Die Ordensfrau Corita Kent sorgte in den 1960er-Jahren als Künstlerin für Aufsehen – eine neue Schau beleuchtet ihr Werk
Nonne als Pop-Art-Künstlerin

Vor 40 Jahren: Corita Kent verband in kunterbunten Siebdrucken katholische Theologie mit gesellschaftspolitischen Anliegen. Die Ordensfrau war damit zugleich Künstlerin und Aktivistin.
  • Vor 40 Jahren: Corita Kent verband in kunterbunten Siebdrucken katholische Theologie mit gesellschaftspolitischen Anliegen. Die Ordensfrau war damit zugleich Künstlerin und Aktivistin.
  • Foto: Arthus Evans
  • hochgeladen von Gerald Gossmann

Sie war Ordensfrau, Künstlerin und Aktivistin. Die katholische Nonne Corita Kent prägte die aufstrebende Pop-Art-Szene der 1960er-Jahre und verband in ihren Arbeiten gezielt politische Botschaften. Ihr zeitloses und sehr aktuell anmutendes Werk wird nun erstmals im Rahmen einer Einzelausstellung in Österreich in der Kunsthalle Tirol gezeigt.

In den 1960er-Jahren erschien es als ungehörig ungewöhnlich, dass eine Ordensschwester Markenlogos und Theologie, profane Alltagsgegenstände und Katholizismus miteinander verknüpfte und in kunterbunten Siebdrucken klare Botschaften zu Krieg, Rassismus oder Welthunger damit verband.

Die Geschichte beginnt am 20. November 1918: Frances Elizabeth Kent wird in Iowa (USA) geboren. Heute firmiert sie unter der Zuschreibung „Pop-Art Nonne“. Sie war das explizit katholische Gegenstück zu Andy Warhol, dem Vorreiter der Stilrichtung. Ihre Werke befinden sich heute in den Sammlungen großer amerikanischer Museen von „MoMA“ bis „Whitney“. Dabei begann alles recht klassisch: Als 18-Jährige trat Kent dem Orden „Immaculate Heart of Mary“ („Unbeflecktes Herz Mariens“) in Los Angeles bei. Am dortigen College avancierte sie rasch zur renommierten Kunstprofessorin. Ihr Unterricht, so wurde erzählt, sei ein Ereignis gewesen: Aus Lautsprechern tönte Rockmusik, Filme liefen auf Bildschirmen, dazu werkte Kent mit ihren Kunststudenten an verschiedenen Projekten gleichzeitig. Kunst und Kloster waren für Sr. Corita Kent kein Gegensatz. Leidenschaftlich setzte sie sich für Frieden und soziale Gerechtigkeit ein. Seit den 1960er-Jahren wurde sie (zuerst vor allem in weltlichen Kreisen) als Künstlerin, Pädagogin und Persönlichkeit des öffentlichen Lebens gefeiert. 1967 erschien sie mit dem Titel „The Nun: Going modern“ (Die Nonne auf dem Weg in die Moderne) auf dem Cover der bedeutenden Wochenzeitung „Newsweek“.

Katholischer Aktivismus. Pop Art wurde im Jahrzehnt der 1960er, das durch eine Vielzahl kultureller Veränderungen geprägt war, zu einer vor allem in Nordamerika und Europa vorherrschenden künstlerischen Ausdrucksform. Die Bewegung läutete eine Zusammenführung von Hoch- und Populärkultur ein. Kent war beeinflusst vom Zweiten Vatikanischen Konzil und der damit verbundenen Erneuerung religiösen Lebens. In Kents Arbeiten wurde das eine in den Dienst des anderen gestellt und führte zu ihrer einzigartigen und alle Klassifizierungen herausfordernden Kunst. Man könne von Corita Kent einiges über katholischen Aktivismus lernen, betonte Nina Tabassomi, Direktorin der Kunsthalle im Innsbrucker Taxispalais gegenüber der Tageszeitung „Der Standard“. „Ich bewundere Menschen, die demonstrieren“, sagte Kent selbst. Nachsatz: „Und ich bewundere Menschen, die ins Gefängnis gehen. Ich habe nicht den Mut, das zu tun. So tue ich das, was ich kann.“

Ordens-Austritt. Immer wieder griff sie in ihren Werken Themen wie Rassismus, Armut und Krieg auf. Nicht immer zum Wohlwollen der Amtskirche. Nach einer aufsehenerregenden Auseinandersetzung entschieden sich Kent und viele ihrer Mitschwestern zum Austritt aus dem Orden, sie begründeten die „Immaculate Heart Community“ als ökumenische Gemeinschaft. 1986 starb Corita Kent, erst zwanzig Jahre später begann eine Wiederentdeckung ihrer Werke. Mit „Corita Kent: Joyful Revolutionary“ präsentiert die Kunsthalle Tirol erstmals eine Einzelausstellung der Künstlerin in Österreich. Bei einem Urlaub innerhalb Österreichs bietet sich während eines Tirol-Aufenthalts der Besuch der Ausstellung an. Im Fokus stehen dabei Kents Siebdrucke aus den 1960er-Jahren, die mit vielschichtigem Archiv- und Dokumentationsmaterial in Beziehung gesetzt werden. Die Arbeiten aus dieser Schaffensperiode sind dezidiert politisch, sie zeigen Kents kritischen Blick auf soziale Fragen und verströmen zugleich spirituelle Zuversicht.

Corita Kent: Joyful Revolutionary. Taxispalais – Kunsthalle Tirol, Maria-Theresien-Straße 45, 6020 Innsbruck, Ausstellung bis 11. Oktober. Öffnungszeiten: Di-So 11-18 Uhr, Do 11-20 Uhr, Montag geschlossen. Eintrittspreise: 4,- Euro / 2,- Euro, Sonntags: Eintritt frei. Gruppen ab 10 Personen: 3,- Euro / Person. Menschen mit Handicap, Kinder & Jugendliche bis 18 Jahre: Eintritt frei.www.taxispalais.art

Autor:

Gerald Gossmann aus Burgenland | martinus

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