den Idealen des heiligen Franziskus orientierte.
Das Städtchen Foligno hat jedoch aus einem anderen Grund Bekanntheit erlangt. Hier verkaufte Franziskus vor dem Dom die Stoffe seines Vaters samt Pferd, um die Renovierung der Kirche von San Damiano zu finanzieren. Der verärgerte Vater verordnete dem Sohn vorerst Hausarrest.
- Sasso Spicco heißt „herausragender Fels“.
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- Die heilige Klara.
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DIE EINSIEDELEIEN
Es sind die Einsiedeleien, die diesen Pilgerweg so einzigartig machen. Größere Klosteranlagen, an Felsen geschmiegte Steinbauten oder nur mehr Ruinen, so erlebt sie der Pilger. Franziskus wollte keinen Besitz, aber irgendwo mussten die Mönche ja leben.
Die Lage dieser Einsiedeleien war kein Zufall. Immer etwa eine Gehstunde von größeren Orten entfernt, waren sie der ideale Ort für die Lebensweise der Brüder. Die Städte waren für ihre Predigten und Sozialdienste leicht erreichbar und am Abend konnten sie sich in die Natur und die Einsamkeit zu Gebet und Kontemplation zurückziehen.
Eine Kapelle, spartanische Zellen, ein kleiner Kreuzgang, ein Felsspalt – aus diesem Ensemble bestanden sie in der Regel. Wir pilgern von Sansepolcro in eineinhalb Stunden zur Einsiedelei Montecasale. Kurz davor treffen wir auf den Sasso Spicco, ein Felsüberhang neben einem Wasserfall. Am Tor vor dem „Eremo“ (italienisch für Einsiedelei) ist ein Mönch gesetzten Alters mit Holzarbeiten beschäftigt und begrüßt uns herzlich. Selbstverständlich nimmt er sich Zeit, mit uns zu plaudern, die Arbeit kann warten. Er ist einer der drei Kapuziner, die diesen heiligen Ort noch bewohnen. Am kleinen Platz der Einsiedelei sehen wir die sitzende Marmorstatue des heiligen Franziskus, ein beliebtes Fotomotiv für alle Pilger. Die Gebäude sind den ganzen Tag offen zugänglich, niemand stört hier die Beschaulichkeit. Über Stufen geht es hinunter zur Kapelle und über dem Tor steht: „Glücklich, wer hier in deinem Hause wohnt, Herr!“
Von Assisi steigen wir hinauf zur Einsiedelei Carceri und pilgern auf einsamen Pfaden nach Spello. Die Orte in Umbrien und Latium liegen meist auf Hügeln, ihre Hänge gesäumt von einem Meer aus Olivenbäumen. Den ältesten unter ihnen – 1700 Jahre alt – entdecken wir in Bovara.
AUSNAHMSWEISE ROLLTREPPE
In Spoleto ersparen wir uns den Aufstieg, wir fahren mit der Rolltreppe die 100 Höhenmeter zum Dom hinauf, in welchem der Antonius heiliggesprochen wurde. Nun geht es ins Tal der Nera und zur Cascata delle Marmore, einem 165 Meter hohen, von einem Stausee gespeisten Wasserfall, der zweimal am Tag „eingeschaltet“ wird. Den wollen wir schon alleine deshalb sehen, weil der Eintritt nach Vorlage des Pilgerpasses kostenlos ist.
FERDINAND TREML
WAR LEHRER, SCHULDIREKTOR UND BEZIRKSSCHULINSPEKTOR. ER IST AUTOR DES PILGERFÜHRERS „DER PILGERWEG NACH ROM“ (TYROLIA VERLAG).
Autor:martinus Redaktion aus Burgenland | martinus |
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