FEDER_SPIEL
Kein Wunder nach Plan

Wunder gibt es. Ob die großen Wunder (die als unheilbar geltende Krebserkrankung einer Frau verschwindet ohne nachvollziehbare medizinische Erklärung), die Wunder des Lebens („dass wir einander kennengelernt haben, war völlig unwahrscheinlich, aber so sinnvoll“) oder die Wunder des Alltags (der Sekundenschlaf am Steuer, der doch nicht zum Unfall führt) – die Liste lässt sich fortsetzen. Was es nicht gibt, sind Wunder nach Plan. Wunder sind außerplanmäßig, sonst sind sie keine Wunder. Dass das nach Fahrplan dreimal im Jahr in Neapel auftretende Blutwunder des heiligen Januarius eine große Fangemeinde unter katholischen Gläubigen hat, ist nur unproblematisch, solange es 1. nicht von wichtigen Themen ablenkt (z. B. dass der Papst gerade in Neapel die großen sozialen Probleme der Stadt und die Gesichter der Armut benannt hat, die sogar „blutig von Gewalt“ seien) und solange es 2. den christlichen Glauben nicht insgesamt unglaubwürdig macht. Außenstehende meinen, man müsse verflüssigte Blutstropfen bewundern, um katholisch zu sein. Das stimmt nicht und kann dazu führen, dass der christliche Glaube als verschroben wahrgenommen wird. Kein Wunder.

Monika Slouk

Autor:

martinus Redaktion aus Burgenland | martinus

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