Corona-Sprache

Hermine Schreiberhuber, Publizistin
  • Hermine Schreiberhuber, Publizistin
  • Foto: Studio Nelson
  • hochgeladen von Gerald Gossmann

In der Corona-Krise haben wir unseren Wortschatz enorm aufgestockt. Eine neue Terminologie hat sich entwickelt. Zum Verstehen der oft bizarren neuen Ausdrücke reichen Sprachkenntnisse allein nicht mehr aus. Man muss richtig interpretieren können. Denn so manche Wortschöpfung ist verdammt zweideutig. Den Ausdruck Risikogruppe führen Experten und Laien dauernd im Munde. Anfangs wurde ich von älteren Menschen gefragt, was denn damit eigentlich gemeint sei: Gefährde ich die Jungen oder bin ich selbst in Gefahr? Hochgefahren wird jetzt alles – nach dem Runterfahren. In Wirtschaft, Kultur und Sport. Keiner redet von Einschränkungen bei Aktivitäten, für Geschäfte oder Veranstaltungen. Eine sprachliche Rennstrecke im Frust der Verbote. Anglizismen („Englisch-Fremdwörter“) sind mehr denn je in Mode. In Anweisungen für korrektes Verhalten sind bei den pausenlos auftretenden Politikern und Medizinern Übersetzungen nicht gefragt. Lock-down, Shut-down. Home Office, Home Schooling. Niemand spricht von Schließung, Absagen, Fern-Schulunterricht, Büroarbeit daheim. Social distancing ist geradezu irreführend. Was sich im Englischen normal anhört, klingt bei wörtlicher Übersetzung ins Deutsche fast beleidigend. Als wäre soziales Verhalten eine Zumutung. Warum sagen wir nicht einfach „räumliche, körperliche Distanz“ oder Verzicht auf Treffen? Da hilft oft nur der Hausverstand. Verwissenschaftlichung und sprachliche Verklausulierung schaffen oft mehr Verwirrung als Klarheit. Davon kann ich aus meiner Dolmetscher-Tätigkeit in Jugendjahren ein Lied singen. Zum Glück wird das C-Reizwort nicht übersetzt. Mir tun die Spanier leid. Corona heißt in ihrer Sprache Krone. Das spanische Königshaus hat auch ohne Virus seine Probleme.

Autor:

Gerald Gossmann aus Burgenland | martinus

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