Seelsorgeraum hilft jungem Geflüchteten
„Hier sind gute Menschen“

Gemeinschaft. Pfarrer Günther Kroiss, Rohulla Nasari und sein Taufpate, der Ratsvikar von Gattendorf Manfred Wiry (v.l.).
  • Gemeinschaft. Pfarrer Günther Kroiss, Rohulla Nasari und sein Taufpate, der Ratsvikar von Gattendorf Manfred Wiry (v.l.).
  • Foto: Wiry
  • hochgeladen von Gerald Gossmann

Ein junger Asylwerber hat im Seelsorgeraum „An der Leitha“ eine neue Heimat gefunden. In der Osternacht wird der Afghane in Zurndorf getauft werden. Der Verbund aus fünf Pfarren ist ein wichtiger Starthelfer für den 22-jährigen Rohulla.

Gerald Gossmann

Eine Taufe ist kein Kindergeburtstag. Seit über einem Jahr befindet sich der 22-jährige Asylwerber Rohulla Nasari in der Vorbereitung auf das Sakrament. Er lernt in Gemeinschaft das Kirchenjahr kennen und bekommt Glaubenswissen vermittelt. 2015 kam er im Zuge der großen Flüchtlingswelle als unbegleiteter Minderjähriger nach Nickelsdorf, wo er bis heute in einer Asylunterkunft lebt. Im Seelsorgeraum „An der Leitha“ schwärmen viele Pfarrmitglieder vom jungen Afghanen. Er habe sich gut integriert, besucht mehr Gottesdienste als so mancher Einheimische, kocht afghanische Spezialitäten vor Pfarrsitzungen und wird nun in der Osternacht symbolträchtig in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen.

Taufpate. Rohulla Nasari wuchs nicht nur in eine Pfarre hinein, sondern in fünf. Der Seelsorgeraum besteht aus den Einheiten Nickelsdorf, Zurndorf, Deutsch Jahrndorf, Gattendorf und Potzneusiedl. Heute besucht der junge Afghane Gottesdienste in allen Orten. So lernte er auch den Gattendorfer Ratsvikar Manfred Wiry kennen, der zugleich Mesner ist und sich mit Rohulla anfreundete. „Er musste flüchten und mir war es ein Bedürfnis ihn zu begleiten“, erzählt der ehemalige Fotograf dem martinus. „Wir sind oft zusammengesessen, haben geplaudert und nun bin ich gar sein Taufpate.“ Wiry sagt, er habe in den Medien Schauergeschichten über Afghanen vernommen. „Doch mein persönlicher Eindruck war konträr zu diesen Meldungen. Rohulla ist ein vernünftiger junger Mann, wissbegierig und bereit etwas zu tun.“

Keine „Schmähpartie“. Pfarrer Günther Kroiss (der seit Oktober den Seelsorgeraum leitet) führte fort, was sein Vorgänger Roman Schwarz begonnen hatte. Ursprünglich ist Rohulla Muslim; „aber ein ‚Taufschein-Moslem‘“, scherzt Kroiss. Rohulla selbst erzählt in gutem Deutsch, dass er Religion in seiner Heimat nur unter Zwang kennen gelernt habe. „Hier kann ich mich freiwillig entscheiden.“ Im Burgenland schätze er die Authentizität der Menschen. „Sie beten in der Kirche und sind auch außerhalb davon gute Menschen. Das ist nicht überall so.“ Rohulla absolvierte bereits das Katechumenat (die Vorbereitung auf das Sakrament der Taufe), das ein Jahr dauert. Kroiss erzählt: „Beim Asylverfahren musste ich beweisen, dass es keine Schmähpartie ist.“ Der evangelische Richter sei begeistert gewesen von Rohullas „komplexen Gedanken“ und seinem Glaubenswissen. In einem Monat soll er laut Kroiss den positiven Asylbescheid bereits zugesandt bekommen. In den Pfarren will man sich weiterhin engagieren für Rohulla, der nach der erfreulichen Post noch vier Monate in Bundesbetreuung bleiben kann.
Pfarrer Kroiss hat bereits eine Idee für danach: Der 22-Jährige soll etwa 20 Stunden in der Gastronomie arbeiten und nebenbei Bildung erfahren. Schon jetzt erhält er Nachhilfe in Deutsch und Englisch. Bislang besitzt Rohulla bloß einen Hauptschulabschluss, den er in Österreich absolviert hat. „Im Gastgewerbe würde er Leute kennen lernen und nebenbei könnte man sein Potential fördern“, betont Kroiss. Rohulla ist zuversichtlich. Die Taufe in der Osternacht wird etwas Besonderes. Die Gläubigen im Seelsorgeraum haben wohl so etwas wie eine kleine Auferstehung ermöglicht.

Autor:

Gerald Gossmann aus Burgenland | martinus

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