Oberwarts Stadtpfarrer Erich Seifner über Lerneffekte aus der Corona-Krise
Was die Krise uns lehren könnte

Nach den Worten des Papstes leben: Achtsam mit der Schöpfung umgehen.
  • Nach den Worten des Papstes leben: Achtsam mit der Schöpfung umgehen.
  • Foto: Martin Korpitsch
  • hochgeladen von Gerald Gossmann

Als einen Transformationsverstärker bezeichnete der Zukunftsforscher Matthias Horx die Corona-Krise. Nach dieser Krise werde die Welt nicht mehr dieselbe sein wie vorher.

Dass die Corona-Krise das Angesicht der Erde verändern wird, davon ist auch Kardinal Christoph Schönborn überzeugt. Es werde hoffentlich zu einem Umdenken in Wirtschaftsfragen, aber auch im jeweils eigenen persönlichen Leben kommen. Die Globalisierung brauche dringende Korrekturen. Wörtlich sagte der Kardinal in der ORF-Pressestunde: „Muss man über das Wochenende nach London zum Shoppen fliegen? Muss man Weihnachten auf den Malediven verbringen? Muss man Luxuskreuzfahrten mit 4.000 Menschen auf einem Schiff machen? Müssen täglich 200.000 Flugzeuge in der Luft sein?“
Auch für Papst Franziskus birgt die Corona-Krise die Chance, sich stärker um notleidende Menschen und um die Umwelt zu kümmern statt in altes Denken und Handeln zurückzufallen. In seiner Meditation am menschenleeren Petersplatz in Rom sagte er: „Wir haben bisher nicht auf den Schrei der Armen und unseren schwer kranken Planeten gehört und unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden.“

Ist die Corona-Krise eine Strafe Gottes? Keineswegs! Allerdings drängt sich schon die Frage auf, und sie ist berechtigt: Was will uns Gott durch diese Krise sagen? Auch den Stellungnahmen der oben gennannten Personen und vieler unserer Zeitgenossen können wir entnehmen, dass uns die Corona-Krise sehr wohl nachdenklich machen sollte, die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft zum Umdenken und jeden Einzelnen von uns zur Änderung seines Lebensstils veranlassen möchte, damit wir einer guten Zukunft entgegengehen können.

Was können bzw. was sollten wir aus der Corona-Krise konkret lernen?

  • Nicht alles haben wir im Griff. Die Corona-Krise zeigt uns sehr deutlich die Grenzen der Machbarkeit. Jeder weiß: Die Möglichkeiten, uns vor Ansteckung durch den Corona-Virus zu schützen, sind begrenzt. Niemand weiß, ob und wann es ihn trifft oder ob ihm nahestehende Menschen in Gefahr geraten.In einer solchen Zeit der Krise sind nicht Oberflächlichkeit und Arroganz, sondern Maßhalten und Dankbarkeit angebracht (Bischof Ivo Muser von Südtirol).
  • Globalisierte Solidarität, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe. Wir sind eine Menschheitsfamilie. Nicht nur die Klimakrise, sondern auch die Corona-Krise macht uns bewusst, dass nicht nur jeder Einzelne gefordert ist seinen Beitrag zu leisten, sondern dass weltweit eine gemeinsame Kraftanstrengung notwendig ist.
  • Kein Vergessen der vielen anderen Menschen, die Not leiden oder die aufgrund von Krieg, Dürre und Hungersnot auf der Flucht sind oder vertrieben werden. Die Probleme irgendwo auf der Welt haben Auswirkungen auf uns alle!
  • Soviel Globalisierung wie notwendig und so viel Eigenverantwortlichkeit der Staaten wie möglich.Keine weiten Tiertransporte, Lebensmittelversorgung, Warenproduktion und Dienstleistungen soweit wie möglich durch einheimische Betriebe bzw. Personen.
  • Einfacher Lebensstil und kritisches Konsumverhalten. Müllvermeidung, Reduktion der CO2- Emissionen, etc.
  • Die Zeit, die wir zuhause verbringen „müssen“, nützen, um „Hauskirche“ zu feiern, um uns auf den Wert der Familie zu besinnen und darüber nachzudenken: Was ist wichtig und was nicht? Wer bin ich? Was ist der Sinn meines Lebens? Wie kann ich mit meinen Talenten der Gemeinschaft dienen? Welche Rolle spielt Gott in meinem Leben? Glaube ich überhaupt an ihn? Liebe ich ihn mit ganzem Herzen und ganzer Seele und den Nächsten wie mich selbst? Wer an Gott glaubt, ist niemals allein. Er hat in jeder Situation seines Lebens einen Ansprechpartner. Gott lässt niemanden, der auf ihn sein Vertrauen setzt, fallen. Und selbst wenn wir fallen, fallen wir nicht tiefer als in seine Hand.

Sollten wir dies im Wesentlichen aus der Corona-Krise lernen, könnte das nicht tatsächlich wertvolle Veränderungen im Zusammenleben der Menschen mit sich bringen? – Eine solidarischere, achtsamere und lebenswertere Welt wäre die Folge.

Autor:

Gerald Gossmann aus Burgenland | martinus

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen